Wie der Medienrat künftig die Öffentlich-Rechtlichen prüft
- Was ist das Ziel des neuen Gremiums?
- Wie wird der neue Medienrat arbeiten?
- Welche Rolle spielen junge Menschen?
In den Rundfunkräten der öffentlich-rechtlichen Sender spiegelt sich die Gesellschaft wider, und zwar bewusst über die Politik hinaus. Vertreter aus Wirtschaft, Handwerk, Tourismus, Kultur, Kirche, Sport oder sozialen Bereichen bringen unterschiedliche Perspektiven ein und kontrollieren die Sender in den jeweiligen Bundesländern.
Die Gäste nutzten den Tag auch zum Austausch. Bildrechte: Bauhaus-Universität Weimar/Matthias EckertZiel ist es, gesellschaftliche Vielfalt abzubilden, nicht politische Mehrheiten. Ganz anders der neue Medienrat, der an der Bauhaus-Universität in Weimar angesiedelt ist. Er ist ein Sachverständigengremium, das auf Zeit berufen wird und unabhängig, faktenbasiert, wissenschaftlich arbeiten will – das ist der Anspruch der sechs berufenen Mitglieder, die ganz unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven einbringen.
Unabhängigkeit statt Interessenvertretung
Der Auftrag des Gremiums ist klar umrissen. Sechs Kriterien stehen im Mittelpunkt der Arbeit, fixiert im Reformstaatsvertrag, seit Dezember 2025 in Kraft. Bewerten werden sollen die Zugänglichkeit der Inhalte, ihre Nutzung, ihre Wirkung auf die Meinungsbildung sowie Vielfalt, Ausgewogenheit, Qualität und Innovationskraft. Wie diese Aspekte untersucht werden, entscheidet das Gremium selbst.
Prof. Anne Bartsch, Prof. Jeanette Hofmann, Prof. Annika Sehl, Nathalie Wappler, Prof. Boris Alexander Kühnle und Peter Müller (v.l.) bilden den neuen Medienrat.Bildrechte: MDR/Thomas BeckerDazu werden die Berichte der Sender ausgewertet oder Medienstudien und wo Daten fehlen, möglicherweise auch Studien in Auftrag gegeben. Peter Müller, ehemaliger Ministerpräsident des Saarlandes und früherer Richter am Bundesverfassungsgericht, bringt in das Gremium juristische Perspektive ein. Er betont, dass Transparenz ein zentraler Bestandteil der Arbeit sein wird.
Wir werden unsere Methodik offenlegen, genauso wie wir unsere Ergebnisse offenlegen.
Gewählt wurde Müller von der ARD-Gremienvertreterkonferenz, so wie Nathalie Wappler, Intendantin des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF). Sie bringt vor allem den Blick aus der redaktionellen Praxis ein.
Dabei geht es auch um Grundsatzfragen: Was bedeutet Qualitätsjournalismus konkret? Welche Rolle spielen etwa das Vier-Augen-Prinzip oder die Arbeit mit mehreren unabhängigen Quellen? Solche Kriterien sollten nicht nur intern diskutiert, sondern verstärkt auch öffentlich erklärt werden.
Ziel ist es, den Unterschied zwischen journalistisch verantworteten Inhalten und anonymen Clips im Netz deutlicher zu machen.
Fokus auf junge Zielgruppen
Einen anderen Schwerpunkt setzt Professorin Janett Hofmann. Sie wurde vom Deutschlandradio-Hörfunkrat in das Gremium entsandt, forscht zu Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz und richtet den Blick vor allem auf junge Menschen.
Das Publikum beobachtet gespannt, was der Medienrat sich für Ziele setzt.Bildrechte: Bauhaus-Universität Weimar/Matthias EckertAus ihrer Sicht besteht Nachholbedarf: Politisch interessierte junge Generationen müssten anders angesprochen und stärker eingebunden werden - auch, weil klassische Empfangsgeräte wie Radio oder Fernseher für viele keine Rolle mehr spielen. Das habe Konsequenzen für die Redaktionen.
Hofmann plädiert für strukturelle Veränderungen und mehr Verantwortung für Menschen, die das Mediennutzungsverhalten jüngerer Zielgruppen verstehen.
Der neue Medienrat ist ein Sachverständigengremium, das auf Zeit berufen wird.Bildrechte: Bauhaus-Universität Weimar/Matthias EckertOb dieser Prozess in den Rundfunkanstalten aus wissenschaftlicher Sicht zufriedenstellend abläuft oder nicht, das könnte Thema im ersten Bericht des neuen Medienrates sein.
Er wird in etwa zwei Jahren erwartet und sollte bestenfalls nicht nur in Schubladen verschwinden, sondern in Zeiten von Künstlicher Intelligenz und Fake-News-Flut eine fundierte Basis sein, Programme und Strukturen des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks zukunftsfähig zu machen.
MDR (gh)
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