Ukrainerin in Dresden: Arbeitskollegen fragen nicht nach dem Krieg in ihrer Heimat
Mikrobiologische Diagnostik - also winzige Zellstrukturen untersuchen - ist die Welt von Anastasia Halian. Die medizinisch-technische Assistentin arbeitet in einem Labor in Dresden. Für sie ist das Privileg und Glück zugleich. Ihre Ausbildung absolvierte die heute 26-Jährige in Charkiv in der Ukraine.
Den Beginn des Krieges am 24. Februar 2022 erlebte Anastasia in Odessa. "Wir waren alle unter Schock und wir wussten, dass es um Okkupation geht. Für mich ist es das Schlimmste, was mir im Leben passieren kann, unter russischer Besatzung zu leben. Es ist für mich schlimmer als Tod."
Unter russischer Besatzung zu leben, ist für mich schlimmer als Tod.
Kollegen blenden Krieg aus
Der Krieg in ihrer Heimat ist immer präsent - in ihrem Kopf. Zugleich ist Anastasia dankbar, in Sachsen und damit in Freiheit zu leben. Mit ihren Kollegen versteht sie sich, wenn auch der Ukraine-Krieg kein Thema ist. "Ich bin offen für alle Fragen, weil es meine zweite Realität ist. Aber ich bekomme keine weiteren Nachfragen", sagt Halian. "Ich denke, es ist vielleicht besser so, zum Beispiel dass ich nicht die echte Meinung von meinen Kollegen weiß."
Ihr Bruder kämpft an der Front
Ihr jüngerer Bruder ist Soldat. Er hat sich vor vier Jahren als 19-Jähriger freiwillig an die Front gemeldet. "Das war für uns alle nicht so einfach. Aber ich bin stolz auf ihn, weil er hat viel erlebt, viel zu viel." Dieses "viel zu viel", das ihrem Land zugemutet wird, lässt Anastasia aktiv werden.
So hilft sie, zivile Drohnen zu bauen, die nach Hause geschickt werden. Außerdem spendet sie die Hälfte ihres Gehaltes. Eine Frage lässt die 26-Jährige nicht los: "Was wäre, wenn die Ukraine fällt?"
MDR (ltt/Patricia Klieme)
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