• Deutschlands Plastikmüll wird deutlich besser recycelt als früher – die Recyclingquote lag 2024 bei rund 71 Prozent.
  • Umweltverbände kritisieren jedoch, dass Deutschland mehr für Abfallvermeidung tun müsste.
  • Das Umweltbundesamt will mit Mythen rund ums Thema Recycling aufräumen.
  • Verbraucher können bei der Mülltrennung dazu beitragen, dass Abfälle besser sortiert und recycelt werden.

2024 wurden rund 5,5 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle verwertet. Deutschlands Plastikmüll wird dabei besser recycelt als früher: Die Recyclingquote bei Kunststoffen lag 2024 bei rund 71 Prozent und damit rund zwei Prozentpunkte höher als 2023, teilten das Umweltbundesamt und die Zentrale Stelle Verpackungsregister am Dienstag in Dessau-Roßlau mit. Dabei wurden fünf von acht Recyclingquoten erreicht, etwa bei Pappe, Kunststoffen oder Aluminium.

Größte Herausforderung sei weiterhin die fehlerhafte Entsorgung von Müll durch Verbraucher. Abfälle in den falschen Containern führe zu hohen Sortier- und Recylingaufwänden und damit zu höheren Kosten. Das Umweltbundesamt hält vor allem mehr Containerstellplätze und gemeinsame Anstrengungen von Verbrauchern, dualen Systemen, Kommunen und Handel für nötig, um die Sammelmengen und die Recyclingquote weiter zu steigern.

Kritik von Umweltschützern: Deutschland ist Spitzenreiter bei Müll

Trotz hoher Recycling-Quoten gehört Deutschland beim Müllaufkommen zu den Spitzenreitern in Europa. "Recycling ist gut, aber Abfallvermeidung und Mehrweg sind besser", sagte Viola Wohlgemuth von der Deutschen Umwelthilfe. Der Umweltverband kritisiert, dass Deutschland weiterhin das Abfallvermeidungsziel der EU verfehle. Bedenklich sei auch, dass die Recyclingquoten für Glas und Getränkekartons nicht erreicht worden seien. Die Deutsche Umwelthilfe fordert, die Pfandpflicht auf Getränkekartons auszuweiten. Technisch sei das problemlos machbar. Dann würden auch weniger Einweg-Kartons im Restmüll oder gar in der Umwelt landen.

Mit der EU-Verpackungsverordnung gelten bald strengere Anforderung an die Recyclingfähigkeit. Gunda Rachut, Vorstand der Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR), sieht die Hersteller in der Verantwortung: "Ab 2030 dürfen nur noch Verpackungen in Verkehr gebracht werden, die zu mindestens 70 Prozent stofflich verwertbar oder wiederverwendbar sind. Entscheidend ist die konsequente Umsetzung recyclinggerechten Designs."

Mythen rund ums Thema Recycling im Faktencheck

Der Inhalt im Gelben Sack wird sowieso verbrannt

Neben recyclingfähigem Kunststoff-, Metall- und Papierabfall sind auch immer Fehlwürfe dabei, also Abfall, der eigentlich in eine andere Tonne gehört. Der Inhalt der gelben Tonne muss also systematisch sortiert werden. Dafür gibt es in Deutschland 43 Sortiertanlagen, in denen der Müll weitgehend automatisch mithilfe von Siebmaschinen, Magnetschneidern und Nahinfrarottrennern sortiert wird. Die Technik ist auf einem hohen Stand, sodass die Verpackungen sehr gut sortiert und dem richtigen Recycling zugeführt werden können. Gesetzlich vorgegeben ist, dass 50 Prozent der Leichtverpackungen dem Recycling zugeführt werden müssen. 2024 wurde diese Quote erreicht. Nicht recyclingfähige Kunstoffe und Fehlwürfe werden in der Verbrennung zur Energiegewinnung genutzt – denn aus diesen Materialien könne selbst die leistungsfähigste Sortieranlage keinen neuen Kunststoff gewinnen.

