Inhalt des Artikels:

  • Krisentreffen zwischen Land, Stadt und Zalando
  • Beschäftigte haben gute Chancen auf neuen Job
  • Zalando: Psychologische Hilfe für Betroffene

Nach einem Krisengespräch zum angekündigten Zalando-Aus im Erfurter Rathaus hat Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John (CDU) am Freitag betont: "Unser aller Ziel ist es, die Menschen in Lohn und Brot zu bringen." Finanzministerin Katja Wolf (BSW) machte deutlich, dass die Landesregierung versucht habe, den Standort zu erhalten.

"Wir haben Brücken zum Unternehmen gebaut, aber das ist leider nicht gelungen", sagte Wolf. Nun stünden die rund 2.700 Arbeitsplätze und die Menschen dahinter im Mittelpunkt. Ziel sei es, alle Betroffenen in gute neue Jobs zu vermitteln.

Krisentreffen zwischen Land, Stadt und Zalando

An dem Treffen nahmen neben Boos-John und Wolf auch Arbeitsministerin Katharina Schenk (SPD), die Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Thüringen Mitte, Irena Michel, Erfurts Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU) sowie Zalando-Personalvorständin Astrid Arndt teil.

Arbeitsministerin Schenk geht davon aus, dass nicht nur die Arbeitsplätze bei Zalando selbst wegfallen werden. "Es sind unendlich viel mehr Menschen betroffen, als dort arbeiten", sagte Schenk. So könnten mehrere hundert Stellen etwa bei Dienstleistern wie Busunternehmen, anderen Logistikunternehmen oder Sicherheitsfirmen betroffen sein. Es gehe nicht nur um Zahlen, sondern um Menschen. "Wir reden hier über eine existenzielle Bedrohung von Mitarbeitern."

Das Zalando-Logistikzentrum in Erfurt soll im September 2026 geschlossen werden.Bildrechte: picture alliance/dpa | Jacob Schröter

"In einer solchen Konstellation kommen Ängste auf", sagte Irena Michel von der Arbeitsagentur. Die Agentur will die Beschäftigten eng begleiten. Bereits in der kommenden Woche soll ein Beratungsbüro direkt am Zalando-Standort in Erfurt eingerichtet werden.

Wir haben hier eine sehr gute Belegschaft und neun Monate Zeit, die wir nutzen können.

Irena MichelArbeitsagentur

Ein Team aus fünf bis zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern soll die Betroffenen bei der Jobsuche sowie bei Weiterbildungen und Qualifizierungen unterstützen. Man werde sich jeden einzelnen Menschen genau anschauen. "Wir haben hier eine sehr gute Belegschaft und neun Monate Zeit, die wir nutzen können."

Beschäftigte haben gute Chancen auf neuen Job

Nach Einschätzung des Wirtschaftsforschers Joachim Ragnitz haben die Beschäftigten gute Chancen auf neue Arbeit. Der Vizechef der Dresdner ifo-Niederlassung sagte dem MDR, gerade in Thüringen sei der Fachkräftemangel besonders ausgeprägt und werde weiter zunehmen. Die Beschäftigten könnten die kommenden Monate nutzen, um sich umzuorientieren und weiterzubilden.

Ich bin hoffnungsvoll, dass wir einen Großteil vermitteln können.

Irena MichelArbeitsagentur

Schon kurz nach der Ankündigung der Schließung hätten sich mehrere Unternehmen bei der Arbeitsagentur gemeldet, die neue Mitarbeiter suchen, sagte Michel MDR THÜRINGEN. Darunter seien Logistikunternehmen, aber auch Arbeitgeber aus anderen Branchen wie der Pflege. Die Zalando-Beschäftigten brächten viele Stärken mit, etwa Flexibilität und Erfahrung im Schichtbetrieb. "Ich bin hoffnungsvoll, dass wir einen Großteil vermitteln können."

Rund zehn Prozent der Beschäftigten sind schwerbehindert, zudem arbeiten viele Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte bei Zalando. Hier könne über eine sprachliche Förderung nachgedacht werden. "Das ist ein breites Aufgabengebiet, aber nicht unlösbar", so Michel. In der Region rund um Erfurt gebe es derzeit etwa 4.000 offene Stellen.

Zalando: Psychologische Hilfe für Betroffene

Zalando-Personalvorständin Astrid Arndt verteidigte die Entscheidung, den Standort im September zu schließen. Das Logistiknetzwerk müsse an die erwartete Nachfrage angepasst werden. Die Beschäftigten seien am Vortag informiert und anschließend nach Hause geschickt worden, um ihnen Zeit zu geben, die Nachricht zu verarbeiten. Zudem gebe es psychologische Angebote und Hotlines, die bereits gut angenommen würden.

Es geht um ganz Thüringen.

Katja WolfFinanzministerin

Die Schließung des Erfurter Logistikzentrums hatte Zalando am Donnerstag überraschend angekündigt. Für die Landeshauptstadt sei die Nachricht weiterhin dramatisch, sagte Oberbürgermeister Andreas Horn nach dem Krisentreffen. Zalando sei der größte Arbeitgeber vor Ort.

Finanzministerin Wolf sprach von einem "Schock". Das Krisentreffen sei "ein bitterer Termin" gewesen. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Thüringer Wirtschaft ohnehin zu kämpfen habe. "Es geht um ganz Thüringen", sagte Wolf. Und Arbeitsministerin Schenk ergänzte: "Wir müssen beklagen, dass es keine Lösungen vorab gegeben hat."

MDR (caf)

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