Im Jahr 2025 stammten in Deutschland wie schon im Vorjahr 55,9 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien, wenn man die öffentliche Nettostromerzeugung betrachtet – also den Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt. Auf den ersten Blick wirkt das entweder wie Stabilität oder wie Stagnation. Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt jedoch, dass sich hinter dieser scheinbaren Konstanz deutliche Verschiebungen innerhalb der einzelnen Energieerzeugungsarten verbergen.

Windkraft war erneut der wichtigste Energieträger der öffentlichen Stromerzeugung. Allerdings fiel die erzeugte Strommenge etwas geringer aus als im Vorjahr, vor allem aufgrund ungünstigerer Windverhältnisse. Photovoltaik dagegen verzeichnete einen kräftigen Zuwachs und rückte auf Platz zwei vor. Die Braunkohle verlor weiter an Bedeutung, dafür legte Gas im Vergleich zum Vorjahr wieder zu.

Langfristige Verschiebung im Strommix

Die Daten seit 2002 zeigen einen grundlegenden Strukturwandel. Während fossile Energieträger über Jahre hinweg den Strommix dominierten, nahm die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien kontinuierlich zu. Mittlerweile erzeugen erneuerbare Energien im Jahresmittel deutlich mehr Strom als fossile Kraftwerke.

Gleichzeitig wird sichtbar, dass sich der Rückgang fossiler Stromerzeugung zuletzt verlangsamt hat. Vor allem Erdgas gleicht sinkende Kohlemengen zunehmend aus. Der langfristige Trend ist eindeutig, doch kurzfristige Effekte und politische Rahmenbedingungen beeinflussen das Tempo des Umbaus deutlich.

Solarstrom überholt Braunkohle

Besonders anschaulich wird der Wandel im direkten Vergleich von Solarstrom und Braunkohle. Anfang der 2000er-Jahre spielte Photovoltaik praktisch keine Rolle. Heute ist sie ein zentraler Bestandteil der Stromerzeugung. 2025 überholte Solarstrom erstmals die Braunkohle bei der öffentlichen Nettostromerzeugung.

Dieser Überholvorgang, der übrigens nicht nur für Deutschland, sondern auch für die EU insgesamt gilt, ist vor allem symbolisch bedeutsam. Er zeigt, wie schnell sich das Stromsystem verändert hat. Für die Klimabilanz bedeutet das jedoch nicht automatisch einen Durchbruch, da ein Teil des zusätzlichen Solarstroms direkt vor Ort verbraucht wird.

Windkraft-Ausbau lässt zu wünschen übrig

Während Solarenergie stark zulegt, bleibt der Ausbau der Windkraft hinter den politischen Zielvorgaben zurück. Der Vergleich von geplantem und tatsächlichem Ausbau zeigt eine wachsende Lücke, insbesondere bei Wind an Land. Ende 2025 war eine installierte Leistung von 76,5 Gigawatt vorgesehen, tatsächlich installiert sind nur 68,1 Gigawatt.

Da Windkraftanlagen über viele Volllaststunden verfügen, wirken sich fehlende Kapazitäten besonders stark auf die erzeugten Strommengen aus. Diese Ausbauverzögerungen sind ein wesentlicher Grund dafür, warum die erneuerbare Stromerzeugung 2025 deutlich unter dem angestrebten Zielwert lag – trotz des Solarbooms.

Stromhandel bleibt Teil des Systems

Ein Blick auf den grenzüberschreitenden Stromhandel zeigt, dass Deutschland 2025 wieder mehr Strom importiert als exportiert hat, allerdings ist der Import-Saldo etwas geringer als im Jahr zuvor.

Diese Entwicklung hängt unter anderem mit veränderten Preisrelationen zusammen. Niedrigere Gaspreise und höhere Börsenstrompreise förderten die inländische Stromerzeugung. Die Zeitreihe macht zugleich deutlich, dass Stromimporte und -exporte seit vielen Jahren zum Normalzustand eines eng vernetzten europäischen Strommarkts gehören. Während Deutschland aber bis 2022 fast immer mehr Strom exportierte als importierte, ist das seit drei Jahren umgekehrt.

Batteriespeicher wachsen – aber auf recht niedrigem Niveau

Parallel zum Ausbau der erneuerbaren Energien nimmt auch die Bedeutung von Batteriespeichern zu. Seit 2014 ist die installierte Speicherkapazität deutlich gewachsen, zunächst vor allem durch Heimspeicher in Kombination mit Photovoltaikanlagen. In jüngerer Zeit kommen vermehrt große Batteriespeicher hinzu.

Trotz des dynamischen Wachstums bleibt die Gesamtkapazität bislang begrenzt. Für ein Stromsystem mit sehr hohen Anteilen erneuerbarer Energien werden in den kommenden Jahren deutlich größere Speichermengen benötigt, um Angebot und Nachfrage zeitlich besser auszugleichen.

Insgesamt zeigt das Jahr 2025 ein Stromsystem im Übergang. Die langfristige Verschiebung hin zu erneuerbaren Energien ist unübersehbar. Doch Wetterabhängigkeit, strukturelle Effekte und ein zu langsamer Ausbau der Windkraft bestimmen zunehmend, wie schnell die Energiewende im Stromsektor tatsächlich vorankommt.

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