Arzneimittelverbände warnen vor drohenden Engpässen bei Medikamenten
- Deutschland importiert einen Großteil der hier benötigten Arzneimittel und ist deshalb auf funktionierende Handelsrouten angewiesen.
- Besonders kritisch ist die Versorgungslage bei Antibiotika.
- Arzneimittelverbände befürchten mittelfristig Lieferengpässe und fordern mehr Unabhängigkeit bei der Produktion von Medikamenten.
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) warnt angesichts des Krieges im Nahen Osten davor, dass Medikamente knapp werden könnten. Die Seehandelsroute zwischen Asien und Europa wird von den Reedereien derzeit als hochriskant eingestuft und von einigen Gesellschaften bereits nicht mehr befahren.
Das sorgt zum einen dafür, dass weniger Medikamente bei uns in Deutschland ankommen. Zum anderen gelangen wichtige Rohstoffe zur Herstellung von Arzneimitteln nicht nach China.
Großteil der Arzneimittel kommen aus China oder Indien
Sebastian Schütze, Geschäftsführer Politik des BPI, erklärt: "Ein Großteil unserer Arzneimittel wird nicht mehr in Deutschland und Europa produziert, sondern zu zwei Dritteln in Asien – hauptsächlich in China und auch Indien." Dadurch entstünden extreme Abhängigkeiten von funktionierenden Handelsrouten. "Das ist tatsächlich das Problem, weil der ganze industrielle Produktionsmodus dadurch aus dem Gleichgewicht gerät."
Laut Schütze werden die Folgen wohl nicht in Tagen oder Wochen spürbar sein, aber definitiv in ein paar Monaten. "Also Alarmismus ist derzeit noch fehl am Platz, aber bei uns schrillen durchaus alle Alarmglocken, weil die Arzneimittelversorgung auf mittlere Sicht beeinträchtigt werden könnte." Gerade Deutschland und Europa seien auf solche Krisen nicht ausreichend vorbereitet, so der Pharma-Bundesverband.
Versorgung mit Antibiotika besonders kritisch
Vor allem bei Antibiotika könnte es zu Engpässen kommen. "Es gibt in Europa im Prinzip nur noch ein Werk", sagt Schütze. Das reiche natürlich bei Weitem nicht, um die Länder in Europa zu versorgen. "Die Antibiotika-Produktion ist quasi komplett nach Fernost abgewandert."
Solche Abhängigkeiten gebe es zwar auch bei etlichen anderen Arzneimitteln, erklärt Schütze. "Aber gerade Antibiotika sind eben extrem versorgungsrelevant und jede internationale Krise ist ein weiterer Baustein, der dazu führen kann, dass sich die Versorgung verschlechtert."
Arzneimittelverbände fordern weniger Abhängigkeiten von anderen Ländern
Dramatisieren will Schütze die Lage nicht. Aber er geht davon aus, dass der Konflikt im Nahen Osten über kurz oder lang für Engpässe sorgen kann. "Das kann dazu führen, dass wir bereits in einigen Monaten Auswirkungen spüren werden, also deutlich unter einem Jahr. Davon gehen wir derzeit aus, wenn sich die Lage so instabil weiterentwickelt, wie es im Moment der Fall ist. Die Situation eskaliert ja momentan eher weiter, als dass sie sich beruhigt."
Um die Versorgung mit Medikamenten stabiler zu machen, fordern sowohl der BPI als auch andere Arzneimittelverbände wie Pro Generika die Abhängigkeit von anderen Ländern zu senken.
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