Wie sinnvoll ist Agri-PV? Im Gegensatz zu gewöhnlichen Freiflächen-Solarparks werden bei diesem Ansatz Landwirtschaft und Stromerzeugung kombiniert. Solaranlagen werden entweder wie ein Dach über den Feldern aufgespannt, während darunter Gemüse angebaut werden kann. Oder sie werden wie Trennwände zwischen die Anbaureihen gestellt. In beiden Fällen bleibt die Anbaufläche erhalten, während gleichzeitig Sonnenstrom erzeugt wird. Allerdings sind die Kosten dieser Anlagen sehr hoch, kritisiert eine im Februar erschienene Studie des staatlichen Thünen-Instituts.

Studie zeigt hohe Kosten: Agri‑PV‑Anlagen oft deutlich teurer als klassische Solarparks

Das Team um Jonas Böhm hatte verschiedene Agri-PV-Projekte untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Kosten der aufwendigen Konstruktionen pro Hektar je nach Bauweise zwischen 8.000 Euro und 75.000 Euro pro Jahr betragen können. Der landwirtschaftliche Anbau erziele im Durchschnitt aber lediglich Einnahmen von 367 Euro pro Jahr. Auch sei die Stromerzeugung zwischen vier und 148 Prozent teurer als bei gewöhnlichen Freiland-Solarparks, rechnen Böhm und seine Kollegen vor.

Forschende widersprechen: Positive Klimaeffekte und Trockenheitsschutz bleiben unberücksichtigt

An der Studie üben nun zwei andere Forschungsgruppen Kritik. Die Agrarökonomin Sonoko Bellingrath-Kimura vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung (ZALF) schreibt mit Kolleginnen und Kollegen in einer Stellungnahme, dass die rein finanzielle Betrachtung die positiven Nebeneffekte außer Acht lasse: "Geht man von einer künftig weiter steigenden Wahrscheinlichkeit für Frühjahrstrockenheit aus, gewinnt die mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesene Reduzierung der Verdunstung infolge der Beschattung durch PV-Module an Bedeutung." Das könne besonders an Standorten mit hervorragenden Böden, aber hoher Trockenheit wichtig sein, etwa in der Magdeburger Börde oder im sogenannten Regenschatten des Harzes.

Kritik an Kostenannahmen: Jülicher Team betont Preisrückgänge und fehlende Projektbeispiele

Auch Chantal Kierdorf vom Forschungszentrum Jülich beschäftigt sich intensiv mit Agri-PV und kritisiert an der Thünen-Studie, dass sie nicht die Wirtschaftlichkeit konkreter Projekte unter die Lupe nehme. "Sie stellt Agri-PV der Freiflächen-PV auf Basis bestimmter Annahmen und zu Kostenannahmen aus dem Jahr 2023 gegenüber. Bereits heute, drei Jahre später, kann man von Kostenreduktionen aufgrund von gesunkenen Preisen ausgehen, die dieses Bild verändern."

Mehr Zustimmung in der Bevölkerung: Agri‑PV wird deutlich besser akzeptiert als Freiflächen‑Solarparks

Hinzu komme, dass Agri-PV auf eine deutlich höhere Zustimmung der Öffentlichkeit stoße. Während gewöhnliche Solarparks bei einer repräsentativen Studie nur von 29 Prozent der Befragten begrüßt wurden, waren es bei Agri-PV-Anlagen 44 Prozent.

Die Thünen-Forscher wiederum kritisieren nicht den Ansatz als solchen. Sie wiederum stellen vor allem die bisherige finanzielle Förderung der Anlagen infrage.

Links/Studien

  • Böhm, Jonas et al.(2026): Preserving agricultural land with agrivoltaic – But at what cost? An economic analysis of different agrivoltaic systems in Germany, Land Use Policy
  • Zoll, Felix et al:(2026): Ein Beitrag zur aktuellen Diskussion zur Wirtschaftlichkeit von Agri-Photovoltaik, ZALF
  • Forschungszentrum Jülich: Agri-PV: Mehr als nur Strom vom Acker, Interview

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