Warum viele Haushalte zu viel für Strom zahlen
- Trotz großer Preisunterschiede auf dem Strommarkt verharren viele Haushalte in der teuren Grundversorgung.
- Häufig stecken ausgerechnet einkommensschwache Haushalte in der Grundversorgung – und zahlen damit die höchsten Strompreise.
- Verbraucherzentralen fordern deshalb eine Reform der Grundversorgung – doch die Versorger reagieren zurückhaltend.
Beim Stromtarif gilt: Wer nicht wechselt, zahlt drauf. In der Grundversorgung kostet der Strom im Schnitt 25 Prozent mehr als bei alternativen Anbietern. Trotzdem wechseln viele Deutsche nicht.
Warum viele Haushalte in der Grundversorgung bleiben
Rund ein Fünftel aller Haushalte verharrt schon länger als ein Jahr in der Grundversorgung. Warum? Die Verbraucherzentralen haben dazu eine Umfrage gemacht.
Sabine Lund vom Bundesverband über die Ergebnisse: "Viele sagen tatsächlich, es besteht kein Bedarf oder sie sind zufrieden mit ihrem Anbieter. Teilweise wird gesagt, dass der Wechsel zu zeitaufwändig ist. Es gibt aber auch Gründe wie Misstrauen gegenüber anderen Anbietern, fehlende Informationen oder mangelndes eigenes Zutrauen in den Wechselprozess."
Teure Tarife treffen besonders Einkommensschwache
Die Umfrage zeigt auch: In der Grundversorgung stecken oft finanzschwache Haushalte. Damit zahlen ausgerechnet Rentner, Arbeitslose und kinderreiche Familien die teuren Tarife. Oft fühlen die sich mit einem Wechsel überfordert. Die Verbraucherzentralen wünschen sich deshalb eine Regulierung der Grundversorgung – und haben das Wuppertal Institut um Vorschläge gebeten.
Ideen zur Reform der Grundversorgung
Eine Idee von Forscher Oliver Wagner: Man könnte in der Grundversorgung einen Sozialtarif einführen. Der Haken: "Womit dann eben ein entsprechender bürokratischer Aufwand verbunden wäre. Denn die Haushalte müssten dann ihrem energieversorgenden Unternehmen mit einer Selbstauskunft mitteilen, wie viele Menschen da leben."
Wegen der Bürokratie empfiehlt Wagner andere Lösungen. Zum Beispiel mehr Wettbewerb. Derzeit übernehmen Stadtwerke automatisch die Grundversorgung ihrer Region. Der Staat könnte die Grundversorgung aber auch per Ausschreibung an den günstigsten Anbieter vergeben – auch kompliziert.
Am einfachsten ist Wagners dritte Idee: "Die sähe vor, dass die Grundversorgungsunternehmen verpflichtet würden, im Rahmen ihrer Abrechnung die Kunden darüber zu informieren, wie der für ihren Fall günstigste Sondertarif aussähe. Damit würde mit der Abrechnung ganz leicht deutlich werden, wie viel dann an Kosten eingespart werden könnte."
Die Grundversorger sollen also in jede Rechnung schreiben, was ihr Kunde in einem anderen Tarif sparen könnte – und ihn so zum Wechsel animieren. Umsetzen ließe sich das leicht. Die Versorger reagieren dennoch verhalten.
Warum die Grundversorgung so teuer ist
Andreas Seifert vom Verband kommunaler Unternehmen erklärt, warum die Grundversorgung so viel teurer ist: Unter anderem werde sie missbraucht. "Von Menschen, die zahlungsfähig sind, aufgrund ihres Einkommens, aber aus unterschiedlichen Gründen nicht bezahlen. Hier kommt die Langmut der kommunalen Unternehmen auch wieder: Bevor dort gesperrt, gemahnt, was unternommen wird, vergeht relativ viel Zeit. Und diese Zeit wird genutzt, um nicht zu bezahlen und dann wieder den Lieferanten zu wechseln."
Grundversorgung heißt: Jeder muss beliefert werden. Menschen, die neu in eine Mietwohnung ziehen, Menschen mit schlechter Zahlungsmoral, Menschen, die nach der Pleite ihres Billigstromanbieters in die Grundversorgung zurückfallen. "In der Grundversorgung weiß ich gar nicht, wie viele Kunden ich überhaupt versorgen muss. Das können mal weniger, das können aber auch schubweise deutlich mehr sein. Und dann versuchen Sie dafür mal strukturiert einzukaufen. Das geht überhaupt nicht."
Die Reformideen sehen die Grundversorger deswegen eher verhalten. Gleichwohl erkennt auch Andreas Seifert: Dass ausgerechnet die Ärmeren in den teuren Tarifen stecken, sei ein Problem, das gelöst werden müsse.
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