Sechs Euro für drei Fischstäbchen? Warum Schulessen so teuer ist
- Fünf Euro und mehr für ein Essen in der Kita erscheint teuer – doch das Gericht macht nur einen kleinen Teil der Kosten aus.
- Viele kleine Caterer müssen aufgrund des Preisdrucks aufgeben, vor allem im ländlichen Raum.
- Die Betreiber wünschen sich weniger Bürokratie und eine Deckelung der Essenspreise – dafür müsste der Staat eingreifen.
In der Küche von Monk Catering in Chemnitz brutzeln gerade Rinderknochen. Koch Lucien gibt noch eine Schale mit Wurzelgemüse dazu und rührt um. In der großen Kippbratpfanne schmort der Ansatz einer Jus – über die nächsten zwei Tage wird daraus ganz in Ruhe eine Sauce gekocht.
Der Cateringbetreiber kocht pro Tag rund 1.800 Portionen Essen und beliefert damit rund 20 Schulen und Kindergärten in und um Chemnitz. Damit ist der Caterer eher ein kleiner Player in dem Bereich. Weitere Standbeine sind Backstage-Catering bei Festivals, Konzerten und Veranstaltungen. Denn von Schulverpflegung allein könnte sich der Betrieb nicht halten, sagt Mitinhaber Torsten Weiße-Köhler. Zu hoch seien die Kosten für das Drumherum geworden: "Das tatsächliche Essen liegt in der Gemeinschaftsverpflegung zwischen 34 und 38 Prozent, das ist also nur noch ein Teil des Ganzen."
Caterer kämpfen mit hohen Produktionskosten
Catering-Betreiber Torsten Weiße-Köhler versteht, dass viele Eltern mit den Preisen von Essen in Kitas und Schulen unzufrieden sind.Bildrechte: MDR/Theresa WunderlichManche Eltern wüssten gar nicht, was alles hinter einem Essen in der Kita oder Schule stecke, sagt Weiße-Köhler. Der Caterer stattet die Küchen in Schulen und Kitas aus, muss teure Technik und steigende Preise bei Strom und Gas bewältigen und hohe Anforderungen bei Hygiene und Sicherheit beachten. Dazu kommt das Personal in der Großküche, der Auslieferungsfahrer, häufig stellt der Caterer auch das Personal an der Essensausgabe vor Ort. "Das bedeutet natürlich auch Urlaubszeit, Vertretung, Krankheitsfälle und so weiter", listet Torsten Weiße-Köhler auf.
Die Kosten haben sich massiv entkoppelt.
Er versteht, dass viele Eltern über die aktuellen Preise verärgert und teilweise auch abgeschreckt sind. "Du siehst als Elternteil dieses Essen in der Kita, zwei Quarkkeulchen zum Beispiel, oder drei bis vier Fischstäbchen mit ein bisschen Kartoffelbrei, und denkst dir 'Wie kann das jetzt sechs Euro kosten?'" Gerade für Eltern mit mehreren Kindern sei das kaum noch bezahlbar. Doch die Kosten und Bedingungen hätten sich "massiv entkoppelt", sagt der Catering-Betreiber.
So gestalten sich die Preise bei Monk Catering
Monk Catering bietet vier verschiedene Essens-Linien an: Gerichte mit Fleisch und Fisch, vegetarisch-vegan, eine Pastalinie und das Lunchpaket. Die Preise sind gestaffelt, das teuerste Gericht kostet aktuell 4,99 Euro. Alle anderen Gerichte sind etwas günstiger. Die Preise basieren auf einer Mischkalkulation, erklärt Torsten Weiße-Köhler: Das große Hauptgericht mit Fleisch oder Fisch wird von knapp fünf Euro gar nicht gedeckt, dafür ist der Milchreis deutlich günstiger. Der Tipp des Caterers: Eltern sollten nicht auf die Auswahl an einzelnen Tagen achten, sondern den Speiseplan über mehrere Wochen beobachten. "Kann ich zum Beispiel jetzt im Monat einmal Grillwürstchen mit Letscho, einmal Grießbrei, dann wieder Schnitzel auswählen?". Ist die Auswahl ausgeglichen, kommt es auch mit den Preisen hin.
So entsteht ein Speiseplan
Der Speiseplan in einer Schule oder Kita ist zum Teil abhängig von der kommunalen Ausschreibung – also an welchen Vorgaben sich ein Caterer laut Stadt oder Gemeinde orientieren soll. Meist richten sich diese nach den Normen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Der Caterer muss das dann in Einklang bringen, sagt Torsten Weiße-Köhler: "Was läuft gut, was essen die Kinder, und was sagt die DGE? Du kannst zum Beispiel auf so etwas wie Nudeln mit Wurstgulasch nicht verzichten – das merkst du auch an den Zahlen, die Nudel wird einfach am meisten bestellt. Dann sagst du als Caterer 'Okay, es gibt auch mal eine Bio-Dinkelnudel'." Am Ende könne man es in der Gemeinschaftsverpflegung nie allen recht machen, sagt Weiße-Köhler. Sein Job ist es, sagt er, bei allen Forderungen den Mittelweg zu finden.
Welche Unterstützung gibt es bei der Kita- und Schulverpflegung?
