Cannabis und Kinder: Warum Eltern das Gespräch suchen sollten
Wenn Sie Kinder haben, die so langsam erwachsen werden, fragen Sie sich sicher auch: Wie rede ich mit ihnen über das Kiffen, über Drogen überhaupt? Seit knapp zwei Jahren ist der Cannabis-Konsum in Deutschland teillegalisiert. Zumindest Erwachsene dürfen seitdem das ein oder andere Tütchen rauchen. In Erfurt hatte das Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung aus Hamburg am Donnerstag zu einem Elternabend geladen.
In der Petersberg-Kaserne in Erfurt läuft seit November vergangenen Jahres die Ausstellung "ONLY GOOD VIBES? - Cannabis, Rausch und Realität". Mit 15 Kunstobjekten und wissenschaftlichen Erkenntnissen nähert sie sich dem Thema Rausch und dabei auch dem Alkohol. Das war der Rahmen für den Elternabend. Referentin Veronika Möller war aus Hamburg in ihre alte Heimat Erfurt angereist, hatte Klappstühle hin- und den Beamer angestellt.
Die meisten Plätze blieben zum Elternabend zu Cannabis leer.Bildrechte: MDR/Antje KirstenKaum Interesse an Cannabis-Elternabend
Nur: Es kam keiner. Oder besser: Es kam nur ein Vater und eine kleine Gruppe Mamas, die die Ausstellung eher per Zufall entdeckt hatte. Vielleicht liegt es am Winterwetter, mutmaßte Ausstellungs-Kuratorin Susanne Rockweiler. Cannabis und wie man darüber mit den eigenen Kindern redet, interessiere normalerweise viele. In die Ausstellung sind seit November rund 2.300 Schüler und Schülerinnen aus ganz Thüringen gekommen.
"Innerhalb der Familie ist es wichtig, darüber zu reden, um das Vertrauen der Kinder nicht zu verlieren", sagt Michael Appel. Als Vater sei er wohl jahrelang ein eher abschreckendes Beispiel gewesen, räumt er ehrlich ein. "Ich habe früher viele Zigaretten geraucht. Meine Tochter hält das bis heute davon und auch von Drogen ab." Der Elternabend wollte Strategien vermitteln, wie Eltern den Draht zu ihren Kindern behalten. Susanne Rockweiler hat selbst zwei Söhne, und als die ins kritische Alter kamen und das Reden schwierig wurde, hat sie begonnen, ihnen Briefe zu schreiben.
Sucht-Expertin Veronika Möller: "Eltern sollten vermeiden, Cannabis zu verteufeln."Bildrechte: MDR/Antje Kirsten"Eltern sollten vermeiden, Cannabis zu verteufeln"
Es sei ein Spagat, sagt Veronika Möller, die den Elternabend mitinitiiert hat: "Eltern sollten vermeiden, Cannabis zu verteufeln." Bloß nicht dramatisieren, rät sie. Aber mit dem Kind auf dem Sofa gemeinsam einen Joint rauchen, komme meist auch nicht gut an. "Da machen die Jugendlichen auch zu. Sie wollen auf Augenhöhe mit den Eltern reden und vor allem wissen: Was macht Cannabis denn, wenn ich das ausprobiere?"
Und dazu, sagt sie, brauchen Eltern Wissen. Und so wirft sie Fotos von Cannabis- und Haschisch-Päckchen auf die Leinwand, zeigt kleine Videos von Gesprächssituationen zwischen Kindern und Eltern. Die studierte Kriminologin und Juristin nimmt sich an diesem Elternabend - ohne Eltern - dennoch die Zeit, mit Ausstellungs-Kuratorin, der MDR-Journalistin, dem Vater, der irgendwie als Polizist auch halbdienstlich da ist, zu diskutieren.
Vater Michael Appel: "Innerhalb der Familie ist es wichtig, darüber zu reden, um das Vertrauen der Kinder nicht zu verlieren."Bildrechte: MDR/Antje Kirsten"Mein Sohn ist willenstark"
Michaela Gillner ist an diesem Abend mit Freundinnen zufällig in die Ausstellung geschlendert. "Ich habe einen Sohn, der ist 15, und eine Tochter, die ist zwölf. Da interessiert das Thema schon. Allerdings ist mein Sohn so willenstark, dass ich mir da keine Sorgen mache.
Er lehnt Rauchen ab, wollte beispielsweise auch nicht vor Schulbeginn, wenn er noch auf den Unterricht warten muss, mit Kumpels um die Ecke eine rauchen gehen. Er hat uns gebeten, ihn doch lieber zur Schule zu fahren. Damit er diese Situation umgehen kann." Sie bummelt durch die Ausstellung "Welt der Versuchungen" - bleibt aber nicht zum Elternabend.
MDR (kir/sar)
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