Der meiste Kunststoff-Müll wird gar nicht recycelt

Deutlich größere Mengen der Kunststoffverpackungen gehen heute in die Verwertung. Werden diese über die gelbe Tonne korrekt entsorgt, gelangen sie in den meisten Fällen in ein hochwertiges Recycling. "Erstmals wurden mehr als 70 Prozent der Kunststoffverpackungen dem werkstofflichen Recycling zugeführt", freut sich Dr. Bettina Rechenberg, Fachbereichsleiterin Kreislaufwirtschaft beim Umweltbundesamt. "Das sind fast 30 Prozentpunkte mehr als 2018. Den Irrglauben, es würde sowieso alles verbrannt, können wir damit eindrucksvoll widerlegen", sagte Rechenberg. Trotz dieses Erfolgs sei das Recycling von Kunststoff noch ausbaubar. Dazu gehört zum Beispiel eine passendere Gestaltung von Verpackungen oder die Optimierung der Entsorgungsinfrastruktur.

Abfall wird zum großen Teil ins Ausland transportiert

Zu den Kunststoffabfällen gehören Folien, Plastiktüten, Flaschen oder Tiegel. 2024 wurden rund 83 Prozent dieser Abfälle in Deutschland selbst verwertet, 16,5 Prozent in anderen EU-Staaten. Es wird also nur ein sehr geringer Anteil der Kunststoffabfälle ins Nicht-EU-Ausland exportiert. Von den sonstigen Verbundverpackungen wurden etwa 60 Prozent im EU-Ausland verwertet. Dazu gehören Verpackungen, die aus mindestestens zwei verschiedenen Materialen bestehen, wie etwa Kaffeetüten. Das läge vor allem daran, dass es wegen Schließungen von Anlagen weniger Kapazitäten in Deutschland gibt, so das Bundesumweltamt.

Ist doch egal, wie ich meinen Müll entsorge, wenn der nochmal sortiert wird

Fehlwürfe sind im Recycling ein Problem. Sie durchlaufen die gesamte Sortierkette und verursachen dadurch hohe Kosten. Wer zum Beispiel Lithium-Akkus, etwa in E-Zigaretten, achtlos entsorgt, verursacht zudem ein hohes Gefährdungspotential für die Mitarbeiter und Maschinen in den Sortieranlagen. Richtige Mülltrennung mit möglichst wenigen Fehlwürfen hilft also, den Verwertungsprozess zu verbessern und damit auch zu höheren Recyclingquoten.

So entsorgen Sie diese Verpackungen richtig

Glasmüll

Entgegen mancher Behauptungen, ist es sehr wichtig, Glasmüll korrekt nach Farben zu trennen. Denn Behälterglas ist sehr gut recyclingfähig und kann immer wieder im Kreislauf verwendet werden – vorausgesetzt, es ist farbenrein entsorgt worden. Der Einsatz von Scherben spart dabei Energie und Rohstoffe: Bei Grünglas setzen Hersteller bis zu 90 Prozent Scherben ein, zeigen Zahlen des Bundesumweltamtes. Deshalb: Transparentes Glas gehört ins Weißglas, Braunes Glas in den Braunglascontainer, alle anderen Farben ins Grünglas. Fensterglas, Spiegel oder Keramik gehören nicht in den Altglascontainer, da sie aus anderem Glas bestehen und den Recyclingvorgang stören.

Pizzakartons

Altpapier oder Restmüll? Das kommt drauf an. Bei kleinen Öltropfen kann ein Pizzakarton ruhig ins Altpapier. Schachteln mit vielen Essensresten würden hingegen beim Recyceln den Rohstoff verunreinigen. Dann sollten die Pappkartons lieber in den gelben Sack.

Getränkekartons und To-Go-Becher

Solche Kartons und Becher bestehen aus mehreren Materialien – Pappe, Kunstoff, teilweise Aluminium. Auch wenn sich manche dieser Verpackungen nicht recyceln lassen, gehören sie trotzdem in die gelbe Tonne.

Kassenbons

Weiße Kassenzettel gehören immer in den Restmüll. Sie enthalten Farbentwickler, die durch chemische Reaktionen die Schrift erscheinen lassen. Diese können beim Recycling das Papier und den Wasserkreislauf belasten. Blaue Bons dagegen sind altpapiertauglich.

Deckel ab oder Deckel drauf?

Bei Kunstoffverpackungen etwa von Wurst und Käse sollte die feste Schale von der dünnen Oberfolie getrennt entsorgt werden. Auch Joghurtbecher sollten vom Aluminium-Deckel getrennt werden. Dann können die Materialien einfacher sortiert werden. Gläser dürfen auch mit Deckel ins Altglas. Ausgewaschen werden müssen diese auch nicht, da die Gläser bei der Sortierung zerkleinert, gereinigt und geschmolzen werden.

dpa/AFP/Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister/Umweltbundesamt (thw)

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