Inhalt des Artikels:

  • Hilfe durch eine Senioren-Betreuerin in den eigenen vier Wänden
  • Ein Beispiel für die Kosten einer Senioren-Betreuung
  •  Für Betreuer aus dem Ausland gilt deutsches Arbeitsrecht
  • Seniorenresidenz im Ausland als günstigeres Pflegeheim
  • Günstigere Alternative durch niedrigere Lohnkosten

Hilfe durch eine Senioren-Betreuerin in den eigenen vier Wänden

Gebete auf Litauisch, für eine demenzkranke Deutsche. Verstehen wird Maria Diezmann die Botschaften aber nicht. Ihre litauische Betreuerin will sie damit beruhigen. Maria Diezmann ist fast 100 und seit vier Jahren ans Bett gefesselt. Sie hat den höchsten Pflegegrad 5 und lebt in Pölzig in der Nähe von Gera.

Virginja Mackoniene ist aus Litauen und arbeitet seit fünf Jahren als Senioren-Betreuerin in Deutschland.Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Senioren-Betreuerin Virginja Mackoniene aus Osteuropa kümmert sich um sie. Und diese wohnt genauso im Haus mit der Seniorin, wie deren Tochter Ilona Ertel. Diese ist aber berufstätig und kann sich nur am Abend um ihre Mutter kümmern. Ein Pflegeheim kam für sie nicht infrage. "Wir waren immer eine Familie und waren immer alle zusammen. Und ich wollte sie nicht allein lassen", erklärt Ilona Ertel.

Wir waren immer eine Familie und waren immer alle zusammen. Und ich wollte sie nicht allein lassen.

Ilona Ertel

Ilona Ertel ist froh über die Möglichkeit einer Senioren-Betreuung für ihre Mutter in den eigenen vier Wänden.Bildrechte: MDR/Umschau

Virginja Mackoniene ist 61 und von Beruf eigentlich Sekretärin. Seit fünf Jahren betreut sie Senioren in Deutschland. Mit ihrem Deutsch ist sie noch am Anfang. Doch dafür wurde eine Kommunikations-Hilfe gefunden. "Die Sprachbarriere ist im ersten Moment etwas kompliziert, aber es gibt einen Translator im Handy, da kommt es nicht zu Missverständnissen. Dann weiß man immer, was der andere möchte", sagt Ilona Ertel. 

Virginja ist keine ausgebildete Pflegekraft, sondern Betreuerin. Sie darf daher nicht als Pflegekraft bezeichnet werden. Die Betreuerin kümmert sich vor allem um persönliche Wege, Wäsche und den Haushalt. Die Arbeit ist anstrengend, die Heimat weit weg. Ihren Ehemann sieht Virginja nur selten. Sie macht die Arbeit gerne. "Es kann hart sein. Man braucht Geduld und Liebe. Wenn du deine Arbeit liebst und die Menschen liebst, dann wird alles gut", sagt Virginja Mackoniene aus Litauen gegenüber dem MDR-Magazin Umschau.

Ein Beispiel für die Kosten einer Senioren-Betreuung

Die Leistungen der Senioren-Betreuerin kosten in Virginia Mackonienes Fall 2.900 Euro im Monat. 990 Euro bekommt Maria Diezmann durch ihren Pflegegrad 5 von der Pflegekasse ausgezahlt, die sie dafür einsetzen kann. Damit bleibt ein Eigenanteil von 1.910 Euro. Die Betreuerin bekommt noch freie Kost und Logis. Jeden Tag kommt ein Pflegedienst und versorgt die Seniorin medizinisch im Rahmen der häuslichen Krankenpflege. Die Krankenkasse trägt hier die Kosten.

Senioren-Betreuer sind längst keine Seltenheit mehr, wie Heinz Rothgang, Professor für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung an der Uni Bremen, erklärt: "Schätzungen gehen von 400.000 bis zu eine Million Personen aus, die das machen. Das ist keine Nischengeschichte." Der Bedarf an Betreuungen zuhause könnte in den nächsten Jahren noch deutlich zunehmen. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt immer weiter: Von heute 5,6 auf 7,6 Millionen in 30 Jahren. "Drei von vier Männern werden pflegedürftig. Fünf von sechs Frauen werden pflegebedürftig. Wir reden über unsere aller Zukunft", sagt Rothgang.

