• Jobsharing auf Führungsebene wird selten angeboten, weil es für Unternehmen einen Mehraufwand bedeutet.
  • Personalberaterin Susann Hinz rät Unternehmen dazu, die Möglichkeit anzubieten, weil sie von der Perspektivenvielfalt profitieren.
  • Jobsharing gibt Menschen die Chance Führungsverantwortung zu übernehmen, für die Vollzeit keine Option ist.

MDR AKTUELL: Sie bieten Coachings für Führungsduos an. Wie häufig wird diese Leistung bei ihnen nachgefragt?

Hinz: Zu mir kommen vor allem Führungsspitzen – das kann ein Duo sein, das können auch drei bis vier Personen sein, die zusammen in der Geschäftsführungsrolle tätig sind.

Coachings für Jobsharing oder Führen in Teilzeit werden noch gar nicht so oft nachgefragt. Die biete ich an, weil ich durch meine Personalleitungstätigkeit in dem Bereich Erfahrung habe. Da habe ich das also kennengelernt: Wie es gut funktioniert, wie es auch nicht so gut funktioniert.

Sie müssen nach außen eine Person sein.

Susann Hinz

Was funktioniert denn gut und was sind meistens die größten Herausforderungen?

Das müssen schon zwei Personen sein, die sehr ähnlich ticken. Also die sich einfach gut verstehen, auf einem guten Kommunikationslevel sind und auch nicht gegenseitig ihre Entscheidungen wieder in Frage stellen. Sie müssen nach außen eine Person sein. Damit auch für die Mitarbeitenden eine Verlässlichkeit da ist. Oder man teilt sich die Aufgaben auf – der eine macht bspw. nur die Mitarbeiterangelegenheiten, die andere die strategischen Dinge.

Es scheint dieses Modell ja aber nicht sonderlich häufig zu geben, also Jobsharing auf Führungsebene. Woran liegt das?

Es ist noch nicht so Usus. Ich habe schon davon gehört, dass sich Duos konkret auf eine Jobausschreibung bewerben. Die sagen: 'Ja, hier ist eine Vollzeitstelle, wir bewerben uns gemeinsam darauf.'

Und ich kann nur empfehlen, sich darauf einzulassen. Es kann sehr bereichernd sein, zwei Perspektiven zu haben. Aber ja, was ich sehr selten sehe, ist, dass Stellen direkt für Jobsharing ausgeschrieben sind.

Und haben Sie eine Mutmaßung, woran das liegt? So als Personalerin.

Ich denke, man macht es sich einfach leicht. Als Unternehmen habe ich es erstmal einfacher, wenn ich nur eine Person habe, mit der ich mich absprechen muss, wenn ich nur einen Vertrag habe, nur eine Akte und so weiter und sofort.

Ich denke, wenn sich der Arbeitsmarkt verschärft, dann sind die Unternehmen auch offener für solche "Experimente". Aber wenn die Notwendigkeit nicht besteht, glaube ich, sind wir hier in unseren Breitengraden da wenig experimentierfreudig.

Sie haben gesagt, aktuell wäre der Arbeitsmarkt noch nicht verschärft genug dafür, aber sie würden ja schon dazu raten, sich mal darauf einzulassen. Welche Chancen bietet Jobsharing denn für Unternehmen?

Na, es bietet natürlich die Chance, Leute in eine Führungsposition zu holen, für die das in Vollzeit nicht in Frage kommt. Also die, die sonst vielleicht an so einem Vollzeitmodell scheitern oder sich das nicht zutrauen, aus welchen Gründen auch immer.

Vielleicht hat man auch eine Führungskraft, die gern in Teilzeit arbeiten würde, mit den Stunden runter will. Dann kann man jemanden, der aktuell in zweiter Reihe steht voranbringen. Es ist eine Entwicklungschance für jemanden, der sonst gar nicht in so eine Rolle schlüpfen würde.

Schade, dass es das so selten gibt.

Ja, ich glaube, dass die wenigsten aus Eigeninitiative daraufkommen. Wenn ein Unternehmen das machen möchte, muss es solche Angebote stärker forcieren oder in Ausschreibungen damit werben. 

MDR (ewi)

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