So schön war die Kulturhauptstadt Chemnitz 2025
- Die Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 hat das Bild Ostdeutschlands positiv geprägt und ein neues Selbstbewusstsein in der Stadt gestärkt.
- Zahlreiche Projekte – vom Kunstfestival "Begehungen" bis zur Ausstellung "European Realities" – stellten Besucherrekorde auf.
- Mehr als 60 Kunstwerke auf dem Kunst- und Skulpturenweg Purple Path verbinden Chemnitz auch künftig mit dem Erzgebirge.
Als Stadt mit Geschichte und Potenzial wollte sich Chemnitz 2025 präsentieren. "Die Menschen in Chemnitz und der Kulturhauptstadtregion sind über sich hinausgewachsen", resümierte Programmgeschäftsführer Stefan Schmidtke. Kulturstaatsminister. Wolfram Weimer lobte die überragende Vielfalt an Projekten und die kreative Aufbruchstimmung.
Der Osten ist positiv transportiert worden und nicht wie so oft negativ.
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, stellt der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 ebenfalls ein hervorragendes Zeugnis aus, spricht bei MDR KULTUR von einem großen Erfolg, der die Erwartungen übertroffen habe. Ihn habe vor allem das starke bürgerschaftliche Engagement beeindruckt.
Chemnitz hat Blick auf Ostdeutschland verändert
Zimmermann hebt auch hervor, dass durch die Kulturhaupstadt ein positives Bild des Ostens transportiert wurde. "Das müsste ganz besonders viele, auch Politikerinnen und Politiker in den ostdeutschen Bundesländern, animieren zu sagen: Wir wollen daraus auch weiterhin schöpfen."
Was die Stadt geprägt und verändert hat, ist das Selbstbewusstsein, ein Gewinner sein zu können.
Auch der Generalintendant der Städtischen Theater, Christoph Dittrich erklärte, das Jahr habe Chemnitz spürbar verändert. Ausschlaggebend sei das neu gewonnene Selbstbewusstsein, sich als "Gewinner" wahrzunehmen. Vorher habe es eine Art "kultivierten Minderwertigkeitskomplex" gegeben.
Vor einem Jahr: Zehntausende feiern Eröffnung in Chemnitz
Am 18. Januar feierte Chemnitz den Auftakt des Kulturhauptstadtjahrs 2025. Rund 20.000 Menschen verfolgten die große Show mit Musikern wie Bosse, Fritz Kalkbrenner und Paula Carolina vor dem Nischel.
Zuvor gab es bereits einen Rave durch die Innenstadt, "Tanzende Nachbarn" oder die Aktion "Mitziehen", Freiwillige bewegten eine Dampflok mit Muskelkraft aus dem Depot, Sinnbild fürs gemeinsame Anpacken und die Industriegeschichte der Stadt, in der zum Auftakt insgesamt 80.000 Menschen auf den Beinen waren. Auch die internationale Presse nahm Notiz.
DIY-Kultur und Begegnung in Chemnitzer DDR-Garagen
Gemeinsam anpacken, "unsichtbare Orte" der Stadt entdecken und die Alltagskultur feiern, darauf zielten die vielen Beteiligungsprojekte, welche die Kulturhauptstadt-Macher als großen Erfolg bewerten. Kaum eines stand besser für die DIY-Kultur als das Projekt #3000Garagen.
Beim Projekt #3000 Garagen wurden Garagenhöfe aus DDR-Zeiten mit Kultur und Konzerten belebt.Bildrechte: Peter RossnerDabei wurden Garagenhöfe aus DDR-Zeiten über thematische Rundgänge erschlossen. Chemnitzer öffneten ihre Garagen für Besucher, die nicht nur auf Schrauberparadiese, sondern auch auf Menschen mit spannenden Biografien trafen. Bei Festen, Filmen, Foto-Ausstellungen, Theater, Musical, Streetart-Aktionen, UpCycling-Workshops – und Schrauberkursen kam es so zu unerwarteten Begegnungen.
Bergbau-Roman "Rummelplatz" als Oper gefeiert
Über eine gelungene Opern-Uraufführung und nach wie vor ausverkaufte Vorstellungen freut sich der Generalintendant der Städtischen Theater, Christoph Dittrich. Jenny Erpenbeck inszenierte "Rummelplatz" nach dem gleichnamigen Roman von Werner Bräunig, der eindringlich die frühen Jahre der DDR und das Schuften unter Tage für die Wismut thematisiert.
Werner Bräunigs DDR-Bergbau-Roman "Rummelplatz" feierte im Kulturhauptstadtjahr in Chemnitz Opernpremiere.Bildrechte: Nasser HashemiZur Premiere gab es Standing Ovations und spannende Publikumsgespräche. Dittrich führt den Erfolg vor allem darauf zurück, dass sich viele Menschen in der Geschichte wiederfinden konnten. Das Aufgreifen des regionalen Themas habe zu Beteiligung und gesellschaftlichem Diskurs beigetragen.