 Für Betreuer aus dem Ausland gilt deutsches Arbeitsrecht

Laut Arbeitsrecht darf eine Betreuerin im Schnitt nur acht Stunden pro Werktag arbeiten. Rund um die Uhr im Einsatz kann sie daher nicht sein, sagt Iris Rother. Ihre Agentur vermittelt Betreuerinnen aus Osteuropa an Familien in Deutschland. "Ich muss mich genauso daran halten und kontrolliere, dass die 40-Stunden-Arbeitswoche eingehalten wird", sagt sie dem MDR-Magazin Umschau. Dennoch ist es ein großer Vorteil, dass die Betreuer im Umfeld des zu Pflegenden leben. "Es ist im Hintergrund eine wahnsinnige Sicherheit, wenn du weißt, der alte Mensch lebt nicht alleine. Das ist wie eine Hintergrundbereitschaft bei einem Arzt", so Rother.

Doch rechtlich liegt das in einer Grauzone. Wann ist die Betreuung im Dienst und wann nicht? "Es wird erwartet, dass 24 Stunden am Tag, jeden Tag die Woche sich jemand um einen älteren Menschen kümmert. Das heißt, die Erwartungshaltung ist anders, als was in den Verträgen steht", schätzt Pflege-Experte Rothgang ein. Was klar ist, auch hier gilt der Mindestlohn. "Wer eine ausländische Haushalts- und Betreuungskraft anstellt, muss mindestens den für Deutschland jeweils gültigen Mindestlohn zahlen", erklärt die Verbraucherzentrale Bundesverband.

Seniorenresidenz im Ausland als günstigeres Pflegeheim

An der polnischen Ostseeküste, in der Nähe von Kolberg und nur wenige Kilometer vom Wasser entfernt, lebt Gudrun Schmidt in der Seniorenresidenz Erania in einer eigenen Wohnung. Die 70-Jährige hat Probleme mit dem Herzen und ist froh, dort betreut zu werden und nicht alleine zu sein. "Ich möchte nicht, dass ich mit einem Schlaganfall im Krankenhaus lande und nach dem Krankenhaus in irgendein Altenheim abgeschoben werde", sagt sie dem MDR-Magazin Umschau. Um sich auch besser in der weiteren Umgebung verständigen zu können, lernt sie Polnisch.

Die Seniorenresidenz Erania in der Nähe von Kolber ist idyllisch im Grünen gelegen. Die niedrigeren Löhne in Polen sorgen für einen geringeren Eigenanteil beim Pflegeheimplatz als in Deutschland.Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch ihre Mutter ist in der Seniorenresidenz untergebracht, aber im benachbarten Gebäude auf der Demenz-Station. Die 95-Jährige ist bettlägerig und schwer dement. Zuerst war sie in einem Pflegeheim zu Hause in Deutschland untergebracht. Doch die Tochter war mit der dortigen Situation nicht zufrieden. "So gut wie kein Personal. Eine Pflegestation, eine Etage mit ungefähr 20 pflegebedürftigen, dementen Menschen, die auch körperlich sehr stark eingeschränkt waren. Es gab gerade mal zwei Pflegerinnen", erinnert sie sich. Da beide in der Seniorenresidenz wohnen, kann sie ihre Mutter auch jederzeit schnell besuchen.

Günstigere Alternative durch niedrigere Lohnkosten

Ein Pflegeheim-Platz in der Seniorenresidenz Erania kostet rund 1.700 Euro, der Preis variiert etwas nach oben und unten, nach Pflegegrad und Pflegeaufwand. Der Eigenanteil ist hier deutlich niedriger als in Deutschland. Die Personalkosten in Polen sind geringer, begründet das Joanna Makowska von der Heimleitung gegenüber dem MDR-Magazin Umschau. Und die Nachfrage steige. "Wir haben vor zehn Jahren festgestellt, dass es einen großen Bedarf auf dem deutschen Markt gibt. Durch den Personenmangel und auch den steigenden Bedarf an den Plätzen. So hat sich dann die Idee herausgestellt", erklärt Joanna Makowska. Die Wartezeit auf einen Platz im Heim liege bei etwa drei Monaten. Wer will, könne vorher zur Probe wohnen. Übrigens: Auch in Polen können Deutsche von ihrer Kasse Pflegegeld bekommen.

Gudrun Schmidt wohnt in der Seniorenresidenz im betreuten Wohnen, ihre Mutter hat gleich nebenan einen Pflegeheimplatz im benachbarten Gebäude.Bildrechte: Umschau/MDR

Die meisten Räume werden als Doppel-Zimmer genutzt. Der Standard ist ähnlich wie in deutschen Pflegeheimen. Arztbesuche zahlt die deutsche Krankenversicherung. Auch der Pflegegrad kann vor Ort überprüft werden. Der Umzug ins Ausland am Lebensabend ist aber ein großer Einschnitt. "Die Sprachbarriere ist eine von den größten Ängsten", schätzt Joanna Makowska ein. Dabei werde es den Bewohnern hier extra leicht gemacht. "Wir sprechen selbst Deutsch", sagt sie. 180 Menschen leben in der Seniorenresidenz, zwei Drittel davon Deutsche.

 

MDR (cbr)

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