• Jury: Begriff wird irreführend benutzt
  • "Zustrombegrenzungsgesetz" auf Platz zwei
  • 2.631 Einsendungen zu Vorschlägen

Die sprachkritische Aktion in Marburg hat "Sondervermögen" zum Unwort des Jahres 2025 gewählt. Die Jury begründet dies damit, dass der Begriff, ursprünglich aus Wirtschafts- und Rechtssprache, in der politischen Kommunikation verschleiere, was tatsächlich dahintersteckt. Seine häufige Verwendung im vergangenen Jahr habe die Diskussionen über Staatsverschuldung und staatliche Investitionsprogramme maßgeblich beeinflusst.

Jury: Begriff hat führt in die Irre

Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man nach Angaben der Jury unter "Sondervermögen" einen abgegrenzten Teil eines Vermögens. In der Haushaltspolitik bezeichnet der Begriff jedoch etwas anderes: einen separaten staatlichen Fonds, der für bestimmte Aufgaben eingerichtet wird und meist neue Schulden oder Kreditermächtigungen umfasst.

Der Jury zufolge hat sich der Begriff im öffentlichen Diskurs verselbstständigt. Viele Menschen kennen die fachliche Bedeutung nicht und orientieren sich an der Alltagssprache. Dadurch entstehe ein irreführender, beschönigender Eindruck des Wortes.

"Zustrombegrenzungsgesetz" auf Platz zwei

Auf Platz zwei setzte die Jury den Begriff "Zustrombegrenzungsgesetz". Der Ausdruck bediene sich einer "Wassermetapher" und stelle Zuwanderung als "Herbeiströmen in großen Mengen" dar, hieß es. Dadurch werde Zuwanderung negativ als Bedrohung konnotiert. 

Die Jury der institutionell unabhängigen und ehrenamtlichen Aktion "Unwort des Jahres" besteht aus vier Sprachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, einer Journalistin sowie jährlich wechselnden Mitgliedern. 

In diesem Jahr beteiligte sich der Autor, Jurist und Journalist Ronen Steinke. Sein persönliches "Unwort des Jahres" ist der Begriff "Umsiedlung", mit dem israelische und amerikanische Politiker im vergangenen Jahr dafür geworben hätten, die Bevölkerung des umkämpften Gazastreifens dauerhaft in ein anderes Land zu schicken. Was klinge wie eine Wohltat, verschleiere ein Verbrechen, so die Jury.

2.631 Einsendungen zu Vorschlägen

Das Unwort des Jahres wird nach verschiedenen Kriterien aus Vorschlägen ausgewählt, die Bürgerinnen und Bürger jeweils bis 31. Dezember eines Jahres einreichen können. Insgesamt gab es dieses Mal 2.631 Einsendungen. Sie enthielten 553 verschiedene Ausdrücke, von denen rund 70 den Kriterien der Jury entsprachen.

Als Unwort kommen nach Angaben der Verantwortlichen Begriffe und Formulierungen in Frage, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind. Wie häufig ein Begriff vorgeschlagen wurde, ist nicht entscheidend für die Unwort-Kür. Für 2024 war die Wahl auf "biodeutsch" gefallen.

dpa, KNA (das)

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