• Im Delitzscher Ortsteil Storkwitz wurden schon zu DDR-Zeiten Seltene Erden entdeckt – die damals längst nicht so wichtig waren wie heute.
  • Die Fachwelt blickt skeptisch auf Storkwitz: Der Gehalt an seltenen Erden ist eher gering, außerdem wäre der Abbau sehr aufwändig.
  • Trotzdem könnte Storkwitz vor dem Hintergrund der Abhängigkeit zu China noch wichtig werden.

Der Delitzscher Oberbürgermeister Manfred Wilde breitet einen Stadtplan auf seinem Rathaus-Schreibtisch aus und deutet auf den Ortsteil Storkwitz, wo das einzige Vorkommen an Seltenen Erden in ganz Mitteleuropa schlummert: "Hier, ziemlich an der Gemarkungsgrenze. Wo sich dann weiter nach Westen anschließend die Gemeinde Wiedemar erstreckt. Und es ist quasi der kleinste Ortsteil von Delitzsch, der 1996 gemeinsam mit Schenkenberg in die Stadt eingemeindet wurde."

Storkwitz: Seltene Erden schon zu DDR-Zeiten entdeckt

Schon zu DDR-Zeiten ist die Storkwitzer Lagerstätte im Rahmen einer flächendeckenden geologischen Untersuchung entdeckt worden. Lange bevor erkannt wurde, welche Bedeutung jene 17 Metalle, die unter den Sammelbegriff "Seltene Erden" fallen, bald für den Bau von Elektro-Autos, Smartphones oder Windkraftanlagen haben würden.

2011 erinnerte sich die Fachwelt dann geradezu euphorisch an das nordsächsische Vorkommen, es folgten weitere Erkundungsbohrungen. Weil es aber unwirtschaftlich erschienen sei, wie Oberbürgermeister Wilde berichtet, da der Markt zwischen 2013 und 2015 mit chinesischen Seltenen Erden überschwemmt worden sei, seien weitere Erkundungsarbeiten in noch größerer Tiefe abgebrochen worden.

Fachwelt skeptisch: Gehalt im Erz eher gering

Und jetzt, wo Deutschland über 65 Prozent seiner Seltenen Erden direkt aus China bezieht und die EU auf mehr Unabhängigkeit drängt: Bahnt sich da ein dritter Anlauf an? Oberbürgermeister Wilde ist skeptisch: "Aus städtischer Perspektive betrachte ich das mal eher noch so ein bisschen als Orchideenblüte! Es macht die Stadt bekannt, es ist ein interessanter Blick auch auf die sächsische Bergbaugeschichte zum einen, aber ich würde es mal nicht von der Hand weisen, dass es in der Zukunft durchaus neue Perspektiven darauf gibt!"

Die Fachwelt blickt mit gemischten Gefühlen auf Storkwitz. Nachgefragt bei einem, der es genauer weiß – bei Martin Bertau. Er ist Professor an Deutschlands ältester Montan-Universität, der sächsischen TU Bergakademie Freiberg. Die Probebohrungen hatten ergeben, dass der Gehalt an Seltenen Erden im Storkwitzer Erz eher gering sei.

Seltene Erden mit nasser Kohle bedeckt

Bertau weist zudem auf die anspruchsvollen Förderbedingungen hin: "Das ist so eine Sache. Die Seltenen Erden in Storkwitz sind ein grundsätzlich interessantes Vorkommen. Das Problem, das wir hier haben, ist ganz einfach, dass da noch eine Kohleschicht drüber liegt. Diese Kohleschicht ist dummerweise auch noch patschnass!"

Also müsse man den Schacht irgendwie stützen, erklärt Bertau: "Das macht man bergbautechnisch so, dass man das erst mal einfriert. Ich brauche also unglaubliche Mengen an flüssigem Stickstoff, um den Schacht zu stabilisieren."

Politische Vorgaben: Lagerstätte könnte noch wichtig werden

Und das ist ebenso aufwendig wie teuer. Die Europäische Union hat aber das Ziel vorgegeben, bis 2030 mindestens zehn Prozent des EU-Bedarfes an Seltenen Erden aus heimischer Produktion zu decken. Ähnlich ist auch die Zielvorgabe in der sächsischen Rohstoffstrategie. Gut möglich, dass politischer Druck und innovative Fördertechnologie die Storkwitzer Lagerstätte eines Tages wieder interessant erscheinen lassen.

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