So wie sich die Essensausschreibungen je nach Gemeinde und Stadt unterscheiden, schwanken auch die Unterstützungsangebote. Manche Kommunen haben bereits Preisdeckel oder Zuschüsse zu den Mahlzeiten, andere stellen kostenlose Infrastruktur zur Verfügung. Manche Kommunen bieten jedoch auch nichts davon an. Alternativ können Leistungen für Bildung und Teilhabe beantragt werden – Torsten Weiße-Köhler sagt jedoch aus Erfahrung, dass viele Familien frustriert sind, wenn sie knapp über der Einkommensgrenze liegen und somit trotzdem mit den hohen Preisen allein klarkommen müssen.
Schulverpflegung lohnt sich nicht mehr – Caterer geben auf
Durch die Corona-Pandemie und den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sind die Lebensmittelpreise stark gestiegen. Auch an Monk Catering ist das nicht spurlos vorbeigegangen: 2018 lag das teuerste Essen brutto bei 3,60 Euro. Zum Jahresende 2025 waren es 5,35 Euro. Viele Caterer stünden an dem Punkt, sehr knapp kalkulieren zu müssen. Für Rücklagen oder Investitionen bleibe kaum etwas übrig.
Viele kleinere Betriebe haben angesichts dessen aufgegeben, insbesondere im ländlichen Raum, berichtet Ralf Blauert, Vorsitzender des Verbands Deutscher Schul- und Kita-Katerer. "Die Begleitkosten für so einen Betrieb sind so hoch geworden, genauso wie Anforderungen an Schulessen, dass viele Betriebe diesen Bereich komplett abstoßen."
Die Senkung der Mehrwertsteuer zum Jahresanfang sei erstmal ein Schritt in die richtige Richtung, sagt Blauert. "Die Erwartungen sollten allerdings nicht so hoch sein, weil wir gleichzeitig auch eine Erhöhung des Mindestlohns hatten. Von daher wird man noch abwarten müssen, wie sich die Mehrwertsteuersenkung tatsächlich in den Betrieben auswirkt." Bei einer Befragung unter den Mitgliedern des Caterer-Verbandes gaben 98 Prozent an, dass sie 2025 mit steigenden Ausgaben zu kämpfen hatten. 63 Prozent sagten zudem, dass sie deshalb ihre Preise erhöhen mussten. Ein Großteil wolle das auch dieses Jahr wieder tun.
Studie belegt: Schulessen hat Einfluss auf Lebenschancen
Wer gute Bildung wolle, müsse sich mehr mit dem Thema Essen beschäftigen, sagt Catering-Betreiber Torsten Weiße-Köhler. So zeigt eine Langzeitstudie aus Schweden, dass eine dauerhafte Schulverpflegung sichtbare Auswirkungen auf Schulabschlüsse und Einkommen im späteren Leben haben kann. "Natürlich logisch", sagt Torsten Weiße-Köhler, "Wo soll denn die Energie für Mathe herkommen, wenn du nichts im Bauch hast?".
Der Catering-Betreiber ist immer wieder in den Schulen vor Ort und sieht, welchen Einfluss es hat, ob Kinder ein ordentliches Mittagessen bekommen haben. Wenn die Preise beim Mittagessen steigen, weil etwa der Mindestlohn erhöht wurde, bemerkt Torsten Weiße-Köhler eine Parallelentwicklung bei den Essensanmeldungen: "Da hast du immer ein oder zwei Monate, wo die Essenszahlen zurückgehen und wo auch mehr Kinder zum Beispiel mit Brotdosen kommen." Manche Eltern meldeten ihre Kinder nach einiger Zeit wieder an – wenn die Stulle eben auch nicht gegessen wird. Aber die, die es sich nicht mehr leisten können, würden dauerhaft wegbleiben, resümiert Weiße-Köhler. Zum Jahresanfang hat Monk Catering die Senkung der Mehrwertsteuer weitergegeben – um ein Zeichen zu setzen, sagt Weiße-Köhler. Das Essen ist also wieder etwas günstiger geworden.
Weniger Bürokratie und Zuschüsse vom Land
Torsten Weiße-Köhler wünscht sich vor allem weniger Bürokratie. Sein bestes Beispiel: Einmal im Jahr muss er alle Leitern überprüfen, die Sprossen zählen und mögliche Defekte dokumentieren. "Ich habe 18 oder 19 Listen zu führen, nur um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Das ist wirklich Wahnsinn." Sein zweiter Wunsch: Dass Caterer und Eltern das Thema Essen nicht mehr unter sich ausmachen müssen – sprich: dass der Staat eingreift. Weiße-Köhler hält eine Grenze von etwa 3,50 Euro für realistisch. "Das ist ein Preis, den Eltern zahlen wollen und auch zahlen können."
Damit lassen wir am Ende die Kinder allein.
Für eine solche Deckelung der Essenspreise spricht sich auch der Landeselternrat Sachsen aus. Gerade im Grundschulbereich sollte die Verpflegung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe betrachtet werden, sagt Ronald Lindecke, der Vorsitzende der Elternvertretung: "Hier könnte man sagen, der Freistaat gibt etwas dazu, dass wir zumindest für die Klassenstufen eins bis vier eine vernünftige Essensorganisation hinbekommen."
An dem Punkt sind sich Caterer und Eltern einig: Niemand sollte mit den Kosten allein gelassen werden. "Damit lassen wir am Ende die Kinder allein und schließen sie einfach aus, nur weil die Eltern sich das nicht leisten können", sagt Torsten Weiße-Köhler.
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