So viel Mitteldeutschland steckt in der 76. Berlinale
- Zur feierlichen Eröffnung der Berlinale wird die romantische Komödie "No Good Men" der afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat gezeigt.
- Filme aus Mitteldeutschland sind in diesem Jahr sehr präsent, darunter das Historiendrama "Rose" mit Sandra Hüller.
- Der Dokumentarfilm "Szenario" zeigt, wie in der militärischen Modellstadt Schnöggersburg in Sachsen-Anhalt für den Ernstfall geprobt wird.
Mit einer Gala im Berlinale-Palast beginnen am Abend die 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Intendantin Tricia Tuttle und Jurypräsident Wim Wenders eröffnen das Festival. Gezeigt wird die internationale Coproduktion "No Good Men". Es ist der mittlerweile dritte Spielfilm der preisgekrönten afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat.
Eröffnungsfilm verbindet Politik mit Humor und Romantik
Wie in ihren letzten Filmen nimmt Sadat das Leben afghanischer Frauen in den Blick. Die romantische Komödie erzählt von der einzigen Kamerafrau bei Kabul TV, die davon überzeugt ist, dass es in ihrem Land keine guten Männer gibt – bis sie sich auf einer Reportage-Reise in einen Kollegen verliebt. Der Film verbinde "eine mitreißend politische Geschichte mit Romantik und feinem Humor", begründete Trica Tuttle die Entscheidung für den Eröffnungsfilm. Mit dem Film greife die Regisseurin wahre Begebenheiten auf.
Politisch und romantisch zugleich: Eröffnungsfilm "No Good Men". Bildrechte: Blue Monticola FilmFrisch aus Mitteldeutschland: Sandra Hüller als Soldat
Der Geschäftsführer der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM), André Naumann, sagte MDR SACHSEN, es stecke in diesem Jahr aber auch "viel Mitteldeutschland im Berlinale-Programm." Demnach feiern fünf MDM-geförderte Filme auf dem Festival ihre Premiere, drei davon im Internationalen Wettbewerb.
Darunter ist auch der Historienfilm "Rose", der zum Teil im Harz gedreht wurde und in einem protestantischen Dorf kurz nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges spielt. Ein rätselhafter Soldat kommt in den Ort, gibt sich als Erbe eines verlassenen Anwesens aus und versucht, Teil der Dorfgemeinschaft zu werden. Tatsächlich ist der Kriegsveteran aber eine Frau, die von Sandra Hüller gespielt wird.
Sandra Hüller als Rose im Film von Markus Schleinzer.Bildrechte: Schubert, ROW Pictures, Walker+Worm FilmMit der Figur des Soldaten Rose habe sich die Leipziger Charakterdarstellerin Sandra Hüller eine neue Herausforderung gesucht, stellt der MDR-Filmkritiker Lars Tunçay fest. Nach der Frau eines SS-Kommandanten in "Zone of Interest" und einer angeklagten Witwe in "Anatomie eines Falls" stehe sie in Markus Schleinzers "Rose" nun als Mann vor der Kamera. Damit sei sie zweifellos eine der derzeit gefragtesten deutschen Schauspielerinnen.
Coming-of-Age-Drama erzählt von Teenagerin aus Thüringen mit großen Träumen
So wie Sandra Hüller lebt auch Frieda Hohnemann in Leipzig. Sie steht noch ganz am Anfang ihrer Schauspielkarriere, hat es aber ebenfalls in den Wettbewerb der Berlinale geschafft. Die 18-Jährige spielt die Hauptrolle in "Etwas ganz Besonderes" von Eva Trobisch. Vor zwei Jahren wurde die Regisseurin auf der Berlinale für ihr Charakter-Drama "Ivo" gefeiert.
Frieda Hohnemann in "Etwas ganz Besonderes".Bildrechte: Adrian Campean/ TrimafilmIn ihrem neuen Film erzählt sie vom Traum der jungen Lea aus Thüringen, die unbedingt an einer Castingshow teilnehmen will. "Ein sensibel beobachtetes Coming-of-Age-Drama", so Lars Tuncay, in dem neben Hornemann auch Max Riemelt und Eva Löbau zu sehen sind. Gedreht wurde der Film unter anderem im sächsischen Crimmitschau.
Der neue Film von Angela Schanelec "Meine Frau weint" spielt zwar nicht in Mitteldeutschland, wurde aber ebenfalls von der MDM gefördert. Sie erzählt von einem beiläufigen Moment, der das Leben eines Kranführers in Bewegung bringt. Schanec, bekannt für ihre kompromisslose Ästhetik, war schon mehrfach in den Berlinale-Wettbewerb geladen, zuletzt mit "Musik" (2023).
In "Meine Frau weint" erhält der Kranführer Thomas einen Anruf von seiner Frau aus dem Krankenhaus und muss sich einer neuen Situation stellen.Bildrechte: Virginie SurdejDokumentarische Einblicke in die Militärzone in Schnöggersburg
Doch nicht nur im Wettbewerb sind Filme mit mitteldeutscher Förderung vertreten. Im der Festival-Sektion "Forum des jungen Films" zeigt Marie Wilke ihren neuen Dokumentarfilm "Szenario". Der Film gibt einen Einblick in Europas größte militärische Modellstadt Schnöggersburg in Sachsen-Anhalt, die als Gefechtsübungszentrum wiederbelebt wird. "Die Probe für den Ernstfall hält die Regisseurin in ausdrucksstarken Bildern fest", so MDR-Kritiker Lars Tunçay. Geschnitten wurde der Film vom Chemnitzer Jan Soldat, der mit seinen Kurzfilmen selbst bereits mehrfach zu Gast in Berlin und beim DOK Leipzig war.
Dokumentarfilm "Szenario": Proben für den militärischen Ernstfall.Bildrechte: Salzgeber@Co.MedienIn der Sektion "Generation Kplus" ist die belgische Produktion "Heute heißen alle Sorry" von Frederike Migom zu sehen. Der Kinderfilm erzählt die Geschichte der 13-jährigen Bianca, die in ihrer Familie um Anerkennung kämpft. Die fantasievollen Szenen wurden von der Leipzigerin Nadja Götze gestaltet.
Die Internationale Jury 2026: (v. l. n. r.) Shivendra Singh Dungarpur, Min Bahadur Bham, Bae Doona, Ewa Puszczyńska, Wim Wenders, HIKARI, Reinaldo Marcus GreenBildrechte: Dirk Michael Deckbar / Berlinale 2026Filme aus 80 Ländern auf Berlinale vertreten
Insgesamt sind auf der Berlinale in diesem Jahr 277 Filme aus 80 Ländern zu sehen. 22 davon konkurrieren um den Goldenen und die Silbernen Bären. Über die Gewinner entscheidet eine Fachjury unter Vorsitz von Kult-Regisseur Wim Wenders. Verliehen werden die Preise bei der Abschlussgala am 21. Februar.
Quellen: MDR KULTUR (Knut Elstermann), MDR SACHSEN (Lars Tunçay), Mitteldeutsche Medienförderung, Berlinale; redaktionalle Bearbeitung: tis, lm
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