Kältehilfe in Dresden: Wie Wohnungslose den Winter überstehen
- Tagestreffs wie der "Schorsch" der Diakonie Dresden bieten Wohnungslosen im Winter Wärme, Essen und einen Ort zum Durchatmen.
- Nicht alle Wohnungslosen können Notschlafstellen nutzen – etwa wegen ihren Hunden oder Abhängigskeitserkrankungen.
- Gerade im Winter können kleine Hilfen wie heiße Getränke oder warme Kleidung für Wohnungslose überlebenswichtig sein.
Wäsche waschen, eine warme Mahlzeit, duschen gehen: Der Tagestreff "Schorsch" von der Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie in Dresden ist für viele Wohnungslose eine wichtige Anlaufstelle.
Schutzraum am Tag, Unsicherheit in der Nacht
Auch Anastasia schaut hier regelmäßig vorbei. Die 35-Jährige weiß aus erster Hand, wie schwierig es ist, einen sicheren und vor allem dauerhaften Schlafplatz zu finden. "Bis Ende November habe ich auch draußen geschlafen im Wald."
Eine Bekannte habe sie dann zu sich eingeladen. "Also, die kannte ich flüchtig, paar Wochen, und die hat gesagt: Es wird jetzt kalt, komm doch bitte mit zu uns in die Wohnung. Die waren aber leider Alkoholiker und haben auch konsumiert, wo ich dann auch aus der Wohnung gegangen bin. Also, das war zu heftig."
Seitdem ist Anastasia wieder draußen, allerdings noch mit der Möglichkeit auf einem Dachboden oder bei einem anderen Bekannten zu schlafen.
50.000 Wohnungslose deutschlandweit
Schätzungsweise 50.000 Menschen leben in Deutschland auf der Straße. Sozialverbände vermuten jedoch, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt. Gerade im Winter können Nächte im Freien im schlimmsten Fall tödlich enden. Denn bereits ab Temperaturen um den Gefrierpunkt unterkühlt der Körper.
Der Tagestreff ist ein Schutzraum, wo Wohnungslose dem Stress des Lebens auf der Straße für eine kurze Zeit entkommen können, sagt Sozialarbeiter Edmund Lawrenz von der Diakonie Dresden: "Praktisch auch so eine Insel im städtischen Gefüge, wo sie zur Ruhe kommen, sich regenerieren, Kontakte knüpfen können und auch Gelegenheit dazu haben, weiterführende Hilfen in Anspruch zu nehmen."
Dreimal die Woche ist der Tagestreff geöffnet. Für die Nacht müssen die Wohnungslosen einen anderen Weg finden. Zum Beispiel im Dresdner Nachtcafé, einem Angebot der Kirchengemeinden.
Vorbereitung auf eisige Nächte
Doch nicht für alle passen solche Notschlafplätze. Manche schlafen lieber draußen, als mit Dutzenden Menschen auf engem Raum. Andere werden wegen ihrer Hunde oder Drogenabhängigkeit abgelehnt. "Manche Personen nutzen tatsächlich dann den Tagestreff, um sich wieder vorzubereiten auf die Nacht. Sich vorzubereiten heißt auch, sich nicht nur physisch durch Lebensmittel, sondern auch technisch, zum Beispiel durch einen Schlafsack auszustatten."
Das hilft auch Anastasia. Ihr aktueller Schlafplatz, ein Dachboden, ist nicht beheizt. Mit dem Schlafsack schafft sie die Nacht aber problemlos, erzählt sie: "Die Schlafsäcke sind gut, die sind für Minusgrade ausgelegt. Also, an sich halten die Kälte problemlos ab." Das Problem sei draußen aber oft die Nässe: "Dann wird man auch nicht mehr warm, die Sachen sind nass, die Schlafsäcke sind nass, die auch nicht mehr trocknen bei der Kälte. Das ist dann problematisch."
Nicht wegschauen: Kleine Hilfen mit großer Wirkung
Anastasia wünscht sich, dass Menschen nicht wegschauen, wenn sie andere in Not sehen. Gerade der Winter sei für Wohnungslose schwer. Eine kleine Geste kann dann einen großen Unterschied machen, sagt sie. "Oft reichen ein, zwei Euro. Oder eine warme Decke, ein Schal oder Handschuhe. Dass man einfach sieht, es ist jemand in Not – schon mit kleinen Sachen kann man wirklich helfen. Sei es eine Mütze oder eine Kanne mit heißem Tee. Denn wenn man den ganzen Tag draußen ist, wärmt man eigentlich nie auf. Und wenn es dann noch nass ist, ist es ein permanentes Frieren. Diese Kleinigkeiten, das hilft schon sehr."
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