• Mehr als die Hälfte finden Trumps Ukraine-Initiativen nicht hilfreich.
  • Für eine knappe Mehrheit ist ein Verzicht der Ukraine auf eine NATO-Mitgliedschaft Bedingung für Friedensgespräche.
  • Mitteldeutsche Befragte blicken spürbar kritischer auf die Ukraine-Politik als norddeutsche Befragte.

Seit genau vier Jahren sterben Menschen im Ukrainekrieg. Nur jeder siebte Befragte glaubt, dass der Krieg im Jahr 2026 enden wird. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von MDRfragt mit mehr als 23.000 Teilnehmenden. Die Ergebnisse sind aufgrund bewährter wissenschaftlicher Methoden aussagekräftig für die Stimmungen im Sendegebiet. Da keine Zufallsstichprobe erhoben wird, sind die Ergebnisse nicht repräsentativ.

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Die Hoffnung auf ein Ende der Kämpfe ist im Vergleich zu vor einem Jahr deutlich gesunken. Im Februar 2025 glaubte noch jeder Dritte, dass der Krieg 2025 enden werde. Viele Befragte bezweifeln, dass Wladimir Putin oder Wolodymyr Selenskyj bereit sind, Kompromisse einzugehen.

Michael (49) aus Chemnitz schreibt über ein mögliches Kriegsende: "Das dauert noch. Beide Seiten können nicht aufhören. Russland würde es innenpolitisch in Schwierigkeiten bringen. Und die Ukraine wäre in ihrer Existenz gefährdet."

Mandy (51) aus dem Erzgebirgskreis kommentiert: "Russland rückt von seinen Maximalforderungen kein Stück ab und Trump hängt sein Fähnchen zu sehr in den Wind, ändert ständig seine Meinung. So kann kein brauchbares Ergebnis herauskommen."

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Es fällt auf, dass der Optimismus unter den Befragten mit dem Alter zunimmt: 18 Prozent der Über‑65‑Jährigen rechnen mit einem Kriegsende im Jahr 2026, aber nur 9 Prozent der Unter‑30‑Jährigen – also halb so viele.

Skepsis gegenüber Trumps Initiativen

Im November hatte der US-amerikanische Präsident Donald Trump einen 28‑Punkte‑Plan vorgestellt, der territoriale Zugeständnisse der Ukraine, einen Verzicht auf einen NATO‑Beitritt und Sicherheitsgarantien vorsieht. Zudem vermitteln die USA zwischen Russland und der Ukraine.

Nur ein Drittel der Befragten schöpft aus Trumps Vorstößen Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende. Mehr als die Hälfte hält sie für nicht hilfreich.

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Zahlreiche Befragte sind der Meinung, dass Trump zu unberechenbar und sprunghaft sei, um echte Fortschritte zu erreichen. "Alles, was Trump sagt und tun will, ist wenige Momente später nicht mehr relevant", schreibt etwa B. (73) aus Erfurt. "Donald Trump ist mehr als unberechenbar in seinem Handeln, deshalb in meinen Augen gefährlich", findet Birgit (69) aus dem Landkreis Greiz.

Zudem kritisieren viele eine zu große Nähe zu Russland. "Als Schoßhund von Putin wird mit Trump der Krieg noch länger gehen, als es eigentlich müsste", schreibt zum Beispiel Oliver (51) aus Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Patrick (46) aus Erfurt ergänzt: "Sofern die USA bei Verhandlungen die Position von Russland vertreten, hat das nichts mit einem echten Frieden zu tun, sondern mit einem Diktatfrieden mit Kapitulation."

Als Schoßhund von Putin wird mit Trump der Krieg noch länger gehen, als es eigentlich müsste.

Oliver (51) aus Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Ein wiederkehrender Kritikpunkt ist auch, dass Trump nach eigenen Vorteilen strebe und der Frieden nur zweitrangig sei. "Bei allem, was Trump unternimmt, denkt er nur an Profit und Macht", schreibt Gisela (84) aus dem Landkreis Nordhausen stellvertretend für viele.

Befürworter von Trumps Initiativen heben vielfach hervor, dass der US-amerikanische Präsident Bewegung in eine festgefahrene Situation bringe. "Auf jeden Fall sind die Bemühungen Trumps besser als die von Deutschland oder anderen europäischen Staaten. Verhandlungen haben für mich in solchen Konflikten immer Priorität", kommentiert beispielsweise Peter (75) aus Dresden.

NATO-Verzicht als Friedensvoraussetzung

Für eine knappe Mehrheit bleibt ein Verzicht der Ukraine auf eine NATO-Mitgliedschaft Bedingung für Friedensgespräche. Diese Meinung teilten wie schon vor einem Jahr 59 Prozent der Befragten.

Häufig genannt wird die Überzeugung, die NATO-Osterweiterung habe den Krieg ausgelöst und Russland habe Anspruch auf eine Sicherheitszone. "30 Jahre NATO-Osterweiterung ist die Ursache des Krieges", kommentiert Eckhardt (75) aus Mittelsachsen – eine Meinung, die viele teilen.