Museum: "European Realities" und Munch als Publikumsrenner
Ähnlich erfolgreich waren die Museen. Vor den Kunstsammlungen Chemnitz bildeten sich lange Warteschlangen. Sehr zur Freude von Generaldirektorin Florence Turmes, die Schau "European Realities" habe eine "unglaubliche Resonanz" erlebt, sagte sie MDR KULTUR.
Das Selbstporträt von Edvard Munch war in der Schau "Angst" in den Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen.Bildrechte: picture alliance / dpa | dpa84.000 Besucherinnen und Besucher sahen die große Edvard-Munch-Ausstellung unter dem Titel "Angst", ein Highlight des Jahres 2025. Werke des norwegischen Künstlers, der 1905 in Sachsen weilte, wurden mit zeitgenössischen Werken von Andy Warhol, Marina Abramović oder Neo Rauch vereint. So beleuchtete die Schau auch Tabuthemen wie Angst und Einsamkeit.
Kunst auf Purple Path verbindet Chemnitz mit Erzgebirge
Bleiben wird vor allem der Kunst- und Skulpturenweg: Die Idee war, die Kulturhauptstadt Chemnitz über den Purple Path mit der Region bis ins Erzgebirge zu verbinden.
Auf dem Purple Path in Seiffen spielt die Skulptur von Alice Aycock mit der Idee des Windes und den chaotischen Kräften der Natur.Bildrechte: Ernesto UhlmannRund 60 Kunstwerke von regionalen und internationalen Künstlern wie Osmar Osten, Tony Cragg oder James Turrell wurden in der Landschaft, in Kirchen oder an Orten mit Bergbau-Geschichte platziert, die nicht immer ganz leicht zu finden sind.
Freie Szene: Besucherrekord beim Kunstfestival Begehungen
Schon jetzt ist klar, dass es aufgrund der Haushaltslage in Chemnitz 2026 zu Kürzungen im Kulturbereich kommen wird. Damit hatte im Kulturhauptstadtjahr bereits die Freie Szene zu kämpfen, etwa die Organisatoren des Kunstfestivals "Begehungen".
Beim Kunstfestival konnte man Diana Leloneks Werk "Storck, a sacred bird" (dt. Storch, ein heiliges Tier) im ehemaligen Heizkraftwerk Chemnitz bestaunen.Bildrechte: Johannes RichterDennoch schafften es die Organisatoren, prominente Namen wie Hito Steyerl, Olaf Nikolai und Henrike Naumann sowie 53.000 Besucherinnen und Besucher auf das Gelände des ehemaligen Heizkraftwerks Chemnitz-Nord zu locken.
Kosmos bringt Festival-Fieber nach Chemnitz
Das Kosmos‑Festival 2025 war eines der größten und erfolgreichsten Ereignisse im Kulturhauptstadtjahr Chemnitz. Mehr als 100.000 Menschen feierten in der Innenstadt, mehr als bei den bisherigen Ausgaben. Erstmals ging das Festival drei Tage und bot neben Konzerten mit Juli, Blond und der Robert-Schumann-Philharmonie auch Clubmusic, Sportevents sowie Dialogformate rund um Themen wie Demokratie, Zusammenhalt und zur Zukunft von Chemnitz an.
Beim Kosmos-Festival spielte die Chemnitzer Band Kraftklub ein Konzert, begleitet von der Robert-Schumann-Philharmonie.Bildrechte: picture alliance/dpa | Hendrik SchmidtDas Festival war 2019 ein Statement für Toleranz wie das zuvor von Kraftklub mit-initiierte #wirsindmehr‑Konzert nach den rechten Ausschreitungen in Chemnitz 2018. Das Kosmos soll fortgeführt werden, ebenso das erfolgreiche Festival "Tanz Moderne Tanz" und das Upcycling-Mitmach-Event Makers United.
Das große Finale der Kulturhauptstadt Chemnitz
So wie es begonnen hatte, hörte es auch auf: Der Abschluss des Kulturhauptstadtjahres lockte am letzten November-Wochenende nochmals tausende Menschen in die Chemnitzer Innenstadt.
Tanz, Singen und mehr: Tausende Menschen besuchten den Abschluss des Chemnitzer Kulturhauptstadtjahrs.Bildrechte: picture alliance/dpa | Hendrik SchmidtDie traditionelle Bergparade, die in der Region traditionell die Adventszeit einläutet, stand diesmal im Zeichen der Kulturhauptstadt. Auf dem Theaterplatz gab es ein großes Weihnachtsliedersingen, unter dem Nischel dann eine große Show. Und in Clubs wurde bis in die Morgenstunden abgetanzt.
Quelle: MDR KULTUR; redaktionelle Bearbeitung: vp, td
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