Die mitteldeutschen Athletinnen und Athleten im Olympia-Medaillencheck
Inhalt des Artikels:
- Bob – Friedrich auf Rekordjagd
- Rodeln – Schlagen die Goldhamster wieder zu?
- Skeleton – Grotheer und Jungk sind die Herausforderer
- Biathlon – Voigt und Co. hoffen auf die Staffeln
- Skispringen – Freitag und Hoffmann als Hoffnungsträger
- Langlauf – Hennig Dotzler nach Carl-Aus im Fokus
- Eisschnelllaufen – alle Augen auf Top-Talent Sonnekalb
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) geht mit troditionell hohen Ambitionen in die XXV. Olympischen Winterspiele in Italien vom 6. bis 22. Februar. Bei den letzten beiden Winterspielen landete das deutsche Team im Medaillenspiegel jeweils auf Platz zwei. 2022 in Peking gab es insgesamt 27 Medaillen, darunter zwölf goldene.
Medaillenspiegel: DOSB visiert Top 3 an
Für die Wettbewerbe in Mailand und Cortina d'Ampezzo hat der DOSB zwar keine konkrete Edelmetallvorgabe genannt, mit einem Platz unter den besten drei Nationen im Medaillenspiegel wäre man aber "sehr, sehr zufrieden", erklärte DOSB-Präsident Thomas Weikert im Vorfeld.
Dabei ruhen die deutschen Hoffnungen nicht zuletzt auf einigen mitteldeutschen Athletinnen und Athleten, die in ihren Sportarten zur Weltspitze zählen. Der eine oder andere könnte in Italien sogar Geschichte schreiben. SPORT IM OSTEN macht den Medaillencheck.
Bob – Friedrich auf Rekordjagd
Die größten Chancen auf Goldmedaillen hat Deutschland ohne Frage im Eiskanal. Und da gehört natürlich Bobpilot Francesco Friedrich (BSC Sachsen Oberbärenburg) zu den heißesten Anwärtern. 2018 und 2022 holte er im Zweier- und Viererbob jeweils Doppelgold. In Cortina könnte er nun zum alleinigen Olympia-Rekordhalter aufsteigen.
Francesco Friedrich könnte in Cortina Geschichte schreiben. Die größten Gold-Konkurrenten kommen aus dem eigenen Team. Bildrechte: IMAGO/Andreas FrankeAllerdings musste der detailversessene Rekordweltmeister in dieser Weltcupsaison einige unerwartete Rückschläge einstecken. Dauerkonkurrent Johannes Lochner entschied die Wertungen im Gesamtweltcup für sich und ist auch in Cortina der große Goldfavorit. Auch Adam Ammour konnte sich zuletzt immer wieder vor Friedrich positionieren.
Allerdings waren die Entscheidungen meist hauchdünn. Friedrich hat bei den großen Rennen zudem schon oft bewiesen, dass er auf den Punkt da ist, wenn es darauf ankommt. "Wir haben es immer dann, wenn es entscheidend war, gedreht. Auch diesmal sind wir guter Dinge", sagte der 35-Jährige vorab. Alles andere als eine Medaille im Zweier- und Viererbob für Friedrich wäre eine faustdicke Überraschung. Ob diese dann allerdings auch wirklich in Gold glänzt, ist durchaus fraglich.
Kann Buckwitz Teamkollegin Nolte ärgern?
Bei den Frauen peilt Lisa Buckwitz (BRC Thüringen) ihre zweite Goldmedaille an. 2018 hatte sich als Anschieberin von Mariama Jamanka gewonnen, dieses Mal geht sie als Pilotin an den Start. Die Konkurrenz hat es allerdings in sich. Teamkollegin Laura Nolte hat den Weltcup in dieser Saison fast nach Belieben dominiert. Die Winterbergerin geht in Cortina sowohl im Mono- als auch im Zweierbob als große Favoritin an den Start. Für Gold muss Buckwitz wohl auf einen eigenen herausragenden Tag und gleichzeitig Fehler der Konkurrenz hoffen. Eine Medaille sollte für sie aber in jedem Fall drin sein.
Rodeln – Schlagen die Goldhamster wieder zu?
