Kälte, Eis und jede Menge Schnee: Für ihn hätte der Jahresstart kaum besser sein können. Schon als Kind hat Franz Molé immer auf Schnee gewartet. So sehr, dass der Junge vom Niederrhein irgendwann gelernt hat, selbst vorherzusagen, wann die Flocken vom Himmel fallen. Mittlerweile ist er Leiter der Vorhersage- und Beratungszentrale des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach und dort zuständig für das bundesweite Warnmanagement von (Un-)Wettergefahren. Dass Menschen mit ihm sofort über das Wetter sprechen wollen, ist er gewohnt. Und auch, dass sie dabei gerne mal meckern.

Aus der Ruhe bringt ihn das nicht: "Wir haben eine sehr, sehr hohe Trefferquote." Diese entstehe durch die Analyse riesiger Datenmengen: Blitzdaten, Satelliten, Niederschlagsradare. „Alle 5 Minuten wird die Atmosphäre dreidimensional gescannt. Wo haben wir Regen, Schneefall, Hagel, Graupel?", erläutert Molé. Dazu käme das sogenannte Nowcasting-Verfahren, etwa der Gewittermonitor in der Warnwetterapp des Deutschen Wetterdienstes: "Da wird von dem aktuellen Zustand für die nächste Stunde vorausgerechnet, wo die Gewitter, die aktuell wirklich da sind, landen."

Aus allen Daten und Methoden der Wettervorhersagemodelle ergibt sich schließlich ein Gesamtbild, das stündlich aktualisiert wird. Denn dann, so der Meteorologe, starten die Modelle neu. Je näher der Zeitpunkt des Wetterereignisses rückt, desto präziser die Vorhersage – auch in den Wetter-Apps. Damit sei eine nahezu hundertprozentige Vorhersage ansatzweise möglich. Gründe, warum die Vorhersagen auch mal nicht stimmen, gibt es trotzdem.

Kurz und klein: Wo die Vorhersage schwierig wird

Zunächst einmal ist entscheidend, auf welches Wettermodell die jeweilige App zurückgreift, denn jedes Modell (beim Deutschen Wetterdienst das ICON-Modell) arbeitet mit anderen Anfangsbedingungen, Zeitintervallen oder mathematischen Vereinfachungen. Und natürlich spielt auch die Region oder der Vorhersagezeitraum eine Rolle. Abgesehen davon gibt es aber tatsächlich Wetterereignisse, bei denen die Vorhersage schwerer ist, erklärt Franz Molé. Das gilt etwa, wenn das Ereignis nur kurz anhält oder sehr kleinräumig auftritt – zum Beispiel bei Glatteis.

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Schwer wird es auch bei Gewittern, die sich innerhalb von 15 Minuten aufbauen können. Molé beschreibt es so: "Das ist so wie Blasen im Kochtopf. Die steigen so hoch wie die Gewitterwolken. Auch mal rechts, mal links, und das in so einer chaotischen Luftmasse exakt vorherzusagen, ist sehr schwer." Um solche Ereignisse präzise erfassen zu können, braucht es beispielsweise hochaufgelöste Modelle, und das wiederum scheitert oft an der Rechenkapazität. Was aber, wenn der Kochtopf in einer klimaveränderten Zukunft nun noch öfter hochkocht?

Mehr Brodeln im Klimakochtopf: Warum unsere Wettermodelle trotzdem gerüstet sind

Tatsächlich macht sich auch Franz Molé Sorgen über die Zukunft. Die Tendenz zu Extremereignissen sei spürbar, erklärt der Meteorologe. "Wir haben, was Hitze anbelangt, wirklich außergewöhnliche Temperaturen in Deutschland, die ich vor Jahrzehnten nicht für möglich gehalten hätte." In den nächsten Jahrzehnten gehe die bereits jetzt schon absolute Rekord-Temperatur in Deutschland von 41,2 Grad in Richtung 45 Grad. Es gäbe zu viel Regen, der aber heftiger falle, während gleichzeitig über Monate alles viel zu trocken und heiß sei.

Wir haben, was Hitze anbelangt, wirklich außergewöhnliche Temperaturen in Deutschland, die ich vor Jahrzehnten nicht für möglich gehalten hätte.

Franz Molé, Deutscher Wetterdienst

Allerdings, und das ist wohl die gute in der schlechten Nachricht, sind unsere Wettermodelle auch für den Klimawandel gerüstet – vor allem deshalb, weil sich in den Berechnungen nicht wirklich etwas verändert: Die physikalischen Grundlagen funktionieren, so Molé, auch in einer wärmeren Welt: "Wenn das Mittelmeer jetzt 6 Grad wärmer ist als üblich – und das ist eine verdammt warme Suppe, sage ich jetzt mal platt –, dann sind diese Daten in der Analyse von den Wettermodellen drin und die physikalischen Gleichungen, die sind sehr gut unabhängig vom Klimawandel in der Lage, das Ganze umzurechnen." Soll heißen: Regen, der bei gleicher Wetterlage aufgrund der klimabedingten Veränderungen bei uns ankommt, ist im Wettermodell trotzdem Regen, nur intensiver. Die Probleme, die schon jetzt für Unsicherheiten in unseren Wetter-Apps sorgen, bleiben aber ebenfalls erhalten. Allerdings gibt es auch Lösungsansätze.

Schneller und präziser: Wie künstliche Intelligenz helfen kann

Wie in allen Bereichen ist auch in Sachen Wettervorhersage KI der Hoffnungsträger der Zukunft. Sie soll helfen, die Modellfehler nach und nach auszumerzen. Vielversprechend klingt es allemal: Laut Franz Molé ist KI 10.000-mal schneller als numerische Modelle und spart, nach einem zugegebenermaßen sehr aufwändigen Training, Rechenleistung. Das wiederum ermöglicht eine höhere Auflösung. Längerfristige Vorhersagen über eine oder sogar mehr Wochen könnten dadurch deutlich besser werden. Der Nachteil: Weniger Rechenleistung braucht sie deshalb, weil die KI keine physikalischen Prozesse wie die Wolkenbildung abbildet, sondern "nur" Muster aus vergangenen Daten erkennt. Begleiterscheinungen von Extremwetter – etwa Windböen oder Starkregen – werden deshalb derzeit noch unterschätzt. Ein Nachteil für die Extremwetterereignisse, die der Klimawandel mit sich bringt.

Der Deutsche Wetterdienst arbeitet deshalb daran, beides zu kombinieren: Physikbasierte Modelle und KI sollen zusammenarbeiten – und die KI "abgestraft" werden, wenn sie wichtige Prozesse ignoriert. Die Vorhersagen könnten damit in Zukunft besser werden. Davon ist auch Franz Molé überzeugt.

Die Kritik wird seiner Meinung nach dennoch nicht abebben, denn auch die Anforderungen werden steigen, besonders mit Blick auf die Auswirkungen für den einzelnen. Bei Stürmen müssten Leute wissen können, ob sie von Straßensperrungen durch umgestürzte Bäume betroffen sind, vor lokal steigenden Flusspegeln nach Starkregenereignissen müsste automatisch gewarnt werden, Gewitter sollten schon eine Woche vorher in unserer App auftauchen. Unabhängig von komplizierten Rechenmodellen, können aber auch wir etwas beitragen: In der Wetterapp des Deutschen Wetterdienstes etwa können die Nutzer das Wetter vor Ort melden und so zu einem flächendeckenden Gesamtbild beitragen. Je mehr, desto besser!

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