• Claudia Leide vom Bistum Dresden-Meißen beobachtet, dass junge Menschen nach Orientierung und Halt suchen.
  • Laut der Evangelischen Landeskirche Sachsen-Anhalt haben junge Menschen wieder mehr Interesse an der Kirche.

Niederknien, aufstehen, bekreuzigen, mitsprechen. Lotte Wilhelm hat den Ablauf der Abendmesse verinnerlicht – obwohl sie noch kein halbes Jahr Mitglied der katholischen Kirche ist. Die Rituale gäben ihr Ordnung, sagt sie. Zweimal die Woche besucht sie einen Gottesdienst, manchmal werktags – wie heute – in der Dresdner Kathedrale, sonntags schaut sie sich verschiedene Kirchen an.

Was findet sie dort – außer der Ordnung? "Eine Gemeinschaft, die ich nicht mehr missen möchte, aber auch eine tiefe Wahrheit, die ich für mich und mein Leben gefunden habe: durch die Sakramente, also durch Taufe, durch Kommunion, durch Firmung. Das hat mich gereizt, getragen und das hält mich auch hier."

So habe sie den Sinn des Lebens für sich entdeckt. Von dem sie gar nicht gewusst habe, dass sie ihn sucht. Aber so gehe es auch vielen Gleichaltrigen, sagt die 18-jährige Abiturientin. Sie ist selbst durch eine Zufallsbekanntschaft zur Kirche gekommen: "Die habe ich im Februar 2024 auf einem kleinen Konzert in Berlin kennengelernt und wir haben uns super gut verstanden, schon von Anfang an. Diese Freundin hat sich dann im März 2024 zu Ostern taufen lassen, auch katholisch." Das habe Lotte Wilhelm inspiriert und mit in die Welt der Kirche genommen.

Junge Menschen suchen nach Orientierung

Dass junge Leute offener sind für Glaubensthemen als früher und stärker nach Halt und Orientierung suchen, beobachtet auch Claudia Leide, die beim Bistum Dresden-Meißen unter anderem für die Jugendarbeit zuständig ist.

Bei Gesprächen in Jugendgruppen oder Schulklassen zum Beispiel. Sie erzählt, dass da plötzlich eine gewisse Ernsthaftigkeit vorhanden sei, die früher nicht dagewesen wäre: "Früher wäre es eher belächelt oder geblockt worden." Stattdessen gäbe es jetzt Nachfragen oder die Bitte mehr darüber zu erzählen.

Mehr Interesse junger Menschen

Zahlen, die diesen Trend belegen, gibt es im Bistum Dresden-Meißen nicht. Genauso wenig in der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland, bei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen und der Evangelischen Landeskirche Sachsen-Anhalts. Aber letztere berichtet MDR AKTUELL, dass man in der Gemeindearbeit ein wachsendes Interesse unter jungen Menschen spüre.

Doch trotz aller Offenheit, sagt Claudia Leide vom Bistum Dresden-Meißen, sind die jungen Leute oft vorsichtig, was einen Eintritt angeht: "Das finde ich auch gut so, weil das eine Entscheidung ist, eine Zugehörigkeit zu einer Kirche, die einiges mit umfasst und ich finde es gut, das zu prüfen."

Skepsis des Umfelds

Lotte Wilhelm hat sich entschieden und sich im September 2025 taufen lassen. Auch wenn ihre Eltern erst mal skeptisch waren und es teilweise immer noch sind – was sie verstehen kann.

Und auch ihre engen Freundinnen hätten mit der katholischen Kirche gar nichts am Hut. Die hätten zunächst zurückhaltend und auch kritisch reagiert. "Irgendwann haben sie, glaube ich, realisiert, dass es gut ist, auch für mich, was ich hier mache. Dann haben sie bei meiner Taufe gesehen, wie viel Freude mir das schenkt – dieser Glaube und die Kirche."

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