• Ungeprüfte Anschuldigungen gegen eine pädagogische Fachkraft wurden über Social Media verbreitetet und haben den Schulalltag an einer Dessauer Förderschule aus dem Gleichgewicht gebracht.
  • Experten warnen davor, Konflikte aus dem Schulkontext emotionalisiert im Netz auszutragen – besonders dann, wenn Kinder betroffen sind.
  • Statt öffentlicher Empörung brauche es klare Wege, wie Kinder bei Konflikten geschützt und unterstützt werden können, ohne weiteren Schaden anzurichten.

Influencer mischen sich in Schulkonflikt ein

Wer nicht an einem Streit beteiligt ist, sollte sich besser raushalten. Das haben ein paar Skandal-Influencer, die sich in einen Streit an einer Dessauer Schule eingemischt haben, bewiesen.

Über ihre reichweitenstarken Kanäle verbreiteten sie die ungeprüften Anschuldigungen einiger Eltern. Sie behaupteten, eine pädagogische Mitarbeiterin hätte mit einem Schlüssel nach den Kindern geworfen und sich über Kinder lustig gemacht.

Die Vorwürfe ließen sich nicht beweisen, aber die Verbreitung des Konflikts über die sozialen Medien, brachte den Schulalltag aus dem Konzept.

Mediator mahnt Influencer zur Zurückhaltung

Mediator Jörn Valldorf vom Bundesverband der Mediatoren hofft, dass sich die Influencer darüber bewusst werden, was ihre unqualifizierten Kommentare ausgelöst haben. "Welche Auswirkung hat mein konkretes Verhalten auch zukünftig und ist der schnelle Klick das Geld auf dem Bankkonto auch wirklich wert – das muss jeder selbst entscheiden, wie er oder sie morgens noch in den Spiegel gucken kann."

In den Spiegel gucken kann Svenja Post auf jeden Fall. Sie ist Influencerin, aber auch Lehrerin und Autorin und teilt als @tantekante bei Instagram ihre Perspektive auf Themen rund um Schule und Familie.

Sie rät, gerade bei Kinderschutz-Themen darauf zu achten, ob hier Autoren und Moderatoren aus einem Bauchgefühl heraus berichten oder mit einem fachlichen Hintergrund. "Ich würde mir da wünschen, dass Influencer generell darüber nachdenken: Bis wohin geht hier mein Bereich, bis wohin kann ich überhaupt sinnvollen Content gestalten zum Thema. Wenn ich da nur Vermutungen anstelle über Sachen, die passiert sein könnten, dann ist das natürlich schwierig."

Wenn das dann emotionalisiert wird, dann hat man da eben schnell diese große Welle.

Svenja Post, Influencerin

Warum Online-Empörung Kindern nicht hilft

Die Welle an Entrüstung, die über die Dessauer Schule geschwappt ist – und von vermeintlichen "Kinderschützern" im Netz losgetreten wurde – habe bisher noch keinen Kindern weitergeholfen, sondern eher deren Schulalltag schwer belastet, findet Daniel Kemp, Landesgeschäftsführer des Kinderschutzbundes Sachsen-Anhalt. "Kinder zu schützen, ist erst mal in der Verantwortung der Eltern und des sozialen Umfeldes."

Influencer könnten Kinder zum Beispiel dabei unterstützen, bei Konflikten an der Schule oder bei Erfahrungen mit Übergriffen oder Mobbing den richtigen Weg zur Lösung zu finden. Den Kindern rät Kemp dennoch: "Geht zu euren Eltern, geht zu den Lehrkräften, geht zu den Vertrauenspersonen und sprecht es an. Alles im Detail im Netz zu besprechen, das macht aus unserer Sicht keinen Sinn, weil es da viel zu viel Raum für Spekulationen und Emotionen gibt."

Der Schaden bleibt – auch nach der Aufklärung

Dass eine unsachliche, aber hoch emotionalisierte Diskussion selten für irgendjemanden ein befriedigendes Ergebnis bringt – das zeigen Kommentare unter Beiträgen in den sozialen Medien zuhauf, weiß auch Mediator Jörn Valldorf.

Aber gerade, wenn es um einen geschützten Raum für Kinder gehe, brauche es einen sehr sensiblen Umgang. "Es ist so ein menschlicher Schaden, der ja bis zur Traumatisierung reicht, entstanden. Diese Verantwortung müssen sich Influencerinnen, die sich auf solche Themen draufsetzen, klar machen. Es bleibt, selbst wenn hinterher alles aufgeklärt ist, an den Menschen etwas hängen."

An den Verbreitern skandalöser Inhalten auch. Nämlich Aufmerksamkeit von Menschen, die oft einfache Antworten auf komplexe Fragen suchen.

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