Die deutschen Rennrodler sind seit Jahren das Maß der Dinge im Eiskanal. Das liegt nicht zuletzt an Julia Taubitz (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal) und Max Langenhan (BRC 05 Friedrichroda), die sich im Einsitzer nun den Traum vom Olympiagold erfüllen wollen. Weltmeister Langenhan hinkt den eigenen Erwartungen in dieser Saison zwar etwas hinterher, er geht neben Teamkollege Felix Loch und dem Österreicher Jonas Müller aber mindestens als Mitfavorit an den Start.
Die ärgsten Konkurrenten von Taubitz, die Olympia-Gold vor vier Jahren in Peking aufgrund eines Fahrfehlers im zweiten Lauf noch aus der Hand gab, kommen aus Österreich und dem eigenen Team. Denn auch Merle Fräbel (RT Suhl) präsentiert sich pünktlich zum Saisonhighlight in bestechender Form und krönte sich unter anderem zur Europameisterin. Gold und Silber im Einsitzer der Frauen für Deutschland ist – wie bei den Männern – daher alles andere als unrealistisch.
Eitberger und Eggert wollen es noch einmal wissen
Im Doppelsitzer könnte Dajana Eitberger (RC Ilmenau) die erste Deutsche werden, die eine Olympiamedaille im Ein- und Doppelsitzer gewinnt. Nach Silber 2018 in Pyeongchang startet die 35-Jährige gemeinsam mit Magdalena Matschina bei der Olympiapremiere im Doppelsitzer der Frauen. Und das Duo hat durchaus gute Chancen. Im Gesamtweltcup belegen Eitberger/Matschina derzeit Platz zwei hinter den favorisierten Österreicherinnen Selina Egle/Lara Kipp.
Daneben will sich auch Toni Eggert (BRC Ilsenburg) den Traum von Olympia-Gold erfüllen. Zuletzt fuhr er gemeinsam mit Sascha Benecken zu Bronze (2018) und Silber (2022). Benecken hat seine inzwischen Karriere beendet, Eggert ist nun mit Florian Müller am Start und hat durchaus realistische Chancen auf eine Medaille. Die Favoriten auf Gold sind aber andere: Allen voran die Rodel-Routiniers Tobias Wendl und Tobias Arlt, die in Cortina ihre Olympiasiege sieben und acht feiern könnten.
Skeleton – Grotheer und Jungk sind die Herausforderer
2022 standen Christopher Grotheer (BSR Rennsteig Oberhof) und Axel Jungk (Dresdner SC) in Peking ganz oben. In Cortina scheint Gold aber bereits für den Briten Matt Weston reserviert, der in diesem Winter in einer eigenen Liga fährt. Die letzten Rennen machen aus deutscher Sicht dennoch Hoffnung. Allen voran Grotheer konnte sich nach einem schwierigen Saisonstart sukzessive steigern. Auch Jungk zeigte konstante Leistungen. Topfavorit Weston, dessen Landsmann Marcus Wyatt und auch der Chinese Zheng Yin haben die Nase aber aktuell vorn. Für eine Medaille muss also alles zusammenpassen.
Das gilt auch für Susanne Kreher (Dresdner SC). Die Überraschungs-Weltmeisterin von 2023 schaffte es in dieser Saison nur in einem Rennen auf das Podest. Nicht nur Teamkollegin Jacqueline Pfeifer ist in dieser Saison besser drauf. Eine Medaille für Kreher wäre eher eine Überraschung. Topfavoritin ist die Belgierin Kim Meylemans.
Biathlon – Voigt und Co. hoffen auf die Staffeln
In Vanessa Voigt, Philipp Horn, Justus Strelow, Lucas Fratzscher und David Zobel trainieren gleich vier deutsche Biathleten am Stützpunkt in Oberhof. In den Einzelwettbewerben gehen sie aber maximal mit Außenseiterchancen an den Start. Voigt zeigt zwar konstante Schießleistungen, hat in der Loipe aber nach wie vor Defizite. Bei den Männern ist Horn am ehesten noch ein Medaillen-Coup zuzutrauen. Der 31-Jährige zählt läuferisch zur erweiterten Weltspitze und schaffte es in dieser Saison bereits auf das Weltcup-Podest.
