• Referendare sind über Streichung der "Buschzulage" frustriert.
  • Kultusministerium verweist auf die entspanntere Personalsituation.
  • Hoffnung auf Übergangslösung – manche finanziell in Bedrängnis.

Mehr als 1.250 Euro zusätzlich im Monat waren bei vielen Referendaren fest eingeplant. Der Sonderzuschlag sollte Arbeiten im ländlichen Raum attraktiv machen. Für Grundschul-Lehrkräfte wurde er jetzt fast überall gestrichen.

Streichung sorgt für Frust und Tränen

Eine junge Lehramtsanwärterin, die ihren Namen nicht im Radio hören möchte und ihr Referendariat jetzt aufgenommen hat, berichtet: "Ich hab erstmal geweint. Viele waren einfach entsetzt und traurig darüber, auch enttäuscht vom Landesamt für Schule und Bildung."

Der Sonderzuschlag sei ein Zuschlag gewesen, mit dem auch alle gerechnet hätten: "Diese Kurzfristigkeit, dass wir uns nicht mal umentscheiden konnten, nochmal in ein anderes Bundesland gehen konnten, den Weg noch mal ändern konnten, das hat für mich und für viele andere für Trauer gesorgt.

Ministerium: Personallage hat sich entspannt

Die Referendarin hatte sich im vergangenen Sommer auch wegen des Zuschlags an einer Grundschule im ländlichen Raum beworben, im November die Zusage erhalten. Kurz zuvor machten erste Gerüchte die Runde, der Zuschlag könnte wegfallen, erst Anfang Februar dieses Jahres erhielt sie Klarheit: der Sonderzuschlag für ihre Grundschule wird nicht mehr gezahlt.

Kultusminister Conrad Clemens begründet das damit, dass sich die Personallage an den Grundschulen entspanne, die geburtenschwachen Jahrgänge sich bemerkbar machten. Er sagte MDR AKTUELL: "Wir müssen eben die Lehrkräfte auch dort hinsteuern, wo wir sie brauchen. Und wir sehen insgesamt, insbesondere durch den neuen Studiengang Grundschullehramt in Chemnitz, dass sich die Situation im Erzgebirge deutlich verbessert hat. Und jeder Anwärter konnte auch noch einmal seine Stelle verändern. Das war transparent kommuniziert."

Referendare hoffen auf Übergangsregelung

Dennoch habe kein Referendar das Wechselangebot angenommen, teilte das Kultusministerium mit. Die Referendare widersprechen: Transparente Kommunikation habe nicht stattgefunden.

Sie wollen den Minister mit einem offenen Brief zum Umdenken bewegen, erhoffen sich eine Übergangsregelung, so die Referendarin: "Die Frage ist natürlich, inwieweit man Druck machen möchte oder inwieweit Druck möglich ist. Das Ministerium wollte, dass der Zuschlag fällt, dementsprechend sind sie ihre Wege gegangen."

Streichung sorgt für finanzielle Probleme

Die Referendare entschieden sich, "Radau zu machen" und auch die Eltern auf die Situation aufmerksam zu machen. Unterstützung erhalten die Referendare von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Vorsitzender Burkhard Naumann sieht die Attraktivität des Lehrerberufs gefährdet: "Das Kultusministerium hat wahrscheinlich einen Auftrag bekommen zu gucken, wo es Geld streichen kann. Und das lag jetzt relativ nah. Und da gibt es dramatische Geschichten."

So gebe es Leute, die schon ihre Mietsituation geändert und das Geld eingeplant hätten. Und das Geld werde nun vom einen auf den nächsten Tag gestrichen – immerhin fast die Hälfte der erwarteten Summe.

Zuschlag in Ost-Sachsen bleibt

In den Landkreisen Bautzen und Görlitz wird der Zuschlag noch gezahlt, hier herrsche weiter eine Mangelsituation, so das Kultusministerium. Uneingeschränkt wird die Sonderumlage außerdem für Referendare aller anderen Schularten gezahlt. Hier sind nach wie vor nur die Städte Dresden und Leipzig sowie deren direktes Umland ausgenommen.

MDR AKTUELL

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