Fake-Holocaust-Bilder mit KI: Gedenkstätte Buchenwald will "Widerstand leisten"
- Mehr als 30 KZ-Gedenkstätten fordern in einem Offenen Brief klarere Regeln im Umgang mit KI.
- Historiker mahnen, KI-Bilder seien gefährlich für das Geschichtsverständnis.
- Gedenkstätten fordern nun eine verpflichtende Kennzeichnung von KI-Bildern und -Videos.
Deutsche Historiker und Gedenkstätten kritisieren die KI-generierten Bildfälschungen in den sozialen Medien. Sie seien eine große Gefahr für die Gedenkkultur, sagte Holger Obbarius MDR KULTUR. Obbarius leitet die Bildungsabteilung der KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Zwar seien die KI-Bilder ein guter Gesprächsanlass im Dialog mit Kindern und Jugendlichen, seine Gedenkstätte werde trotzdem entschlossen dagegen vorgehen: "Wir werden dagegen Widerstand leisten, solange wir es können. Wir werden das als falsch benennen", sagte Obbarius.
Kitschige KI-Portraits mit weichgezeichnetem Instagram-Look, verfälschte historische Kontexte – die Bandbreite der Fake-KI-Inhalte riesig. Mehr als 30 KZ-Gedenkstätten haben deswegen in einem Offenen Brief gefordert, dass es klarere Regeln geben muss im Umgang mit KI. Darin fordern sie die Plattformbetreiber der sozialen Medien auf, stärker gegen geschichtsverfälschende KI-Inhalte vorzugehen und KI-Bilder vor allem zu kennzeichnen. Außerdem sollten die Kanäle, die solche Fakes verbreiten, damit kein Geld mehr verdienen dürfen, heißt es im Offenen Brief.
Wir werden dagegen Widerstand leisten, solange wir es können.
TikTok, Instagram: Fake-Bilder verbreiten sich schnell
Die Fake-Bilder und -Videos verbreiten sich tausendfach auf TikTok, Instagram und Co. Für das Geschichtsverständnis seien sie sehr gefährlich, sagte die Historikerin Alina Bothe im Gespräch mit MDR KULTUR: "Wenn wir nicht mehr wissen – ist das eine historische Originalquelle oder nicht – dann fangen wir an, den Quellen nicht mehr zu glauben. Dann verlieren wir Vertrauen. Wenn wir Vertrauen verlieren, dann glauben wir die historischen Ereignisse nicht mehr unbedingt. Dann zweifeln wir sie an. Dann zweifeln wir das tatsächliche Geschehen der Shoah an."
Alina Bothe forscht in Berlin zu Deportations-Fotos von Jüdinnen und Juden und kritisiert die KI-Fakes.Bildrechte: Ilona SchäkelBothe forscht an der Freien Universität Berlin zu Deportations-Fotos von Jüdinnen und Juden. Sie blickt besorgt auf die KI-Fälschungen. Häufig seien die Ersteller der KI-Fakes nur an schnellem Geld durch die Werbeeinnahmen auf den Plattformen interessiert, sagt die Historikerin. In einigen Fällen seien die Posts aber deutlich politisch motiviert. "Revisionistische Tendenzen" seien klar erkennbar. Eine Botschaft, die sie häufiger aus den Bildern gelesen habe: "Es gab ja doch auch viele deutsche Opfer, die zu beklagen wären".
Dann zweifeln wir das tatsächliche Geschehen der Shoah an.
Politik fordert verpflichtende Kennzeichnung von KI-Bildern
Alina Bothe selbst erkennt die Fakes der Künstlichen Intelligenz noch relativ gut. Aber auch das könne sich durch die steigende Qualität der KI-Anwendungen in den kommenden Jahren schnell ändern, sagt sie. Bothe fordert einen gesellschaftlichen Diskurs über die Problematik, ist aber einigermaßen pessimistisch, die Flut der gefälschten Holocaust-Bilder tatsächlich einzudämmen: "Nichtsdestotrotz müssen wir es dringend versuchen. Wir müssen das Wissen über die Shoah bewahren!"
Inzwischen hat sich auch der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer der Forderung von Holocaust-Gedenkstätten angeschlossen, KI-Inhalte verpflichtend zu kennzeichnen. Aber gibt es auch etwas Gutes an der aktuellen Entwicklung? Kann man mit KI-Inhalten vielleicht einen neuen Zugang schaffen? Sie in Gedenkstätten positiv für sich umdeuten? Nein, sagt Holger Obbarius von der Gedenkstätte Buchenwald. Selbst wenn die Handlungen auf dem Bild historisch belegbar seien: "Das könnten wir ja gut finden, zu sagen: 'Oh ja, rein emotional führt das eben zu einer Ablehnung des Nationalsozialismus'. Aber wir kommen zurück zu diesem Punkt: Das Ganze ist eben trotzdem gefaked."
Holocaust-Bild: KI-Fälschung oder echt?
Deswegen sei diese Art der Darstellung grundlegend abzulehnen. Von der Gedenkstätte Buchenwald sei bisher übrigens kein Bildmaterial verfälscht worden, sagt Obbarius. Auch das kommt nämlich immer wieder vor. Auf Grundlage von authentischen Portraits von Inhaftierten werden neue Bilder und Geschichten erfunden. Ein Identitätsdiebstahl der anderen Art sozusagen.
Die Arbeit der Historiker und Gedenkstätten wird in den nächsten Jahren vielleicht so gefragt sein wie nie. Denn ob ein Foto echt ist oder doch nur eine täuschend echte KI-Fälschung, wird für das ungeschulte Auge immer schwerer erkennbar sein.
Bearbeitung: ngh
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