• Luisa Neubauer sagt, dass Themen wie Klima, Planet und Umwelt noch nicht ausreichend in der Literatur aufgegriffen werden.
  • Sie findet, die Klimabuchmesse verschafft dem Thema mehr Aufmerksamkeit.
  • In der Literatur sieht sie ein hohes Potenzial, das Thema Klima breiter zu streuen.

MDR KULTUR: Luisa Neubauer, warum braucht es aus Ihrer Sicht eine Klimabuchmesse?

Neubauer: Weil der Literaturbetrieb in Sachen Klima, Umwelt, Planet und in Sachen, wer sind wir auf dieser Erde, bisher noch nicht gezeigt hat, dass man im 21. Jahrhundert und vor allem auf diesem Planeten angekommen ist. Deswegen ist es so toll, eine Buchmesse zu haben, die genau das in den Fokus nimmt und sagt, genau da fangen wir an.

2025 hat Luisa Neubauer ihr Buch "Was wäre, wenn wir mutig sind?" vorgelegt.Bildrechte: IMAGO/Panama Pictures

MDR KULTUR: Das ist ein ziemlich hartes Urteil. Ich glaube, es gibt viele Publikationen zum Thema Klima.

Neubauer: Natürlich, es gibt wahnsinnig tolle Publikationen. Und gleichzeitig merkt man, dass in den Programmen, in den Besprechungen, aber auch dort, wo, sagen wir, groß investiert wird, wo viel besprochen wird: Da ist Klima immer noch unterrepräsentiert. Und vor allem gibt es bis heute noch viel zu wenig Schnittmengen. Das heißt: viel zu wenig Literatur, die in einer Selbstverständlichkeit sagt: natürlich nehmen wir wahr, dass wir auf einer Erde leben und das macht etwas mit uns.

Eine Klimabuchmesse ist vor allem auch das Feiern und Zelebrieren von der Literatur, die es gibt und die uns ermutigt.

Luisa NeubauerSchirmherrin der Klimabuchmesse 2026

Und gleichzeitig gibt es so viele Entdeckungen, die wir gerade machen. Zum Beispiel, wie Kinderliteratur anders aussehen kann. Wie auch Klima mit anderen Themen der Welt, mit Liebe, mit Sehnsucht, mit Hoffnung verbunden werden kann – all das geht. Und das heißt, eine Klimabuchmesse ist in meinen Augen nicht nur ein Urteil über den Literaturbetrieb an sich, sondern vor allem auch das Feiern und das Zelebrieren von der Literatur, die es gibt und die uns ermutigt.

MDR KULTUR: Ist es aus Ihrer Sicht gut, dass die Klimabuchmesse separat läuft oder wäre es wünschenswerter, sie wäre Bestandteil der Leipziger Buchmesse?

Neubauer: In einer idealen Welt wäre das keine Frage mehr, ob das Klima Teil vom Allem ist oder nicht. Aber in der leben wir nicht. Und bis heute merken wir auch in der medialen Berichterstattung, in der Politik, dass das, was uns existenziell am Leben hält, was wir in jedem einzelnen Atemzug in uns aufnehmen, gerne mal rausgestrichen wird, gekürzt wird.

Es ist eben keine Selbstverständlichkeit, dass zum Beispiel auf einer Buchmesse Klima auf den großen Bühnen präsentiert wird. Das heißt, solange wir nicht in dieser idealen Welt leben, ist es umso schöner zu sehen, dass es die Klimabuchmesse gibt.

Seit 2019 ist Luisa Neubauer als Klimaaktivistin in Deutschland aktiv.Bildrechte: IMAGO / Fotothek

MDR KULTUR: Frau Neubauer, Sie sind auch Publizistin und haben zuletzt Ihr Buch "Was wäre, wenn wir mutig sind?" vorgelegt. Wie wirkmächtig ist Literatur aus Ihrer Sicht?

Neubauer: Ich glaube nicht, dass ich einen Menschen kenne, der nicht dieses eine Buch hat, was etwas in ihm ausgelöst hat. Diese eine Kindergeschichte, die man früher gelesen hat vor dem Einschlafen oder diese Neuentdeckung, von der man dachte, das macht was mit mir, das berührt mich.

Literatur ist überall, wo wir sind und das prägt, wie wir die Welt sehen und verstehen.

Luisa NeubauerSchirmherrin der Klimabuchmesse 2026

Literatur ist überall, wo wir sind und das prägt, wie wir die Welt sehen und verstehen. Das ist, glaube ich, ein Potenzial, bei dem wir gerade erst anfangen zu sehen, was das in Sachen Klima heißen kann. Und da schaue ich besonders hoffnungsvoll auf die Orte, wo es vielleicht nicht ausschließlich die Fachliteratur ist, sondern wo die großen Geschichten erzählt werden.

Quelle: MDR KULTUR (Thomas Bille im Gespräch mit Luisa Neubauer), redaktionelle Bearbeitung: gw

Anmerkung: Das Interview wurde von der Redaktion leicht gekürzt und zum besseren Verständnis sprachlich angepasst.

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