• Das Lithium soll per Tiefenbohrung gewonnen werden, wodurch Risiken des klassischen Bergbaus unter Tage vermieden werden könnten.
  • Verlaufen die Erkundungen erfolgreich, kann laut Kummer frühestens ab 2030 mit der Förderung von Lithium begonnen werden.
  • Heimisches Lithium soll helfen, die Versorgung der deutschen Industrie auch in Krisenzeiten zu sichern.

Dass im Untergrund des alten Bergbaulandes Thüringen so mancher ungehobene Schatz schlummert, daran besteht kein Zweifel: Kupfer, Zink, Mangan – und vor allem das begehrte Lithium. Doch reichen die Vorkommen aus, um spürbar zur Rohstoffsicherheit beizutragen?

Thüringens Umweltminister Tilo Kummer (BSW) hält das durchaus für möglich: "Wenn beim Lithium nennenswerte Konzentrationen im Tiefenwasser vorliegen, könnte das für die deutsche Lithium-Batterie-Produktion schon wirklich eine beachtliche Größe sein. Sodass man dann also einen nennenswerten Teil des Lithiums aus eigenen Quellen decken könnte."

Um das tatsächliche Potenzial der Thüringer Bodenschätze beziffern können, führt die Esso Deutschland GmbH auf einer mehr als 4.000 Quadratkilometer großen Fläche Erkundungen durch.

Lithiumförderung verhältnismäßig umweltschonend

Die Landesregierung hat dem Unternehmen auch deshalb die nötige bergrechtliche Erlaubnis erteilt, weil das angedachte Förderverfahren – der so genannte Bohrloch-Bergbau – verhältnismäßig umweltschonend ist. "Das Schöne bei der ganzen Geschichte ist", erklärt Kummer, "dass die Aufsuchung nicht mit einem untertägigen Bergbau verbunden wäre. Sondern man bringt eine Tiefenbohrung aus, fördert also dieses Tiefenwasser hoch, nimmt das Lithium raus und bringt es wieder herunter."

Deshalb seien auch die üblichen Gefahren, die mit dem Bergbau verbunden sind, nicht unbedingt zu erwarten. "Das ist ein Punkt, wo eben auch die Bevölkerung bei uns sehr kritisch drauf guckt. Gerade auch vor dem Hintergrund der negativen Erfahrungen, die man in der Vergangenheit mit Gebirgsschlägen und ähnlichem gemacht hat."

Von der Altlastensanierung ganz zu schweigen: Zehn Millionen Euro zahlt der Freistaat jährlich allein für die Beseitigung der Hinterlassenschaften des Kali-Bergbaus.

Lithium aus Thüringen wohl frühestens ab 2030

Professor Martin Bertau von der TU Bergakademie Freiberg in Sachsen hält heimischen Lithium-Abbau allemal für lohnend. "Wenn wir sagen, wir machen unser Lithium jetzt selbst, ist das natürlich am Anfang ein bisschen kostenintensiver." Aber jeder habe das Recht, seine Lernkurven zu machen. "Und wenn wir dadurch die Abhängigkeit von Importen nicht mehr haben, weil wir ja einen heimischen Rohstoff nutzen, was haben wir damit erreicht? Wir reduzieren weltweite Transportwege und wir zertrümmern förmlich die CO2-Rucksäcke, die dieses Lithium ja bisher mit sich bringt."

Wenn Essos Erkundungstour in Thüringen voraussichtlich im Oktober 2030 vielversprechend endet, dann dürften rasch erste Probebohrungen folgen, mutmaßt Umweltminister Kummer. "Dass man vor 2030 mit einem Bergbau beginnen wird, ist unwahrscheinlich. Aber wenn man fündig wird, kann es durchaus sein, dass es dann relativ schnell geht. Für mich ist dann auch die spannende Frage: Gibt es ein Unternehmen, dass das machen möchte, wenn die Kenntnisse da sind? Denn die Frage der wirtschaftlichen Betrachtung ist eben doch eine ganz zentrale."

Kummer: Lithium bleibt trotz Forschung an Alternativen wichtig

Zumal längst an Alternativen zu Lithium geforscht wird. China etwa ist dabei, Elektrofahrzeuge mit Natrium-Batterien zu entwickeln. "Ich finde es trotzdem erstmal wichtig, zu sagen: 'Wir haben eine Option im eigenen Land, was die Verfügbarkeit von Lithium angeht.' Und damit können wir voraussichtlich zur Not auch die Versorgung unserer Industrie gewährleisten, wenn sich die geostrategischen Probleme noch weiter zuspitzen", so Umweltminister Kummer.

Zeitlich ist Kummers Haus übrigens voll im Einklang mit der Europäischen Union: Die hat das Ziel ausgegeben, bei kritischen Rohstoffen bis 2030 mindestens zehn Prozent ihres Bedarfs in Europa zu fördern – möglichweise auch in Thüringen.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke