"Schnieder-Effekt": Warum mehr Menschen die Fahrschule hinauszögern
- Immer mehr Fahrschulkurse sind schwach besucht. Möglicherweise liegt das an den Plänen von Verkehrsminister Schnieder, der den Führerschein wieder billiger machen will.
- Derzeit kostet die Fahrerlaubnis im Schnitt 3.400 Euro. Ein Reformpaket soll die Kosten senken.
- Dazu zählt auch weniger Theorieunterricht in Präsenz. Nicht alle Fahrlehrer sind davon begeistert.
Fahrlehrer Yves Klinkhardt ist mit einer Schülerin unterwegs im Stadtverkehr von Erfurt. Gerade werden die Kurse in seiner Fahrschule Copilot wieder ganz gut nachgefragt.
Gegen Ende des vergangenen Jahres sah das noch anders aus, erzählt Klinkhardt: "Wir hatten bisher einen Kurs in der Tat, den wir absagen mussten. Das ist im Dezember gewesen. Und im Dezember hatte ich das bisher noch nie. Da hatte ich eher Leute weggeschickt oder in den Januar- oder Februarkursen wieder untergebracht."
"Schnieder-Effekt" möglicherweise für verminderte Anmeldezahlen verantwortlich
Laut einer bundesweiten Umfrage des Interessensverbands Moving gibt es derzeit vor allem weniger Anmeldungen bei Fahrschulen in Großstädten. 90 Prozent der befragten Fahrschulen meldeten einen Rückgang von fast 60 Prozent. Möglicherweise liegt das am sogenannten "Schnieder-Effekt", also dass Fahrschüler auf die Reform des Bundesverkehrsministers Schnieder warten, die verspricht, den Führerschein wieder günstiger zu machen.
"Meine beste Freundin hat deshalb ihren Führerschein aufgeschoben", sagt Lea Fröhlich. Die 24-Jährige hat gerade ihre sechste Fahrstunde hinter sich. Vor kurzem ist sie Mutter geworden und braucht den Führerschein im Familienalltag. Auch für sie ist das keine finanzielle Kleinigkeit: "Es ist schon eine Herausforderung, aber ich habe länger darauf gespart, weil ich es schon länger vorhatte."
3.400 Euro: Reformpaket soll die Kosten senken
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind die Kosten für einen Führerschein im Jahr 2024 um 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen -und damit stärker als die Verbraucherpreise insgesamt. Im Schnitt kostet die Fahrerlaubnis laut Bundesverkehrsministerium 3.400 Euro. Verkehrsminister Schnieder setzt daher auf ein Reformpaket, um die Kosten zu senken: Die Anzahl der Sonderfahrten in der Praxis soll reduziert werden, die Pflicht zum Präsenzunterricht in der Theorieausbildung soll wegfallen.
Herbert Engelmohr, Sprecher des Automobilclubs von Deutschland, hält das für den richtigen Weg: "Straffung des Ausbildungsprogramms durch digitale Ansätze, verbesserte Lernmöglichkeiten. Das hilft, die entsprechenden Stunden vielleicht zu reduzieren. Bei der theoretischen Ausbildung können digitale Lernvorhaben helfen, hier auch Kosten zu begrenzen."
Fahrlehrer: Emotionen im Straßenverkehr in Präsenz besser vermittelbar
Auch Fahrlehrer Klinkhardt sieht einige positive Punkte. Etwa, dass die Zahl der Prüfungsfragen reduziert werden soll. Trotzdem ist er nicht durchweg überzeugt von den Plänen des Ministers. Er glaubt nicht, dass sich die Theorieausbildung vollständig ins Digitale verlagern lässt: "Wir wollen uns ja im Straßenverkehr auch schon ein bisschen verstehen. Es geht um Emotionen im Straßenverkehr. Nichts prägt den Straßenverkehr so wie Emotionen. Und dass ich dann eben eine Kompetenz haben muss, eine soziale Kompetenz."
Rücksicht nehmen auf andere, so der Fahrlehrer, das könnte eben besser im Präsenzunterricht vermittelt werden als nur durch Prüfungsfragen am Computer.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke