Wie in Erfurt das neue Kulturquartier entsteht
- Für das neue Kulturquartier in Erfurt wurde die erste Kulturgenossenschaft Thüringens gegründet.
- Das Quartier soll auf dem Gelände des alten Erfurter Schauspielhauses entstehen, das gerade umgebaut wird.
- Zu den Herausforderungen dabei zählt unter anderem der Denkmalschutz.
In Erfurt wird seit einem Jahr das Areal rund um das alte Schauspielhaus umgebaut. Bis Frühjahr 2027 soll hier ein modernes Kulturquartier mit Tanzsaal, Kino sowie Räumen für ein Lokalradio entstehen. Auch Vermietungen sollen möglich sein – an Interessenten, die kleinere Räume etwa für Konzerte, Bildungs- oder Kunstprojekte suchen.
Tely Büchner vom Vorstand des Kulturquartier Erfurt e.V. und der Architekt Thomas Schmidt kümmern sich um das große Umbauprojekt.Bildrechte: Stadtverwaltung Erfurt/Daniel SantanaDafür gebe es schon jetzt genügend Anfragen, sagt Tely Büchner vom Vorstand des Kulturquartier Erfurt e. V. Für das Projekt haben sie und ihre Mitstreiter die erste Kulturgenossenschaft Thüringens gegründet – und damit bundesweit für Interesse gesorgt.
Ein gemeinsam geschaffener Kulturort
Entstanden ist die Idee zu diesem besonderen Kulturzentrum vor zehn Jahren. Damals hätten sie viele für unrealistisch gehalten, erzählt Tely Büchner. Vor allem der Gedanke, das Projekt als Genossenschaft zu realisieren.
Das alte Schauspielhaus soll ab 2027 zum neuen Kulturtreffpunkt der Stadt Erfurt werden.Bildrechte: MDR/Antje KirstenHeute hat die Genossenschaft 950 stimmberechtigte Mitglieder. Auch Gruppen und Gemeinschaften sind dabei, insgesamt mehr als 1.000 Menschen. Aber auch jetzt noch werden Unterstützer gebraucht, Förderer, Genossenschaftler. Wer will, könne hier seine Stadt aktiv mitgestalten, sagt Tely Büchner. Jede Stimme zähle – jetzt und in Zukunft, denn die Genossenschaft soll die Basis bleiben, auf der im Kulturquartier später gearbeitet wird. Für Entscheidungen gebe es einen Programmbeirat und eine Kuratorin beziehungsweise einen Kurator, so Tely Büchner weiter.
Ich denke, dass wir relativ singulär sind – auch bundesweit (...), mit der Größe des Projektes, dem bürgerschaftlichen Engagement, auch mit der Gründung der ersten Kulturgenossenschaft in Thüringen.
Altes Schauspielhaus wird derzeit umgebaut
Das für das Kulturquartier vorgesehene Gebäude des alten Schauspielhauses stammt aus dem Jahr 1897 und ist derzeit eine große Baustelle. Eine Million Euro Eigenkapital hatte der Verein Kulturquartier Erfurt e. V. aufgebracht – als Grundstock, um das Haus überhaupt kaufen zu können.
Schon von außen sieht man, dass am alten Schauspielhaus gerade viel passiert.Bildrechte: KulturQuartier/Björn SchorrVor einem Jahr fiel der Startschuss für den Bau. Seitdem wurden Träger eingezogen, eine neue Ebene geschaffen, Fenster, Türen und Wände aufgerissen und neu gemacht. Mittlerweile ist der Rohbau fast geschafft.
Der Architekt Thomas Schmidt hält hier die Fäden in der Hand. Aktuell beschäftigt er sich mit den Ausschreibungen für die Maler, auch die Haustechnik steht auf dem Programm. Doch zunächst muss der Putz an vielen Stellen ab, denn das Mauerwerk des Alten Schauspielhauses braucht Schutz vor Feuchtigkeit.
Das Schöne an dem Haus ist ja, dass so viele Akteurinnen und Akteure hier dabei sind, dass viele Synergien entstehen.
Denkmalschutz erfordert besondere Baumaßnahmen
Man habe es hier mit einem denkmalgeschützten Gebäude zu tun, erklärt Architekt Schmidt. Das sei von außen schlecht dämmbar, um die historische Fassade nicht kaputt zu machen. In einigen Bereichen würden daher sogenannte Wärmeinseln eingebaut, die von innen gedämmt seien, so Thomas Schmidt, nach dem Prinzip "Haus im Haus". Dafür und eine denkmalgerechte Sanierung habe der Verein Fördermittel erhalten, ergänzt Tely Büchner.
Das soll einmal der Eingang für das Kulturquartier werden.Bildrechte: KulturQuartier/Björn SchorrIm Frühjahr 2027 wollen sie Eröffnung feiern – mit 4.500 Quadratmetern Nutzfläche und einem großes Foyer mit original erhaltener Treppe in der Mitte. "Dieses Treppenhaus soll einmal zentral sein und ein Anker hin zur Innenstadt", erklärt Tely Büchner. Das "Herzstück" werde jedoch der große Saal.
Für die Zukunft des Kulturquartiers strebt Büchner unter anderem eine Kooperation mit dem Theater Erfurt an, das wieder eine eigene Schauspiel-Sparte erhalten soll. Das funktioniere in anderen Landeshauptstädten auch gut, sagt Büchner, "die Substanz gemeinsam nutzen, und damit ein gutes Angebot für eine Stadtgesellschaft zu schaffen."
Quelle: MDR KULTUR (Blanka Weber), Kulturquartier Erfurt e.V.; redaktionelle Bearbeitung: op, tmk
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke