• Aufgrund der Absatzkrise sucht man bei Volkswagen nach neuen Geschäftsfeldern. Geplant ist eine Recyclingstrecke, um Rohstoffe aus Altfahrzeugen zu recyceln.
  • In Zwickau sieht man in dem Projekt Chancen: Es soll schafft geopolitische Unabhängigkeit schaffen und Chancen für Innovation bieten.
  • Auch die Zulieferer vor Ort wollen von dem neuen Projekt profitieren.

Der Karosseriebau bei VW Sachsen: Unzählige Roboterarme fügen Einzelteile zusammen. Durch die weiten Flure des hochautomatisierten Werks gleiten fahrerlose Transporter.

Mittendrin in gelber Warnjacke: VW-Arbeiterin Stephanie Haferkorn: "Das ist meine Werkstatt. Hier kommen die defekten Flurförderfahrzeuge an. Wir reparieren die, machen Wartung oder je nachdem, was gerade anliegt."

Absatzkrise: Recyclingstrecke für Altfahrzeuge geplant

Insgesamt arbeiten bei VW Sachsen rund 8.000 Leute. Doch wegen der Absatzkrise sinkt die Zahl der Beschäftigten. Zudem soll das Zwickauer Werk den Bau mehrerer Modelle an andere VW-Standorte abgeben. Dafür ist nun eine Recyclingstrecke für Altfahrzeuge geplant.

In denen stecken wertvolle Rohstoffe, die VW wiedergewinnen will. Stephanie Haferkorns Erwartung ist durchwachsen: "Wir sind Autobauer. Das muss man halt dazu sagen. Und ich glaube, man muss es lernen zu akzeptieren, dass wir perspektivisch auch Autos auseinandernehmen, Autos umbauen. Es sichert Arbeitsplätze, es ist ein Zukunftsprojekt. Deshalb steckt man da auch ganz, ganz viel Hoffnung rein."

Stephanie Haferkorn blickt mit gemischten Gefühlen auf die Zukunft des Werks.Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Recycling schafft Unabhängigkeit von anderen Lieferanten

Hoffnung hat auch Constance Arndt. Die Oberbürgermeisterin von Zwickau sagt, die Autokrise habe ihre Stadt verändert. Jeder Bäcker, jeder Händler, jede Familie spüre, dass Volkswagen schon vor zwei Jahren seine Schichten reduziert habe.

Mit dem Recycling von Altfahrzeugen ergäben sich beim VW-Werk wieder Chancen: "Ich glaube auch, dass wir uns vom Grundsatz her bei dem Ressourcenverbrauch weltweit Gedanken machen müssen, wie das weiter funktionieren soll. Ich glaube auch, dass es sinnvoll ist, die Materialien, die wir hier schon haben, immer wieder zu verwenden, weil es uns auch von anderen Lieferanten unabhängiger macht – gerade wenn wir sehen, dass das geopolitisch in Zukunft eine größere Herausforderung wird."

Innovationslücke: Neue Marktchancen für VW

Das Problem ist nur: Recycling lohnt sich für viele Materialien bislang kaum. So fehlt es fürs Zerlegen einer Autobatterie an Verfahren im Industriemaßstab.

Maximilian Paleschke von der Denkfabrik "Dezernat Zukunft", findet es gut, dass Volkswagen diese Innovationslücke schließen will: "Ob und wie viel Geld sie damit am Ende verdienen, ist die offene Frage. Aber es ist erst einmal folgerichtig zu versuchen, in diesen Markt einzusteigen. Das ist ein Feld, das von den Chinesen noch nicht bespielt wird und dementsprechend ist dort noch Raum für technologische Exzellenz und Innovation vorhanden."

Zulieferer wollen sich an Recycling-Geschäft anpassen

Profitieren wollen davon auch andere. So liefert der Logistiker Schnellecke bislang Autoteile zum sächsischen VW-Werk. Auch Schnellecke leidet unter dem schwachen Autoabsatz, musste in Glauchau von 900 auf 700 Mitarbeiter reduzieren.

Betriebsrat Ronny Ott sagt, wenn der große Nachbar künftig auch Auto-Recycling macht, könne man davon vielleicht profitieren: "Wir hoffen da, dass wir logistische Umfänge bekommen. Logistik ist ja alles. Es muss ja alles, was rangefahren werden muss, wieder abgefahren werden. Wir machen das schon seit über 30 Jahren, sind Profis mit Systemen, kennen uns da aus. Und wir hoffen, dass wir da weitere Umfänge bekommen."

Details zur Recyclingstrecke noch unklar

Wie groß die Recyclingstrecke wird, mit wie vielen Mitarbeitern – all das ist noch unklar. Details will Volkswagen am Vormittag erzählen.

Stammbeschäftigte sagen: Noch lieber als Recycling wäre ihnen ein neues Modell, mit dem sie ihre vorhandene Produktion am Standort auslasten können.

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