Biber sind zurück in unseren Gefilden. Nachdem der Nager einst in Mitteldeutschland fast ausgerottet war, ist er inzwischen zurückgekehrt. Und sorgt für Diskussionen. In Sachsen etwa wollte das Land Tiere umsiedeln, im Notfall abschießen lassen. Ein Gericht kippte den Vorstoß. Kritik gibt es auch in Thüringen, in Sachsen-Anhalt zerstörten Menschen einen Damm, klagten Bauern über zu nasse Felder.

Bibergebiete speichern zehnmal so viel Kohlenstoff wie vergleichbare Areale

Dabei hilft der Biber, in Trockenzeiten Wasser zu speichern. Auch steigert er die Biodiversität. Und das größte Nagetier Europas könnte auch im Kampf gegen den Klimawandel helfen, so eine neue internationale Studie. Der zufolge könnten Biber Flussbetten in vielversprechende Kohlendioxidsenken verwandeln, also das Treibhausgas binden.

Forschende aus Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz und weitere Partner untersuchten einen Flusslauf in der Nordschweiz bei Marthalen im Kanton Zürich, der seit Jahrzehnten von Bibern bewohnt wird. Sie berechneten dabei die Menge an CO₂, die durch die Bauarbeiten der Tiere in Feuchtgebieten freigesetzt beziehungsweise gebunden wird. Die Ergebnisse der Forscher zeigen, dass diese von Bibern geschaffenen nassen Areale Kohlenstoff bis zu zehnmal schneller speichern können als vergleichbare Systeme ohne Biberaktivität. 

Innerhalb von einem Jahrzehnt langfristig Kohlenstoffsenke geschaffen

Die Wissenschaftler hätten mit verschiedenen Methoden die umfassendste Kohlenstoffbilanz erstellt, die es jemals für eine Biberlandschaft in Europa gegeben hätte. Dabei kombinierte das Team hydrologische Daten, chemische Analysen, Sedimentproben, Treibhausgasüberwachung und Langzeitmodellierung. Das von den Nagern geschaffene Feuchtgebiet speichere jährlich zwischen 65 und 132 Tonnen Kohlenstoff pro Jahr. Das entspricht im Höchstfall etwa dem, was 22 bis 44 durchschnittliche Deutsche pro Jahr verursachen.

"Innerhalb von nur gut einem Jahrzehnt hatte sich das von uns untersuchte System bereits in eine langfristige Kohlenstoffsenke verwandelt, die weit über das hinausging, was wir von einem unbewirtschafteten Bachlauf erwarten würden. Dies unterstreicht das enorme Potenzial von Biber-geführten Renaturierungsmaßnahmen und bietet wertvolle Einblicke in die potenzielle Landnutzungsplanung, Renaturierungsstrategien und Klimapolitik."

"Biber kann wichtige Rolle bei Kohlenstoffbindung spielen"

Grund dafür, dass das Areal als Kohlenstoffsenke fungiere, sei, dass sich Sedimente ablagern und sich Totholz ansammelt. Die Forschenden fanden heraus, dass diese Sedimente bis zu 14-mal mehr anorganischen und achtmal mehr organischen Kohlenstoff enthielten als die umliegenden Waldböden. Annegret Larsen von der niederländischen Universität Wageningen, sagt: "Unsere Forschung zeigt, dass Biber eine wichtige Rolle bei der Kohlenstoffbindung und -adsorption spielen. Indem sie Wasserläufe umgestalten und artenreiche Feuchtgebiete schaffen, verändern Biber die Art und Weise, wie Kohlenstoff in Landschaften gespeichert wird."

Hochgerechnet auf alle für die Wiederbesiedlung durch Biber geeigneten Gebiete in der Schweiz schätzen Forscher, dass Biberauen 1,2 bis 1,8 Prozent der jährlichen Kohlenstoffemissionen des Landes kompensieren könnten. Dabei wären sie bezüglich des Speicherpotentials doppelt so effizient wie Wälder. Die Ansiedlung von Bibern würde Klimavorteile ohne aktives menschliches Eingreifen oder finanzielle Kosten bringen, schließen die Forscher.

Link zur Studie

Die Untersuchung "Beavers can convert stream corridors to persistent carbon sinks" ist im Fachjournal "Communication Earth & