Sachsen überholt Bayern im Standortwettbewerb für Unternehmen
- Starke Bewertung für Arbeit, Finanzierung und Infrastruktur
- Ost-West-Gegensatz verliert an Bedeutung
- Schwächen bei der Kinderbetreuung im Süden
- Bayern bleibt bei den Steuern vorn
Sachsen hat nach einer neuen Studie des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW Bayern als attraktivstes Bundesland für Unternehmen übertrumpft. Bayern lag in der ersten Auflage der Studie im Jahr 2022 auf Platz eins, hat aber nach Einschätzung des Forschungsinstituts in der Qualität seiner Infrastruktur und in mehreren Teilbereichen nachgelassen. Auftraggeber der Untersuchung war die Stiftung Familienunternehmen in München.
Starke Bewertung für Arbeit, Finanzierung und Infrastruktur
Ausschlaggebend für den Spitzenplatz Sachsens sind nach Einschätzung der ZEW-Ökonomen vor allem die Bereiche "Arbeit und Humankapital", "Finanzierung" sowie "Infrastruktur". In diesen Kategorien sieht die Studie den Freistaat gut aufgestellt und im Vergleich zu anderen Ländern besonders wettbewerbsfähig.
Bayern, das in der Vorgängerstudie noch Rang eins belegte, rutschte vor allem aufgrund von Qualitätsverlusten bei der Infrastruktur ab. Zwar bleibt der Süden wirtschaftlich stark, doch zeigen sich laut ZEW zunehmend strukturelle Defizite, die sich im Ranking niederschlagen.
Niedersachsen macht Sprung bei Attraktivität für Unternehmen.Bildrechte: picture alliance/dpa/Jens KalaeneWährend Sachsen an die Spitze klettert, finden sich am unteren Ende der Gesamtwertung drei westdeutsche Flächenländer: Schleswig-Holstein, das Saarland und Rheinland-Pfalz. Besonders Rheinland-Pfalz schneidet in mehreren Kategorien schwach ab. Den größten Fortschritt erzielte Niedersachsen, das sich vom zehnten auf den dritten Platz verbesserte. Die Stadtstaaten wurden separat bewertet: Berlin liegt hier vor Hamburg und Bremen.
Ost-West-Gegensatz verliert an Bedeutung
Im Standortranking sei die deutsche Teilung nicht mehr erkennbar, heißt es in der Studie. Zwar seien die wirtschaftsstarken westdeutschen Länder weiterhin gut positioniert, doch verlören sie insgesamt an Punkten und Rangplätzen.
Neben Bayern mussten auch andere Länder Einbußen hinnehmen: Baden-Württemberg fiel von Platz drei auf fünf zurück, Hessen rutschte vom vierten auf den siebten Rang ins Mittelfeld. Demgegenüber konnten mehrere ostdeutsche Länder ihre Positionen verbessern. Thüringen und Sachsen-Anhalt liegen auf den Plätzen acht und zehn.
Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, sprach von einer erfreulichen Nachricht. Gerade einige ostdeutsche Länder stellten die Weichen zunehmend in Richtung Zukunft. Die Stiftung arbeitet unabhängig und gehört nicht zum Verband "Die Familienunternehmer".
Schwächen bei der Kinderbetreuung im Süden
Die ZEW-Studie bewertet insgesamt fünf Kategorien, die jeweils aus mehreren Unterpunkten bestehen. Zum Bereich "Arbeit und Humankapital" zählen unter anderem die Qualität von Schulen, Hochschulen und der Kinderbetreuung. Gerade in letzterer schneiden Bayern und Baden-Württemberg besonders schlecht ab. Sie belegen hier die Plätze zwölf und dreizehn und bilden damit das Schlusslicht. Die Autoren sehen darin einen Standortnachteil, der angesichts des Fachkräftemangels zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Bayern bleibt bei den Steuern vorn
Neben Arbeit und Humankapital, Finanzierung und Infrastruktur analysierte das ZEW auch die Kategorien "Steuern und Institutionen". In der Steuerkategorie liegt Bayern weiterhin an der Spitze. Berücksichtigt wurden unter anderem die Höhe der Gewerbesteuerhebesätze, die Besteuerung von Immobilien sowie die Leistungsfähigkeit der Finanzverwaltung. Die Kategorie "Institutionen" fasst die Effizienz der öffentlichen Verwaltung und das Kulturangebot zusammen – ebenfalls Faktoren, die für Unternehmen und Fachkräfte relevant sind.
In einer zusätzlichen Analyse untersuchten die Ökonomen die Zukunftsorientierung der Länderhaushalte. Maßstab war der Anteil der Ausgaben für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur. Hier führt Bayern das Ranking an, dicht gefolgt von Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Demgegenüber stehen Ausgaben für Verwaltung, Soziales oder Familie und Jugend, die laut Studie geringere langfristige Wachstumsimpulse entfalten. Auch in dieser Betrachtung bildet Rheinland-Pfalz das Schlusslicht unter den 13 Flächenländern.
dpa (das)
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