Demgegenüber finden nur 9 Prozent, dass eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine notwendig sei, um über ein Ende des Kriegs zu verhandeln.

Kritik an Erhöhung der Finanzhilfen

Im Jahr 2026 erhöht die Bundesregierung die finanzielle Hilfe für die Ukraine auf voraussichtlich 11,5 Milliarden Euro. Das Geld soll unter anderem für Artillerie, Drohnen und gepanzerte Fahrzeuge ausgegeben werden. Zwei Drittel der Befragten lehnen die Erhöhung der Finanzhilfen ab.

Dabei zeigen sich deutliche Generationenunterschiede: Bei den Unter-30-Jährigen lehnt nur jeder zweite Befragte die Erhöhung der Gelder ab. Bei allen anderen Altersgruppen sind etwa zwei von drei Befragten dagegen.

Mittel- und Norddeutsche fordern unterschiedliche Außenpolitik

Ein Vergleich der Umfrageergebnisse zwischen MDRfragt und #NDRfragt zeigt markante regionale Unterschiede: Mitteldeutsche Befragte blicken spürbar kritischer auf die Ukraine-Politik als norddeutsche Befragte. An den Erhebungen von #NDRfragt nehmen Menschen aus Schleswig‑Holstein, Hamburg, Bremen, Mecklenburg‑Vorpommern und Niedersachsen teil.

  • Im mitteldeutschen Stimmungsbild halten 60 Prozent der Befragten die deutschen Finanzhilfen seit Kriegsbeginn für zu hoch, im norddeutschen sind es nur 28 Prozent.
  • Auch Waffenlieferungen werden in der MDRfragt-Community deutlich kritischer gesehen: Dort lehnen 59 Prozent ihren Umfang ab, bei #NDRfragt lediglich 23 Prozent der Befragten.
  • Einigkeit besteht jedoch beim Wunsch nach mehr Diplomatie: Bei beiden Meinungsbarometern sprechen sich zwei Drittel der Befragten für stärkere diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Krieges aus.
  • Bei der Frage, wie sich Deutschland außenpolitisch gegenüber Russland verhalten sollte, gehen die Meinungen erneut auseinander. Drei Viertel der mitteldeutschen Befragten halten gute Beziehungen zu Russland für wichtig – in Norddeutschland nur etwa die Hälfte.

Der Vergleich der Ergebnisse von MDRfragt und #NDRfragt zeigt aber auch: Die Meinungen der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern – dem einzigen ostdeutschen Bundesland im NDR-Sendegebiet – ähneln denen der MDRfragt-Gemeinschaft aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in weiten Teilen.

Schaut man wieder ausschließlich auf Mitteldeutschland, wird zudem ein Generationenunterschied sichtbar: Unter den Unter‑30‑Jährigen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt hält nur etwas mehr als die Hälfte (58 Prozent) gute Beziehungen zu Russland für wichtig.

Der 29-jährige Julien aus Dresden merkt beispielsweise an: "Russland als Feind unserer Demokratie, und das ja sogar als militärische und hybride reale Bedrohung, braucht auch Grenzen gesetzt. Wir müssen 'unsere roten Linien' über alles stellen." Dagegen argumentiert der 76-jährige Norbert aus Halle stellvertretend für viele Über-65-Jährige: "'Wandel durch Annäherung' war zu Willy Brandts Zeiten der entscheidende Schritt für Veränderung bis hin zur Einheit Deutschlands. Auch wenn sich die Zeiten geändert haben, gibt es keinen wirklich plausiblen Grund, nicht wenigstens den Versuch zu unternehmen, eine Friedensordnung für Europa unter Einbeziehung Russlands zu schaffen."

Über diese Befragung

Die Befragung: "Krieg und Machtverschiebung – Wie blicken Sie auf die Welt?" lief vom 29. Januar bis 2. Februar 2026. Insgesamt haben 23.332 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mitgemacht.

Bei MDRfragt können sich alle anmelden und beteiligen, die mindestens 16 Jahre alt sind und in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen wohnen, denn: Wir wollen die Vielfalt der Argumente kennenlernen und abbilden. Die Kommentare der Befragten erlauben, die Gründe für die jeweiligen Positionen und das Meinungsspektrum sichtbar zu machen.

Da sich jede und jeder beteiligen kann, der möchte, sind die Ergebnisse von MDRfragt nicht repräsentativ. Die Ergebnisse von MDRfragt werden nach bewährten wissenschaftlichen Kriterien und Methoden anhand verschiedener soziodemografischer Merkmale wie Alter, Geschlecht oder Bildungsgrad gewichtet, um sie an die tatsächliche Verteilung in der mitteldeutschen Bevölkerung anzupassen.

Damit wird die Aussagekraft der Ergebnisse erhöht und es ergibt sich ein valides und einordnendes Stimmungsbild aus Mitteldeutschland. MDRfragt wissenschaftlich beraten und begleitet. Dabei geht es um die Weiterentwicklung des Angebotes ebenso wie über die Überprüfung der Aussagekraft, beispielsweise durch regelmäßige Validitätstests.

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