Welche Steuerreformen die Mittelschicht tatsächlich entlasten würden
- Die diskutierten Reformpläne bringen laut Experten vor allem Spitzenverdienern spürbare Vorteile.
- Um auch niedrigere Einkommen zu entlasten, müsste laut Sozialverband VdK stattdessen der Grundfreibetrag angehoben werden.
- Der Bund der Steuerzahler sieht wiederum hohe Sozialabgaben als Hauptbelastung für niedrige und mittlere Einkommen.
Das mittlere Einkommen in Deutschland ist das sogenannte Median-Einkommen. Es teilt die Bevölkerung in zwei exakt gleich große Hälften: Eine Hälfte verdient mehr als diesen Wert, die andere weniger.
Laut Statistischem Bundesamt liegt das Medianeinkommen bei rund 52.000 Euro brutto pro Jahr. Also ein gutes Stück unter der Grenze von rund 68.000 Euro, ab der der Spitzensteuersatz aktuell greift.
Vorschläge entlasten nur Gutverdiener
Diesen Schwellenwert noch weiter nach oben zu setzen, bringt der Mittelschicht relativ wenig, sagt Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. "Das entlastet vor allem die höheren und hohen Einkommen." Sie würden um etwa 1.000 Euro pro Jahr entlastet, Ehepaare um das Doppelte. "Der mittlere Verdiener wäre nur so mit etwa 120 bis 160 Euro dabei, je nach Familienstand", so Bach.
Anders sieht es aus, wenn noch an einer zweiten Stellschraube gedreht wird, nämlich am so genannten "Mittelstandsbauch". Damit wird der Anstieg der Einkommenssteuer bezeichnet, der zwischen niedrigen und mittleren Einkommen besonders groß ist. Es wird darüber diskutiert, diesen Anstieg abzuflachen.
Dann würden alle profitieren, sagt Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler. "Wenn das so umgesetzt werden würde, dann profitieren nicht nur diejenigen, die 80.000 Euro und mehr haben, sondern auch alle anderen, die davor verdienen." Deswegen sei dieser Tarif durchaus fair. "Das ist ein Vorschlag, der die breite Mitte durchaus entlastet." Aber auch bei dieser Variante würden vor allem Spitzenverdiener profitieren, sagt Wirtschaftsforscher Stefan Bach.
Sozialverband fordert höheren Grundfreibetrag
Ähnlich sieht es der Sozialverband VdK. Dessen Präsidentin Verena Bentele spricht sich deshalb für einen anderen Weg aus, um Menschen mit mittlerem und vor allem kleinem Einkommen zu entlasten.
"Um wirklich etwas gegen Armut zu tun, müsste der Grundfreibetrag auf 15.000 Euro erhöht und nicht der Spitzensteuersatz nach oben verschoben werden."
Den Grundfreibetrag zu erhöhen, hätte zur Folge, dass für alle – egal, wie hoch ihr Einkommen ist – 15.000 Euro pro Jahr steuerfrei wären.
Bund der Steuerzahler: Hohe Sozialabgaben sind eigentliches Problem
Wenn man die Situation der Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen wirklich verbessern will, müsste man aber eigentlich noch andere Hebel in Bewegung setzen, erklärt Reiner Holznagel vom Bund der Steuerzahler.
"Viele Menschen in diesem Bereich haben gar nicht so eine hohe Steuerlast. Sondern dort sind eher die Sozialabgaben das Problem. Deswegen muss man schon eine Kombination aus Steuerentlastung und Begrenzung der Sozialabgaben finden."
Fest steht: Die Bundesregierung muss sich etwas einfallen lassen. Denn in ihrem Koalitionsvertrag haben SPD und Union festgehalten, dass die Einkommensteuer für niedrige und mittlere Einkommen spätestens ab 2027 sinken soll.
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