Spenden sammeln noch vor dem Freiwilligendienst: Was steckt dahinter?
- Bei vielen Freiwilligendienst-Organisationen sollen die Interessenten selbst Spenden sammeln. Teilweise nehmen die jungen Menschen diese Praxis als Pflicht durch die Hintertür wahr.
- Die Spenden sind und bleiben zwar freiwillig, die Begleitkosten für die Zertifizierung der Organisationen und die pädagogische Betreuung der Volontäre sind jedoch hoch.
- Das Bundesentwicklungsministerium gewährt den Organisationen großzügige Zuschüsse, aber eine Lücke in der Finanzierung bleibt.
Mit dem Abi in der Tasche wollte Yunes, 18 Jahre, ins Ausland – nach Afrika. Anfang 2025 bewarb er sich bei einer Organisation, die er über das staatlich geförderte Weltwärts-Programm des Entwicklungsministeriums gefunden hatte.
Spenden sammeln: Teilweise vierstellige Summen noch vor der Abreise
Dass er für seinen Freiwilligendienst zusätzlich Geld einwerben sollte, war Yunes zwar bald klar. Doch in seinen Augen legte seine Organisation extrem viel Fokus auf das Finanzielle: "Es stand immer formal als Spende da, aber es wurde einem so erklärt, als wäre es einfach eine Bezahlung, die man tätigen muss. Und deswegen ging es auch schon in der Vorbereitung sehr, sehr stark darum, wie man das Geld zusammenkriegt, bei wem man am besten fragen kann, wie man dann mit diesen Personen spricht, was man denen dann später für Bilder schickt und so weiter."
Zudem sei ihm deutlich gemacht worden: Das Geld müsse er schon vor der Ausreise zusammen haben. 2.000 Euro – von einer Stiftung und einer Bekannten der Familie – überwies Yunes als Spende vier Wochen vor seinem Abflug nach Westafrika.
Spenden sind freiwillig, Kosten für Zertifizierung und Begleitung jedoch hoch
Ein mehrfach falscher Eindruck, den die Organisation ihm da vermittelt habe, sagt Tina Hofmann. Sie koordiniert beim Weltwärts-Programm die knapp 130 gemeinnützigen Vereine und Organisationen, die Freiwillige ins Ausland entsenden: "Die Spenden sind und bleiben freiwillig. Das heißt, Entsendeorganisationen können auch keine Vorgaben machen, wann Spenden eingehen sollen. Insofern war das nicht korrekt."
Die reine Arbeitskraft reiche jedoch zur Finanzierung des Auslandsdienstes nicht aus. Und im Gegensatz zu kommerziellen Anbietern, die für deutlich mehr Geld deutlich kürzere Aufenthalte vermitteln, müssen Weltwärts-Organisation ihre Freiwilligenprogramme zertifizieren lassen und zum Beispiel die jungen Menschen im Ausland pädagogisch begleiten: "Das heißt, es erfordert auch viel Begleitung und Betreuung, Anleitung durch die Entsender und vor allem durch die Partnerorganisationen vor Ort, bevor erstmal tatsächlich ein Mehrwert an der Leistung der Freiwilligen zutage kommt."
Bundesentwicklungsministerium finanziert Großteil – trotzdem bleibt eine Lücke
Nach Angaben von Weltwärts kostet einer der etwa 2.270 Freiwilligen seine Organisation durchschnittlich 13.000 Euro pro Jahr – für Unterkunft, Verpflegung, medizinische Versorgung und Versicherung. Einen Großteil übernimmt das Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Doch eine Lücke von etwa 25 Prozent bleibe.
Niemand müsse deshalb zwingend tausende Euro einwerben oder überhaupt spenden – denn alles Geld lande gesammelt in einer Art Solidar-Topf. Aber irgendwie müsse dieser eben gefüllt werden, erklärt Weltwärts-Projektkoordinator Moritz Osswald: "Das sind gemeinnützige Organisationen, und wenn die diese 25 Prozent die ganze Zeit komplett selbst finanzieren müssten, also jeden weiteren Cent, würde die das für erhebliche finanzielle Probleme stellen."
Alternative: Hilfen und andere Freiwilligendienste ohne Spenden
Pflicht sei deshalb nur, sich um weitere Förderung und Spenden zu bemühen. Oft sorge das dafür, dass sich Freiwillige mit dem Gastland und ihrer Organisation intensiver beschäftigen. Viele fänden kreative Wege – von Crowdfunding bis Spendenlauf – um teils erhebliche Beträge zusammenzutragen.
Für alle, die von Armut betroffen sind und keinen spendenfreudigen Unterstützerkreis aufbauen können, gibt es zudem die Möglichkeit, weitere Hilfen zu beantragen. Oder sich bei einem anderen Freiwilligendienst zu bewerben: Das europäische Freiwilligenkorps etwa bietet 100-prozentige Förderung. Allerdings überwiegend in Europa.
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