Traumjob Bestatter? Ausbildungszahlen steigen seit Jahren
- Shania Zobel nimmt uns mit in ihren Alltag als Auszubildende zur Bestattungsfachkraft.
- Dieser Alltag verlangt nicht nur handwerkliches Können, sondern auch emotionale Stärke im Umgang mit Verstorbenen und trauernden Angehörigen.
- Die Zahl der Auszubildenden in der Bestattungsbranche hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt, besonders viele davon sind Frauen.
Shania Zobel führt durch ihren Ausbildungsbetrieb. "Wir können erstmal in die Ausstellung gehen, da haben wir Särge und Urnen. Ganz beliebt sind die Kohleurnen. Die zersetzen sich schneller als andere Urnen." Sie zeigt uns die Büros, die Trauerhalle, das Dekorationslager – und die Kühlräume. "Wir können ja mal in einen schauen. Die Verstorbenen liegen da in den Särgen. Das heißt, wir sehen da also auch nur einen Sarg."
Traumjob Bestattungsfachkraft?
Die Auszubildende Shania Zobel hat ihren Traumberuf gefunden.Bildrechte: MDR/Britta Veltzke Die 26-Jährige wird Bestatterin, genauer gesagt: Bestattungsfachkraft. Als ihr Vater vor einigen Jahren starb, kam sie auf die Idee. Damals war die Pegauerin noch in ihrer ersten Ausbildung zur Biologielaborantin. Die schloss sie ab, probierte noch ein paar andere Jobs aus und bewarb sich schließlich im Bestattungshaus Päschel in Markkleeberg – Treffer! Jetzt ist sie sicher, den richtigen Beruf gefunden zu haben. Ihr gefallen vor allem die verschiedenen Aufgaben: "Die Organisation, die Gestaltung der Trauerfeiern mit ganz vielen Dekorationselementen, das Handwerk, also zum Beispiel der Sargausschlag, und der Umgang mit Verstorbenen und mit den Angehörigen."
Ein Beruf mit Herausforderungen
Um die Arbeit an Toten kommt in der Ausbildung niemand vorbei. Shania Zobel steht jetzt im sogenannten Versorgungsraum. Zu sehen sind hier gekachelte Wände sowie eine Edelstahlliege. "Da werden die Verstorbenen desinfiziert und gewaschen, angekleidet und gegebenenfalls werden noch Körperöffnungen verschlossen."
Das ist Teil des Standardprozederes: Der Mund wird mit Nadel und Faden zusammengenäht – egal, ob der Körper aufgebahrt wird oder nicht. Ihre erste sogenannte Ligatur war nichts, was ihr leichtgefallen wäre. "Auf jeden Fall. Ich hatte auch Angst, dem oder der Verstorbenen wehzutun, auch wenn ich mir klar ist, dass das nicht mehr geht. Aber es war ein Mensch, der da vor mir liegt."
Bedenken, wie gut sie diesen Teil der Arbeit meistert, habe sie schon gehabt, ernsthaft daran gezweifelt aber nie. Eine weitere Herausforderung: Wenn Kinder sterben. "Das berührt mich immer sehr. Ich muss dann auf jeden Fall versuchen, die Emotionen natürlich zuzulassen, aber nicht mit nach Hause zu nehmen." Ihre Strategie: mit Kolleginnen und Kollegen darüber reden.
Steigendes Interesse am Bestatterberuf
Erst seit 2007 ist Bestattungsfachkraft ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Drei Berufsschulen gibt es in Deutschland. Shania Zobel besucht die im bayrischen Bad Kissingen. Der Bundesverband Deutscher Bestatter freut sich über ein zunehmendes Interesse an dem Beruf und zählt jährlich mehr Azubis, vor allem Frauen.
Das beobachtet auch Zobels Chef, Christian Päschel, der das Bestattungshaus jetzt in zweiter Generation leitet. Nachwuchssorgen kennt er nicht. "Viele junge Menschen erkennen die Abwechslung in unserem Beruf. Wir haben zwar immer wieder dieselben Prozesse, aber wir haben immer andere Familien, wo wir Sachen anders umsetzen sollen. Und vielleicht auch die Sinnhaftigkeit im Tun zu sagen: Hey, wir versorgen Verstorbene. Aber wir helfen ja auch den Hinterbliebenen."
Shania Zobel hat in diesem Jahr ihre Abschlussprüfung. Sie nach ihrer Ausbildung zu übernehmen, ist für ihren Chef gar keine Frage. Gleichzeitig fangen im Sommer zwei neue Auszubildende an. Die Plätze: längst vergeben.
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