Politischer Diskurs ist ein Kern der Demokratie. Bleibt er aus, etwa auf Grund kontroverser Meinungen, geraten Gesellschaften ins Stocken. Forschende aus der Schweiz haben ein Instrument entwickelt, um die Diskussionsbereitschaft von Menschen zu messen. Und bereits untersucht, wie sich ein bestimmtes Persönlichkeitsmerkmal auf die Diskussionsbereitschaft auswirkt: die Art zu denken.

Politische Gräben überbrücken

Melissa Jauch, Sozialpsychologin von der Universität Basel und Erstautorin einer neuen Studie, erklärt: "Es ist für eine Demokratie unverzichtbar, dass Menschen miteinander sprechen; zum einen, um die Gegenseite besser zu verstehen und im besten Fall politische Gräben zu überbrücken. Zum anderen aber auch, um die eigenen Ansichten kritisch zu hinterfragen." Politische Polarisierung führe dazu, dass Menschen die Konfrontation scheuten. "Es ist daher wichtig zu verstehen, unter welchen Umständen Menschen bereit sind, sich mit Andersdenkenden auszutauschen", so Jauch.

Neues Instrument zur Messung von Gesprächsbereitschaft

Um die Diskussionsbereitschaft zu messen, hat das Basler Forschungsteam ein eigenes Messinstrument mit dem Namen WEDO (Willingness to engage with differently minded others, deutsch: Bereitschaft, sich mit Andersdenkenden auseinanderzusetzen) entwickelt. Dabei werden den Testpersonen Szenarien vorgegeben, in denen diese ihre Haltung zu bestimmten Themen – etwa Nachhaltigkeit oder Migration – angeben sollen.

Danach stellen sie hypothetische Gesprächsgruppen zusammen. Dabei definieren sie den Bereich von Meinungen, den sie in dieser Gruppe als akzeptabel erachten: So kann ein Teilnehmer zum Beispiel Personen mit stark abweichenden Meinungen ausschließen, mäßig abweichende Positionen aber zulassen. WEDO erfasse somit die gesamte Bandbreite von Meinungen, die jemand zuzulassen bereit ist.

Analytisch Denkende eher gesprächsbereit

Die erste Untersuchung mit dem neuen Instrument habe ergeben, dass Personen, die sich offen gegenüber Andersdenkenden zeigen, eher analytisch denken. "Menschen, die zu einem Schwarz-Weiss-Denken neigen und sich eher auf ihr Bauchgefühl verlassen, sind hingegen weniger bereit zum Austausch", berichtet Jauch.

Wie stark ein Thema umstritten war, habe hingegen keine Rolle gespielt. "Wir gingen davon aus, dass bei kontroversen Themen anderslautende Meinungen eher vermieden werden. Das hat sich nicht bewahrheitet, im Gegenteil: Laut einer Studie sind Menschen bei kontroversen Fragen eher bereit, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen", zeigt sich die Sozialpsychologin überrascht.

Link zur Studie

Die Studie "How deep a divide do we tolerate? Measuring the willingness to engage with differently minded others (WEDO)" ist in der Fachzeitschrift "Political Psychology" erschienen.

idw/jar

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