Biathletin Vanessa Voigt gewann vor vier Jahren in Peking Bronze mit der Staffel.Bildrechte: IMAGO/Oryk HAISTDie besten Chancen hat das Quintett zweifelsohne in den Mannschaftswettbewerben. Voigt, die vor vier Jahren in Peking gemeinsam mit Franziska Preuß, Denise Herrmann-Wick und Vanessa Hinz Bronze holte, dürfte nach aktuellem Leistungsstand wie Horn, Strelow und Zobel in den Staffeln gesetzt sein. Auch im Mixed- und Single-Mixed-Wettbewerb könnte einer der Athleten starten. Die Favoritenrolle gehört aber anderen Nationen – allen voran Norwegen und Frankreich.
Skispringen – Freitag und Hoffmann als Hoffnungsträger
Nach ihrem Bruder Richard, der 2018 Mannschafts-Silber gewann, könnte nun auch Selina Freitag (SG Nickelhütte Aue) bei Olympia eine Medaille gewinnen. Die Sächsin springt in dieser Saison konstant wie nie und ist Dauergast auf dem Weltcup-Podest. Gold scheint für die schier übermächtige Slowenin Nika Prevc reserviert, Silber und Bronze ist Freitag aber in jedem Fall zuzutrauen. Das gilt im Übrigen auch für das Mixed-Team.
Bei den Männern hat sich Felix Hoffmann (SWV Goldlauter) in diesem Winter in den Fokus gesprungen und zählt gemeinsam mit Philipp Raimund zu den Hoffnungsträgern. Viermal schaffte es der Großschanzen-Spezialist in dieser Saison bereits auf das Podium. Warum also nicht auch in Predazzo? Gold scheint zwar auch hier bereits an die Familie Prevc (Domen) vergeben, dahinter könnte Hoffmann mit zwei konstanten Sprüngen aber durchaus ein Coup gelingen.
Langlauf – Hennig Dotzler nach Carl-Aus im Fokus
2022 sorgte Katharin Hennig Dotzler (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal) gemeinsam mit Victoria Carl für ein Langlauf-Märchen im Teamsprint. Carl verpasst aufgrund einer positiven Dopingprobe bekanntermaßen die Spiele, wodurch Hennig Dotzler neben den Sprintspezialistinnen Laura Gimmler und Coletta Rydzek in den Fokus rückt. Hennig Dotzler liegen vor allem die Rennen in klassischer Technik. Die Podestplätze im Weltcup blieben in dieser Saison zwar aus, in Oberhof und Goms bewies sie zuletzt aber aufsteigende Form. Eine Einzel-Medaille auf den Olympia-Strecken in Val di Fiemme käme dennoch einer Überraschung gleich.
Etwas anders sieht das in der Staffel aus. Dort kann Hennig Dotzler unter anderem gemeinsam mit Helen Hoffmann (WSV Oberhof 05) um Edelmetall mitlaufen. Das Duo hatte schließlich erst im vergangenen Jahr gemeinsam mit Carl und Pia Fink WM-Bronze geholt. Ein Platz hinter den dominierenden Nationen aus Norwegen und Schweden ist durchaus möglich.
Eisschnelllaufen – alle Augen auf Top-Talent Sonnekalb
Es ist fast 16 Jahre her, dass Deutschland im Eisschnelllaufen zuletzt über eine Olympia-Medaille jubeln durfte. In Cortina könnte die Durststrecke dank Top-Talent Finn Sonnekalb (ESC Erfurt) ein Ende finden. Der 18-Jährige hatte zu Saisonbeginn im Weltcup für mächtig Furore gesorgt und unter anderem den Junioren-Weltrekord pulverisiert. Bei den Olympischen Jugendspielen in Südkorea vor zwei Jahren gewann er dreimal Gold. Damit dürfte es in Cortina angesichts der Dominanz von US-Star Jordan Stolz zwar (noch) nichts werden, ein Medaillen-Coup ist Überflieger Sonnekalb dennoch zuzutrauen.
jsc/SpiO
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