Inhalt des Artikels:

  • Experte: Bass-Technik noch hochaktuell
  • Erfinder Joachim Kiessler: "Studioqualität im Heim" erreicht
  • 650.000 Boxen wurden produziert
  • Soundexperte: "Lautsprecher für die Ewigkeit"

Die RFT-Musikboxen BR 25 und BR 26 werden seit 1990 nicht mehr produziert, Fans lieben ihren Klang aber noch heute. Und weil das so ist, gibt es auch noch Ersatzteile und Reparaturläden, die sie einbauen können. Bei moderner Bass-lastiger Musik müssen sie sich auch heute nicht verstecken, finden Thomas Kirsche von der Fachzeitschrift "Audio Test" und auch Karl-Heinz Fink, einer der weltweit bedeutendsten Entwickler von Lautsprechern. Die beiden machen für das MDR-Magazin Umschau in einem Leipziger Hörstudio den Praxistest.

Experte: Bass-Technik noch hochaktuell

"Die Bassabstimmung und die Bassreflexabstimmung sind wirklich hochaktuell, also so wie man das heute immer noch machen würde. Und der Lautsprecher ist von 1984", so Lautsprecherentwickler Fink. "Das ist etwas, das ich von einem über 40 Jahre alten Lautsprecher so nicht erwarten würde", sagt er.

"Wenn man dann die Augen zumacht, dann entsteht in meinem inneren Auge das Bild zu dem, was ich höre. Dann muss es in der Regel ein guter Lautsprecher oder ein sehr guter Lautsprecher sein", ist auch Hörexperte Thomas Kirsche begeistert. Die Boxen erschaffen für ihn eine besondere Räumlichkeit, betont er. Der Bass erzeuge eine Kraft, "wo man dann einfach so mitwippen muss und dann sagt oh ja, da kommt jetzt Freude auf", schwärmt er weiter.

"Das ist etwas, das würde ich von einem über 40 Jahre alten Lautsprecher so nicht erwarten würde", sagt Lautsprecherentwickler Karl-Heinz Fink.Bildrechte: MDR/Umschau

Erfinder Joachim Kiessler: "Studioqualität im Heim" erreicht

Joachim Kiessler hat dieses Meisterstück erfunden. Zu DDR-Zeiten arbeitete der Rundfunkmechaniker im VEB Musikelectronic in Geithain, das sich 50 Kilometer südlich von Leipzig befindet. "Ich wollte der Bevölkerung die Möglichkeit geben, Studioqualität im Heim zu genießen", so Kiessler.

Bei der Anordnung der Bauteile, der Tieftöner und Hochtöner muss sich Kiessler auf seine Intuition und Erfahrung verlassen, er kannte ja als DDR-Bürger nicht die Geräte aus dem Westen. Und Kiessler war sehr erfinderisch: Als Überlastungsschutz der Schwingspule diente zum Beispiel eine einfache 12-Volt-Lampe.

Eine 12-Volt-Lampe wurde Teil der qualitativ hochwertigen Technik.Bildrechte: MDR/Umschau

650.000 Boxen wurden produziert

Mitte der 1980er-Jahre ging der Prototyp bei Statron RFT Fürstenwalde in die Serienproduktion und erreichte die Stückzahl von 650.000. Und die Boxen hatten einen stolzen Preis: 250 Ostmark pro Stück habe man hinlegen müssen, so Kirsche. "Wenn man ein Pärchen wollte, musste man schon 500 Mark ausgeben. Das war ja zu Ostzeiten wirklich viel Geld. Das hat man nicht einfach mal so übriggehabt", sagt er.

Wenn man ein Pärchen wollte, musste man schon 500 Mark ausgeben. Das war ja zu Ostzeiten wirklich viel Geld. Das hat man nicht einfach mal so übriggehabt.

Thomas Kirsche, Fachzeitschrift "Audio Test"

Der Lautsprecher kam aber auch im Westen auf den Markt. "Wir hatten damit gar nichts zu tun. Das lief alles anonym. Das war der Außenhandel. Der Außenhandel war völlig autark", erinnert sich Kiessler heute im MDR-Magazin Umschau zurück. Zu haben war er im Westen über den Katalog eines Versandhändlers. "Da haben Leute wirklich für 64 D-Mark einen Lautsprecher gekauft, der mit Sicherheit besser war, als Vergleichbare aus dem Westen", schätzt er ein.

Soundexperte: "Lautsprecher für die Ewigkeit"

Jan Neef repariert heute noch die Kult-Boxen. "Eine Reparatur kostet ab 100, vielleicht 150 Euro. Wenn sehr viel kaputt sein sollte, vielleicht 200 Euro. Das rechtfertigt in jedem Fall eine Reparatur. Den Wert von einem Paar würde ich mit 400 bis 500 Euro einschätzen, wenn sie vernünftig repariert sind", erklärt der Informationstechniker dem MDR-Magazin Umschau. So eine Preisentwicklung sei schon beachtlich, so Joachim Kiessler, der die Boxen einst entwickelt hat: "Ich kenne sonst überhaupt keinen Lautsprecher, der im Internet angeboten wird und eine solche Aufwärtsbewegung im Handelspreis beim Kunden hat, wie die BR 25 und BR 26."

"Wenn man dann die Augen zumacht, dann entsteht in meinem inneren Auge das Bild zu dem, was ich höre, sagt Hörexperte Thomas Kirsche begeistert.Bildrechte: MDR/Umschau

Für Soundexperte Thomas Kirsche sind es Lautsprecher für die Ewigkeit, da sich alles an ihnen erneuern ließe. "Das ist dann auch eine sehr moderne Sache, weil es nachhaltig ist", sagt er.

MDR (cbr)

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