• Verkehrsminister Schnieder präsentiert Maßnahmen zur Senkung der Führerschein-Kosten.
  • Unter anderem ist geplant, Übungsfahrten mit Eltern oder Freunden zu ermöglichen.
  • Immer mehr Fahrprüfungen werden nicht bestanden, in Mitteldeutschland sind die Durchfallquoten besonders hoch.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat konkrete Maßnahmen für einen günstigeren Pkw-Führerschein vorgelegt. "Der Führerschein ist in Deutschland einfach zu teuer", sagte der CDU-Politiker. Seinem Ministerium zufolge liegen die Kosten im Schnitt bei rund 3.400 Euro.

Geplant ist etwa die Möglichkeit eines reinen theoretischen Online-Unterrichts. Fahrschulen sollen zudem auf Anmietung oder Erwerb von Schulungsräumen verzichten können. Der Fragenkatalog für die Theorieprüfung soll um knapp 30 Prozent verringert werden. Außerdem soll die Zahl verpflichtender Sonderfahrten, etwa Autobahnfahrten, verringert werden.

"Experimentierklausel" soll Fahrten mit Eltern ermöglichen

Vorgesehen ist darüber hinaus eine "Experimentierklausel". Dabei geht es um eine befristete Regelung für eine "Laienausbildung". Einen Teil der praktischen Fahrausbildung sollen Fahrschüler demnach mit Eltern oder Freunden absolvieren können – in Österreich werde dies bereits erfolgreich gemacht.

Der Verkehrsminister will außerdem mehr Transparenz bei den Kosten schaffen: Fahrschulen sollen Preise online verfügbar machen – die Daten sollen dann Vergleichsportale aufbereiten können.

Einigung im März?

Schnieder hofft auf eine Einigung auf ein Reformpaket bei der Verkehrsministerkonferenz mit den Ländern Ende März, danach könnten rechtliche Änderungen auf den Weg gebracht werden. Kein Vorschlag gehe zulasten der Verkehrssicherheit, betonte Schnieder. "Das ist und bleibt die rote Linie."

Schon im vergangenen Jahr hatte der CDU-Politiker erste Reformvorschläge präsentiert – anschließend folgten Beratungen mit den Ländern. Seit Ankündigungen einer Reform waren nach Angaben von Fahrlehrerverbänden die Zahl der Anmeldungen eingebrochen. Viele warteten demnach ab, bis der Erwerb der Fahrerlaubnis wieder günstiger wird.

Theorieprüfung: Fast jeder Zweite scheitert

Fast jeder zweite Fahrschüler in Deutschland ist vergangenes Jahr an der Theorieprüfung gescheitert. Das zeigen neue Zahlen des Tüv-Verbandes. Demnach lag die Quote bei 44 Prozent und damit einen Prozentpunkt niedriger als noch 2024.

Der Anteil derer, die in der praktischen Prüfung scheiterten, lag unverändert bei 37 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf den Pkw-Führerschein der Klassen B und B17, also das begleitete Fahren ab 17 Jahren.

Hohe Durchfallquoten bei Fahrprüfungen in Mitteldeutschland

Unterschiede zeigten sich mit Blick auf die Bundesländer. In Sachsen-Anhalt und Thüringen rasselten den Tüv-Daten zufolge besonders viele Fahrschülerinnen und -schüler durch die theoretische Prüfung für den Pkw-Führerschein. In beiden Ländern sind 49 Prozent der theoretischen Prüfungen Fehlversuche. Zusammen mit Berlin haben die Länder damit die schlechtesten Werte bundesweit.

In den mitteldeutschen Ländern gehen auch überdurchschnittlich viele praktische Prüfungen daneben. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegen hier jeweils mehrere Prozentpunkte über dem bundesweiten Schnitt. In Sachsen-Anhalt ist die Durchfallquote mit 44 Prozent sieben Prozentpunkte höher als im Durchschnitt. Nur in den Stadtstaaten Berlin (48 Prozent) und Hamburg (47 Prozent) ist die Quote schlechter.

Land Theoretische Prüfungen Anteil nicht bestandener theoretischer Prüfungen Praktische Prüfungen Anteil nicht bestandener praktischer Prüfungen
Sachsen 61.715 42 Prozent 54.040 41 Prozent
Sachsen-Anhalt 35.862 49 Prozent 30.227 44 Prozent
Thüringen 38.358 49 Prozent 32.328 42 Prozent

Der Tüv-Verband nannte die Zahlen hoch. Auf lange Sicht habe der Anteil gescheiterter Prüfungen zugenommen. So habe die Durchfallquote 2016 noch bei lediglich 37 Prozent in der Theorie- und 32 Prozent in der Praxisprüfung gelegen.

Viele fallen mehrfach durch Fahrprüfungen

Vor allem die theoretische Prüfung beim Führerschein macht vielen Fahrschülern Probleme. (Symbolbild)Bildrechte: picture alliance / Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa | Bernd Wüstneck

Eine bedeutende Rolle spielen laut der Analyse diejenigen, die wiederholt durch Prüfungen fallen. Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität, sagte, die Gruppe der Wiederholenden tue sich schwer. Häufig scheiterten die Personen mehrfach. Jede nicht-bestandene Prüfung bedeute zusätzliche mentale, finanzielle und zeitliche Belastung. "Wer den Führerscheinerwerb effizienter und kostengünstiger gestalten will, muss alles daransetzen, den ersten Prüfungsversuch zum Erfolg zu machen", sagte Goebelt.

Begleitetes Fahren: Fahrschüler unter 18 schneiden besser ab

Fahrschülerinnen und Fahrschüler, die am sogenannten begleiteten Fahren teilnehmen, schnitten in den Prüfungen den Daten zufolge deutlich besser ab. Von den Unter-18-Jährigen fielen im vergangenen Jahr lediglich 35 Prozent in der theoretischen sowie 24 Prozent in der praktischen Prüfung durch.

Kosten für den Führerschein: Reform soll Preise drücken

Die Kosten für den Führerschein waren in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. In Sachsen-Anhalt etwa lagen sie für Praxisunterricht laut Statistischem Landesamt im vergangenen Jahr fast 60 Prozent über dem Niveau von 2020.

MDR,dpa (lde/ala/fef)

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