Urbanisierung beeinflusst soziales Verhalten von Tieren
Lärm, künstliches Licht, versiegelte Flächen, durchschnittene Lebensräume oder einfach nur die neugierigen Blicke des Menschen beeinflussen das Leben und Überleben von Tieren. Eine Analyse der Universität Bielefeld zeigt auf, wie tiefgreifend die Einschnitte in das soziale Leben von Säugern, Vögeln, Insekten und Co sind.
Weitreichende Folgen
"Städte greifen massiv in soziale Beziehungen von Tieren ein – viel stärker, als bisher angenommen", sagt Avery L. Maune, Erstautorin der Studie und Forscherin an der Universität Bielefeld "Soziales Verhalten beeinflusst, ob Tiere sich fortpflanzen, Nahrung finden oder Fressfeinden entkommen. Veränderungen dieser Verhaltensweisen können weitreichende Folgen haben."
227 Studien werteten Maune und ihre Kollegen aus und stellten fest: 92 Prozent der analysierten Untersuchungen zeigten einen signifikanten Einfluss der Urbanisierung auf das Zusammenleben von Tieren. Die diversen Stressfaktoren können demnach verändern, wie Tiere miteinander kommunizieren, wie aggressiv sie sich verhalten oder wie stabil ihre sozialen Gruppen sind.
Lärm behindert Kommunikation, Licht Nachtaktive
Besonders gut untersucht ist der Einfluss von Lärm, der in 85 Prozent der Studien als Stressor untersucht wurde. Er beeinflusst die Kommunikation zwischen Tieren, schränkt die Reichweite und Klarheit von akustischen Signalen ein. Dies führt etwa zu glückloser Paarung bei Vögeln oder geringerem Laicherfolg bei Fischen. Auch die Kommunikation zwischen Partnern, die ihre Jungen aufziehen, kann durch die Geräuschkulisse gestört sein und das Überleben der Nachkommen gefährden.
Glühwürmchen sind besonders von künstlichem Licht in der Nacht betroffen. Bildrechte: IMAGO / imagebrokerKünstliches Licht in der Nacht beeinflusst Tiere, die ihr soziales Leben im Dunkeln betreiben. So sind etwa Glühwürmchen besonders betroffen, deren Kommunikation auf visuellen Lichtreizen beruht. Die Weibchen bewegen sich auf künstliche Lichtquellen zu – und sind damit für die Männchen, die sie durch ihr Leuchten anziehen wollen, schlechter zu sehen.
Nicht alle Tiere können die Stadt verlassen
Auch für Primaten verändert die Stadt das Zusammenleben. So verbringen Makaken in urbanen Gegenden weniger Zeit mit der gegenseitigen Fellpflege, vermutlich auf Grund der ständigen Überwachung durch den Menschen. Die durch die Fellpflege aufgebauten sozialen Bindungen drohen zu zerfallen.
Einige Arten verlassen ihren Lebensraum, wenn Städte sich ausbreiten. Aber nicht alle Arten können das. Und besonders diese sind bisher in der Forschung unterrepräsentiert – nur drei Prozent der Studien befassten sich etwa mit Reptilien, die weniger mobil sind.
"Unsere Ergebnisse sind nicht nur für die Biologie relevant", betont Isabel Damas-Moreira, Letztautorin der Studie. "Sie liefern auch wichtige Folgerungen für Naturschutz und nachhaltig geplante Stadtentwicklung. Städte der Zukunft müssen Lebensräume sein, nicht nur für Menschen."
Link zur Studie
Die Studie "The impact of urbanisation on social behaviour: a comprehensive review" ist im Fachjournal "Biological Reviews" erschienen.
idw/jar
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