• Am 5. Februar 2026 startet der Dokumentarfilm "Triegel trifft Cranach" in den Kinos.
  • Erstmals wird ausführlich gezeigt, wie der Maler Michael Triegel im Stile Cranachs dessen Flügelaltar für den Naumburger Dom zuende malt.
  • Der Film streift auch die aktuelle Debatte um den Standort des Werks und das Unesco-Welterbe.

Der Film "Triegel trifft Cranach" beginnt mit einem vorläufigen Endpunkt. Im Oktober 2025 wurde der große Flügelaltar im Westchor des Naumburger Doms wieder abgebaut. An Spanngurten schwebt die von Michael Triegel gemalte Mitteltafel an den Stifterfiguren Ekkehard und Uta vorbei. Und für einen kurzen Moment sehen die beiden mittelalterlichen Skulpturen wirklich unzufrieden aus. Was war passiert?

Wie Triegel den Cranach-Altar im Naumburger Dom fertigstellte

In seinem Film "Triegel trifft Cranach" springt der Regisseur Paul Smaczny fünf Jahre zurück und begleitet den Leipziger Maler während der Arbeit an den Tafelgemälden für den Auftrag aus Naumburg. Neben der zentralen Mitteltafel entstehen in seinem Atelier ein ebenso großes Bild für die Rückseite des Altars sowie zwei schmale Formate für dessen Sockel.

Das zentrale Stück des Flügelaltars mit der Mutter Gottes musste Michael Triegel neu erfinden.Bildrechte: Emilian Tsubaki

Es ist ein Auftrag, wie gemacht für Michael Triegel, der mit seiner Neuinterpretation eines altmeisterlichen Malstils einmalig in der Kunstszene ist. "Als jemand, der aus dem katholischen Niederbayern kommt, war ich fasziniert, einem Künstler zu begegnen, der, ohne religiöse Erziehung aufgewachsen, sich unglaublich gut in der ganzen Kirchengeschichte, in allen Details der sakralen Kunst auskannte", erzählt Regisseur Paul Smaczny. Er habe sich gefragt, wie das zusammengehe.

Bildrechte: Emilian Tsubaki

Triegel malt Menschen von heute als Heilige /seine Tochter als Jungfrau Maria

Der Film folgt dem Künstler für Studien in den Naumburger Dom oder auf die Insel Procida im Golf von Neapel. Dort findet alljährlich eine katholische Karfreitagsprozession statt. Einige Teilnehmer, die Triegel dort zeichnet, bekommen später einen prominenten Platz auf dem Gemälde für die Mitteltafel, einer Mariendarstellung.

Auf der Insel Procida studierte der Maler den Heiligenkult.Bildrechte: Emilian Tsubaki

Für die Maria sitzt Tochter Elisabeth Modell. Das habe er von Leonardo da Vinci gelernt, erläutert Triegel im Film: "Dass ich also erst genauestens beobachten muss. Personen, Gegenstände, Lichtbrechungen – um die dann von der konkreten Beobachtung dieser Welt zu einer Idee hin treiben zu können. Dass sie also auch etwas  Archetypisches meinen." 

Auf seinen Tafelbildern für den Naumburger Dom setzt er genau das um, wie er selbst formuliert: "Eine Gemeinschaft von Menschen, die man als Heilige lesen kann, die man aber als erstes als Menschen von heute lesen soll, denen man begegnen kann."

In "Triegel tifft Cranach" wird das Publikum Zeuge, wie das große Werk entsteht.Bildrechte: Emilian Tsubaki

Dokumentarfilm kommt dem Künstler sehr nah

Der überwiegende Teil des Films spielt sich aber im Atelier ab, das angefüllt ist mit wundervollen Dingen: halbfertigen Gemälden, Gipsabgüssen, Antiquitäten. Der Künstler darin scheint die Anwesenheit des Filmteams zeitweilig zu vergessen. Paul Smaczny schwärmt vom gegenseitigen Vertrauen während der Dreharbeiten: "Das hat uns erlaubt, fast ungefragt jederzeit im Atelier vorbeizukommen. Es gab nie einen Moment, wo er sagte: Nee, heute lieber nicht. Das war wirklich ganz außergewöhnlich."

Michael Triegel hatte in seinem Leipziger Atelier immer eine offene Tür für Paul Smaczny und sein Filmteam.Bildrechte: Emilian Tsubaki

Mit seinen langen, ruhigen Kameraeinstellungen transportiert der Film den faszinierenden künstlerischen Prozess. Wenn Triegel mit leichter Hand virtuose Vorzeichnungen anfertigt oder den Figuren und Gegenständen auf seinem Gemälde ein meisterhaftes Kolorit verleiht, ist es, als dürfe man einem Zauberer über die Schulter schauen. Gold durchwirkter Brokatstoff, Marias blonde Locken oder der blutige Schädel eines Schafes – Triegel widmet sich allem mit der gleichen Hingabe.

Bildrechte: Emilian Tsubaki

Was für den Maler Michael Triegel Schönheit bedeutet

"In dem Moment, wo ich das hier male, ist es für mich schön", meint Triegel etwa, während er den Kopf des Opferlammes skizziert. "Schönheit heißt für mich nicht Verharmlosung und Ästhetisierung. Schönheit hat für mich etwas mit Wahrhaftigkeit zu tun."

Schönheit hat für mich etwas mit Wahrhaftigkeit zu tun.

Michael Triegel, Maler

Gestalten nach der Natur: Für die Maria saß Triegels Tochter Modell.Bildrechte: Emilian Tsubaki

Altar-Debatte in Naumburg: Unesco-Welterbetitel auf dem Spiel

Wenn der Künstler nach zweijähriger Arbeit zur Altarweihe im Naumburger Dom glücklich lächelt, ist man selbst ein bisschen erleichtert. Wohl wissend, dass der Altar letztlich wieder abgebaut werden muss. Es drohte die Aberkennung des Weltkulturerbe-Titels durch die Unesco.

Regisseur Paul Smaczny sieht darin einen interessanten Konflikt, den er in seinem Film abbildet. Schließlich gehe es um mehr als nur um Denkmalschutz und die Frage: Was sei schützenswert? Es gehe auch darum: Darf so ein Raum trotzdem noch weiter verändert werden? Darf er sich durch den Gebrauch auch verändern?

Kaum im Naumburger Dom angekommen, löste der Altar eine Debatte über Denkmalschutz aus.Bildrechte: Emilian Tsubaki

Auf sehr angenehme Weise ist der Film also beides: meditatives Künstlerporträt und regionaler Kunstkrimi in einem.

Mehr Informationen zum Film:

Dokumentarfilm
"Triegel trifft Cranach. Malen im Widerstreit der Zeiten"

Deutschland 2025
Länge: 107 Minuten
Regie: Paul Smaczny

Kinostart am 5. Februar 2026

Redaktionelle Bearbeitung: lm, sg

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