Fälscherwerkstatt vor 5 Jahren in Magdeburg ausgehoben
Inhalt des Artikels:
- Rund 600 Urkundenfälschungen und fast vier Jahre Haft
- MDR-Doku zeigt Fälscherwerkstatt aus Magdeburg
- Ermittler berichtet über Zugriff durch Elite-Truppe GSG 9
Rund 600 Urkundenfälschungen und fast vier Jahre Haft
Ins Darknet, dem geheimen Teil des Internets, gelangt man nur mit spezieller Software. Dass dort im Verborgenen agiert werden kann, nutzen auch Kriminelle für illegale Geschäfte. Zwei Männer aus Magdeburg hatten so jahrelang mit gefälschten Dokumenten handeln können. In ihrem Shop unter dem Namen "Fake-ID Dobby" hatten sie seit Ende 2017 unter anderem gefälschte Personalausweise verkauft, mit denen wiederum Straftaten begangen werden konnten. Zu haben waren dabei: vorläufige deutsche Personalausweise, aber auch italienische, österreichische und tschechische Dokumente. Auch Privatrezepte für verschreibungspflichtige Medikamente nach Wunsch waren im Angebot.
Die Fälscherwerkstatt in Magdeburg wurde Anfang 2021 ausgehoben. Ermittlungen ergaben: Das Kundenspektrum reichte von der türkischen Call-Center-Mafia bis hin zu einem gesuchten Mörder. Das Landgericht Magdeburg verurteilte die beiden Männer für fast 600 Urkundenfälschungen zu jeweils fast vier Jahren Haft.
MDR-Doku zeigt Fälscherwerkstatt aus Magdeburg
Die MDR-Dokumentation "Kripo live - Tätern auf der Spur: Falsche Papiere, echte Versprechen" gibt Einblicke, wie es der Polizei gelang, der Fälscherwerkstatt auf die Spur zu kommen. Zunächst war eine Internetstreife der Bundespolizei im Darknet auf Fake-ID Dobby und sein "Warenangebot" gestoßen, berichtet ein Fahnder in der Dokumentation. "Auf dem virtuellen Wege wurde Kontakt zu Fake-ID Dobby aufgenommen. Es wurde also Interesse vorgetäuscht, dass wir ein Dokument ankaufen wollen", erklärt der Kriminalist das Vorgehen. Schließlich sei das Geschäft abgeschlossen worden, um so herauszufinden, wo die Dokumente per Post abgeschickt wurden. Der frankierte Briefstempel wurde so zur heißen Spur. "Und das war im Postleitzahlbereich 39, in der Nähe von Magdeburg", so der Ermittler.
Die Kriminalisten hatten gefälschte Ausweise und Rezepte bestellt. Wie die Ermittlungsarbeit ergab, waren Rezepte als echte Blankodokumente auch über Versandhändler wie zum Beispiel Amazon erhältlich. "Lediglich die Eintragung des Rezeptes und der Stempel des Arztes waren gefälscht", erklärt der Ermittler in "Kripo live - Tätern auf der Spur: Falsche Papiere, echte Versprechen". Über Amazon erfuhren die Ermittler, dass ein Magdeburger 2018 mehrere Hunderte Rezepte dort bestellt hatte. Und das war nicht alles, wie ein Blick ins Kundenkonto zeigte. "Wir konnten ersehen, dass er Chemikalien bestellt hat, verschiedenste Drucker, Gerätschaften, die für die Herstellung der Ausweisdokumente dienten", so der Ermittler gegenüber dem MDR.
Ermittler berichtet über Zugriff durch Elite-Truppe GSG 9
Was auch herauskam: Neben der Bestelladresse, die bei Amazon verzeichnet war, gab es eine abweichende Lieferadresse. "Die Lieferadresse befand sich in einem Gewerbegebiet, ansässig in Magdeburg", so der Ermittler. Dort entdeckte die Polizei ein Büro, dass der Verdächtige angemietet hatte. Durch eine darauffolgende Observation des Gebäudes rückte noch eine zweite Person in den Fokus, die dort ein- und ausgegangen war. Weitere Testkäufe wurden initiiert, um auch weiter Spuren zu sammeln und zu erhärten, dass es sich nicht nur um Verdachtsmomente handelt. Und das gelang, wie auch in der MDR-Dokumentation zu sehen ist - so dass der Zugriff gestartet wurde mithilfe der Elite-Truppe GSG 9.
Die Fälscher sollten möglichst auzf frischer Tat gestellt werden. Durch ein Ablenkungsmanöver mit Geräuschen vor dem Gebäude sei das auch gelungen. Einer der beiden Männer sei am geöffneten Rechner durch die GSG 9 überrascht worden. "Sodass er keine Möglichkeit mehr hatte, an den Rechner zu kommen oder irgendeinen Stecker von dem Rechner zu ziehen", erinnert sich ein Ermittler in der MDR-Doku. Doch ein Teil der Daten auf der Festplatte sei durch ein Passwort geschützt gewesen. "Da haben wir leider keine Handhabe, das von ihm vergebende Passwort errechnen zu lassen", so der Ermittler. Aber Beweise gab es genug, die für die Verurteilung der beiden Fälscher aus Magdeburg ausreichten.
MDR (cbr)
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