• Laut dem "Sozialen Wohn-Monitor" fehlen in Deutschland rund 1,4 Millionen Wohnungen.
  • Im Vergleich zu anderen Bundesländern fällt der Wohnungsmangel in Mitteldeutschland etwas geringer aus.
  • Besonders betroffen sind laut der Studie junge Menschen, Ältere und Menschen mit Behinderungen.

Das Wohnungsdefizit in Deutschland hat ein Rekordhoch erreicht. Das geht aus dem "Sozialen Wohn-Monitor 2026" hervor, den das Pestel-Institut zusammen mit dem Bündnis "Soziales Wohnen" in Berlin vorgestellt hat. Demnach fehlen in Deutschland rund 1,4 Millionen Wohnungen – fast ausschließlich bezahlbare Wohnungen und vor allem Sozialwohnungen.

Aus der Studie geht außerdem hervor, dass trotz hoher Aufstockung der Bundesmittel für den sozialen Wohnungsbau der Bestand an Sozialwohnungen stetig zurückgegangen ist. Teile des Wohnungsbestandes stünden zudem nicht mehr zur Verfügung: Lange leerstehende Wohnungen könnten nicht einfach für die Wohnungsversorgung aktiviert werden.

Defizite auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Die meisten Wohnungen fehlen laut der Studie im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Dort gibt es demnach rund 376.000 Wohnungen zu wenig. Auch in Bayern fehlten rund 233.000 Wohnungen. Am besten versorgt ist laut dem Monitor Bremen: Dort gebe es nur rund 13.000 Wohnungen zu wenig.

Im bundesweiten Vergleich ist die Situation in Mitteldeutschland etwas entspannter. Die meisten Wohnungen fehlen demnach in Sachsen mit rund 26.000. In Thüringen und Sachsen-Anhalt sind es dem Bündnis zufolge noch weniger: In Thüringen gibt es demnach rund 20.000 Wohnungen zu wenig und in Sachsen-Anhalt rund 17.000.

Junge und alte Menschen besonders betroffen

Der "Soziale Wohn-Monitor" sieht vor allem junge Menschen, Ältere und Menschen mit Behinderungen als Hauptleidtragende der Wohnungsnot. Jüngere – darunter Azubis, Studierende und Berufseinsteiger – sind laut Studie besonders betroffen, weil sie kaum bezahlbaren Wohnraum finden. Ausbildungsverträge scheiterten teils daran, und Studierende müssten im Schnitt mehr als die Hälfte ihres Monatsbudgets für Miete aufbringen.

Bei den Älteren gerieten zunehmend Baby-Boomer unter Druck, die mit niedrigen Renten rechnen müssten und sich ihre bisherigen Wohnungen nicht mehr leisten könnten. Der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther, spricht in diesem Zusammenhang von "erzwungenen Umzügen durch Altersarmut".

Menschen mit Behinderungen erleben dem Bericht zufolge zudem eine systematische Benachteiligung bei der Wohnungssuche. Das Bündnis "Soziales Wohnen" fordert deshalb gezielte Förderprogramme, Quoten im sozialen Wohnungsbau und zeitweise eine bevorzugte Vergabe an besonders benachteiligte Gruppen.

Bündnis fordert mehr bezahlbare Wohnungen

Wegen der angespannten Situation fordert das Bündnis "Soziales Wohnen", dass Wohnungen, die neu gebaut werden, wenigstens bezahlbar sind: "Deutschland braucht – vor allem in den Metropolregionen, Groß- und Unistädten – dringend mehr Sozialwohnungen", so das Bündnis. Stattdessen gebe es eine "fatale Entwicklung" beim Neubau von Wohnungen: Deren Zahl sinke deutlich – und das bei weiter steigenden Mieten.

Laut Studienleiter Günther müssten gut 400.000 Wohnungen pro Jahr gebaut werden, um das Wohnungsdefizit bis 2030 abzubauen. Schon jetzt lasse sich an den Einbrüchen bei den Baugenehmigungen jedoch erkennen, dass es lediglich rund 200.000 neu gebaute Wohnungen pro Jahr werde.

Bevölkerungsrückgang: Löst sich das Problem von alleine?

Zwar soll die Bevölkerung in den nächsten Jahren immer weiter schrumpfen, doch die Annahme, dass sich das Problem dadurch von alleine löst, ist laut der Studie "unrealistisch". Der Rückgang betreffe vor allem Kinder und Jugendliche, während die Zahl der erwachsenen Haushaltsgründer kaum sinke. Gleichzeitig würden ältere Menschen häufiger allein leben, was die Zahl der benötigten Wohnungen eher steigen lasse. Zudem müsse der Wohnraummangel rasch behoben werden, um genügend Arbeitskräfte aus dem Ausland anziehen zu können.

MDR (jst)

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