• Unter allen mitteldeutschen Kreisen ist die Belastung durch die Wohnkosten in Weimar, Jena und Erfurt am höchsten.
  • In Leipzig ist die Belastung seit 2014 stark gestiegen, in den meisten anderen Regionen ist sie gesunken.
  • Insgesamt geben die Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen einen geringeren Anteil ihres Einkommens für die Miete aus als in vielen anderen Teilen Deutschlands.

Zwischen Chemnitz und Weimar liegen nur 130 Kilometer, auf dem Wohnungsmarkt trennen die beiden Städte jedoch Welten. Singles aus Chemnitz, die in Vollzeit arbeiten und eine eigene 50-Quadratmeter-Wohnung suchen, müssen für die Warmmiete im Schnitt nur etwa 15 Prozent ihres Nettoeinkommens einplanen. In Weimar liegt die Belastung bei 25,4 Prozent und damit höher als in allen anderen mitteldeutschen Kreisen. Das geht aus einer Analyse des Datendienstleisters DataPulse Research hervor, die MDR Data mit Hinblick auf Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ausgewertet hat.

Die Einkommensunterschiede zwischen den mitteldeutschen Städten sind gering. So verdienen Vollzeitbeschäftigte in Chemnitz im Schnitt 3.580 Euro brutto im Monat, in Weimar etwa 3.660 Euro. Ganz anders sieht es bei den Mieten aus: Die Quadratmeterpreise liegen in Weimar rund 70 Prozent über denen in Chemnitz. Deshalb ist die Wohnkostenbelastung in Weimar vergleichsweise hoch.

Am höchsten ist die Belastung in den Großstädten

Auch andere mitteldeutsche Städte wie Jena (25,2 Prozent), Erfurt (24,2 Prozent) und Leipzig (22,9 Prozent) weisen ähnlich hohe Zahlen auf. Besonders niedrig ist die Wohnkostenbelastung neben dem bereits erwähnten Chemnitz auch in Zwickau (16,7 Prozent), im sächsischen Vogtlandkreis (17 Prozent), im thüringischen Greiz (17,3 Prozent) und im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt (17,3 Prozent).

Methodik der Studie

Um die Wohnkostenbelastung in allen deutschen Kreisen zu berechnen, hat der Datendienstleister DataPulse Research regionale Miet- und Einkommensdaten ins Verhältnis gesetzt. Sämtliche Daten beziehen sich auf die Jahre 2014 und 2024.

Die Einkommensdaten stammen von der Bundesagentur für Arbeit und bilden mittlere Bruttomonatsentgelte sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigter ab. Das durchschnittliche Nettoeinkommen wurde von DataPulse Research mithilfe eines progressiven Steuermodells geschätzt, wobei – je nach Einkommenshöhe – pauschale Abzüge zwischen 30 und 40 Prozent angesetzt wurden.

Grundlage der Mietberechnungen sind Angebotsmieten aus dem empirica-Immobilienpreisindex, die ausschließlich neu angebotene Kaltmieten berücksichtigen und keine Bestandsmieten. Um die Warmmiete näherungsweise abzubilden, wurden pauschal 25 Prozent auf die Kaltmiete aufgeschlagen.

Da Alleinstehende im Durchschnitt geringere Einkommen erzielen als Verheiratete und Betriebskosten in Regionen mit sehr niedrigen Kaltmieten häufig einen höheren Anteil ausmachen als 25 Prozent, dürfte die tatsächliche Wohnkostenbelastung in mitteldeutschen Kreisen tendenziell etwas höher ausfallen als in der Studie ausgewiesen. Eine ausführliche Beschreibung der Datengrundlage und Methodik ist hier dokumentiert.

In manchen Kreisen ist die Belastung gestiegen, in anderen gesunken

Ein Vergleich der Jahre 2014 und 2024 zeigt außerdem, dass sich die Wohnkostenbelastung regional sehr unterschiedlich entwickelt hat. In Chemnitz stiegen die Einkommen deutlich stärker als die Mieten. Entsprechend sank der Anteil des Einkommens, der für Wohnen aufgewendet werden muss, um rund zwei Prozentpunkte – von 17,5 Prozent im Jahr 2014 auf 15,4 Prozent im Jahr 2024. Auch in anderen größeren Städten wie Dresden, Magdeburg, Halle und Erfurt ging die Wohnkostenbelastung zurück.

In Weimar verlief die Entwicklung anders. Dort legten die Mieten deutlich stärker zu als die Einkommen. Für Alleinstehende bedeutet das, dass sie heute einen größeren Teil ihres Einkommens für die Warmmiete einplanen müssen als noch vor zehn Jahren – 25,4 Prozent statt 23,5 Prozent im Jahr 2014.

Am stärksten stieg die Wohnkostenbelastung in Leipzig. Dort erhöhte sie sich von 19,6 Prozent im Jahr 2014 auf 22,9 Prozent im Jahr 2024. Die Warmmieten für 50-Quadratmeter-Wohnungen legten im selben Zeitraum um 74 Prozent zu.

Leipzig fällt negativ auf

Leipzigs rasant steigende Mieten fallen auch im überregionalen Vergleich negativ auf. Unter allen kreisfreien Städten verzeichneten nur Berlin (+91 Prozent), Hof (+79 Prozent) und Kaufbeuren (+74 Prozent) stärkere Anstiege. Deutschlandweit erhöhten sich die Mieten den Angaben nach um 52 Prozent.

Im bundesweiten Vergleich machen die Wohnkosten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen einen geringen Anteil des Einkommens aus. Unter den zehn Kreisen mit der niedrigsten Wohnkostenbelastung befinden sich mit Chemnitz (15,4 Prozent), Zwickau (16,7 Prozent) und dem Vogtlandkreis (17,0 Prozent) drei Regionen aus Sachsen. Auch der Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt zählt mit 17,3 Prozent dazu.

Bundesweit müssen Alleinstehende, die in Vollzeit arbeiten und eine eigene 50-Quadratmeter-Wohnung suchen, für die Warmmiete im Schnitt etwa 23,7 Prozent ihres Nettoeinkommens einplanen.

Die folgende Tabelle zeigt für alle 400 Kreise in Deutschland, wie sich die Quadratmeterpreise und die durchschnittlichen Einkommen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigter zwischen 2014 und 2024 entwickelt haben:

MDR (Tycho Schildbach, Maximilian Schörm, David Wünschel)

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