Sachsen-Anhalt will auch militärische Forschung im Drohnentestzentrum Cochstedt
- Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister setzt sich dafür ein, das Drohnenzentrum Cochstedt mit finanzieller Unterstützung des Bundes zum nationalen Zentrum für Drohnenabwehr auszubauen.
- Der Bund hält sich mit weiteren Fördergeldern bislang aber zurück, da neben Cochstedt auch Erding in Bayern als möglicher Standort für ein nationales Drohnenabwehrzentrum infrage kommt.
- Laut dem Leiter der Cochstedter Einrichtung macht Deutschland in der Drohnenforschung große Fortschritte.
Ein frostiger Novembertag am Flughafen Cochstedt bei Magdeburg. Eine Forscherin schiebt ein Transportwägelchen über den Asphalt. Darauf: eine Drohne und Messtechnik. Weil die Arbeit der Forscherin Sicherheitsaspekte berührt, soll ihr Name geheim bleiben.
"Hier am nationalen Erprobungszentrum in Cochstedt arbeite ich als Wissenschaftlerin und beforsche, wie ich mithilfe von Kameras eine Ersterkennung von Drohnen machen kann, um die dann zu verfolgen und daraus, wenn ich die Daten an ein Lagezentrum gebe, eine Gegenmaßnahme ableiten zu können." Die Forscherin lässt eine Drohne starten.
Manipulierte GPS-Signale statt Drohnen-Abschuss
Es geht um die Frage: Wie identifiziert man fremde Objekte am Himmel? Und wie kriegt man sie sicher runter?
Abschießen sei nur eine Option, sagt Daniel Sülberg, der das Forschungszentrum in Cochstedt leitet. Man könne Drohnen auch mit IT-Wissen zur Landung zwingen. "Das heißt, wenn die ein GPS-Signal kriegt, dann gebe ich ein anderes Signal rein, überlagere damit das Signal und sage ihr: 'Du denkst, du bist auf 50 Metern, aber du bist 20 Meter unterm Boden.' Dadurch landet die automatisch."
Das sei technologisch sehr herausfordernd, aber es gebe schon einen ganzen Baukasten, an dem man sich bedienen könne.
Cochstedt soll nationales Drohnenabwehrzentrum werden
Bisher hat das Zentrum vor allem zu zivilien Fragen geforscht. Doch nun will Sachsen-Anhalts Landesregierung Cochstedt zur nationalen Forschungsstätte für Drohnenabwehr ausbauen.
Der Wissenschaftsminister von Sachsen-Anhalt, Armin Willingmann (SPD), hofft auf mehr Geld vom Bund. "Unsere Sicherheitslage, die Bedrohung hat sich deutlich verändert. Die Spionage- und Sabotage-Gefahr wächst auch in Deutschland. Wir haben kritische Infrakstruktur, Industrieanlagen auch in Sachsen-Anhalt. Das heißt also, Drohnenforschung tut not."
Es bietet sich in Cochstedt einfach an, einen vorhandenen Nukleus, der dort seit 2021 entstanden ist, weiter auszubauen. Es ist die absolute Spitzeneinrichtung dafür in der Bundesrepublik Deutschland.
Es biete sich in Cochstedt an, einen vorhandenen Nukleus, der dort seit 2021 entstanden ist, weiter auszubauen. Es sei dafür in Deutschland die absolute Spitzeneinrichtung.
Bund hält sich bei weiterer Förderung bislang zurück
Das Bundesforschungsministerium hat bereits knapp 15 Millionen in Cochstedt investiert. Zur Frage, ob es noch mehr geben wolle, bleibt ein Sprecher vage. Er schreibt: "Das Nationale Erprobungszentrum (...) in Cochstedt ist eine bereits gut frequentierte und etablierte Plattform. Ziel ist es, die Einrichtung so aufzustellen, dass sie für alle Partner die besten Voraussetzungen bietet."
Die Zurückhaltung hat Gründe: Auch das bayerische Erding hofft auf mehr Bundesmittel. Dort erprobt die Bundeswehr Drohnen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sähe das nationale Drohnenabwehrzentrum deshalb lieber dort. Der Standort-Streit ist unentschieden.
Deutschland macht Fortschritte in der Drohnenforschung
Bei der Drohnenforschung, sagt Daniel Sülberg aus Cochstedt, mache Deutschland aber stetig Fortschritte. "Wir haben in Deutschland super viele Hidden Champions im Drohnenbereich. Die sind jetzt vielleicht nicht so sichtbar. Wenn man über das Thema Betriebsgenehmigungen geht, die in Europa für Drohnenbetriebe erteilt worden sind, sind größenordnungsmäßig 70 bis 80 Prozent aller Betriebsgenehmigungen für Drohnen in Europa in Deutschland ausgestellt worden."
Sülberg wünscht sich den Zuschlag für das nationale Drohnenabwehrzentrum für sein Haus. Bieten könne man neben einem ehemaligen Flughafen und Expertise vor allem viel Platz – und einen wunderbaren Blick bis zum Brocken.
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