Experten mahnen: FSME-Risikokarte sagt wenig aus
- Halle und Nordsachsen sind neue FSME-Risikogebiete in Deutschland.
- Kritik von Forschern und Ärzten: Risiko-Karte ist nicht differenziert genug.
- Zahl der FSME-Erkrankungen steigt bundesweit.
Das Robert Koch-Institut hat in der vergangenen Woche seine offizielle Landkarte für das Zecken-Risiko aktualisiert. Nun zählt mehr als halb Mitteldeutschland zu den Gebieten, in denen vor FSME gewarnt wird – also vor einer sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (Gehirnentzündung).
Halle und Nordsachsen sind jetzt auch FSME-Risikogebiete
Wenn Sie in Halle an der Saale entlang spazieren, dann sind Sie neuerdings in einem Risikogebiet unterwegs. Das RKI warnt vor Zecken, die den FSME- Erreger in sich tragen. Halle ist daher auf der neuen FSME-Risikokarte blau eingefärbt, erklärt die Zeckenexpertin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim. Dort seien FSME-positive Zecken nachgewiesen worden. Das sei vorhersehbar gewesen.
Für besonders aussagekräftig hält Mackenstedt die neue Einordnung von Halle und auch von Nordsachsen als FSME-Risikogebiet nicht. An der Saale weiter südlich sei die Karte weiß. Laut RKI wäre man also etwa im Raum Weißenfels sicher unterwegs.
Andererseits gilt das Erzgebirge als Risikogebiet, der Thüringer Wald bei Eisenach hingegen nicht. Aus Sicht der Wissenschaftlerin ist das zu beliebig. Die Karte bilde die Risiken nicht ausreichend ab. Etwa 80 Prozent aller FSME-Fälle werden laut Mackenstedt in Baden-Württemberg und Bayern registriert, die anderen 20 Prozent außerhalb. Viele Menschen glaubten, in Norddeutschland gebe es keine FSME – und das stimme de facto nicht.
Zunehmend werden auch FSME-Fälle in Mittel- und Norddeutschland registriert. Und zwar überall. Und das sagt eben diese Robert Koch-Karte nicht.
Kritik: Die RKI-Karte ist nicht differenziert genug
Die RKI-Karte zeigt, wie viele Fälle von FSME es in einer bestimmten Region gegeben hat. Wird wiederholt ein Fall pro 100.000 Einwohner gezählt, wird auf der Karte ein weißer Fleck blau. Zwischentöne mit hell- und dunkelblau gibt es nicht.
Das führe dazu, dass sich Menschen in weißen Gebieten in falscher Sicherheit wiegen, kritisieren Zeckenexperten seit Jahren. Dr. Thomas Lipp vom sächsischen Hartmannbund gibt offen zu: In der Praxis nutzten er und viele andere Ärzte die Karte nicht. Fakt sei: FSME breite sich immer stärker aus.
Kein Arzt guckt auf eine Karte – Risikogebiet oder nicht. Denn die Leute sind so hoch mobil, dass die Karte irrelevant ist.
FSME-Erkrankungen auf neuem Höchststand
Letztes Jahr wurden bundesweit knapp 700 FSME-Erkrankungen gemeldet – einer der höchsten Werte, seit die Daten erfasst werden. Es ist eine potenziell tödliche Krankheit. Symptome sind Kopfschmerzen, Fieber, Schlappheit.
Betroffene und auch Ärzte könnten FSME schnell mit einer Grippe verwechseln, das ist das Tückische. Das Robert Koch-Institut will mit seiner Risikokarte daher zwei Ziele erreichen: Die Bevölkerung in den blauen Gebieten warnen und ausdrücklich auch zum Impfen aufrufen und zweitens Ärzte sensibilisieren.
Forscher wie Ute Mackenstedt fordern, die Karte zu verbessern. Man sei schon öfter an das RKI herangetreten und habe darauf hingewiesen, dass diese oft irrtümlich interpretiert werde – doch bislang ohne Erfolg.
Zecken gebe es überall in Deutschland, mahnt Mackenstedt. Bei den regelmäßigen Tests werde FSME auch in Regionen festgestellt, die auf der Karte weiß seien. Sie rät, wer viel draußen ist, sollte den Impfpass prüfen. Denn eines zeige die Statistik des RKI auch: Diejenigen, die nach einem Zeckenstich schwer erkrankten, waren bisher fast immer unzureichend geimpft.
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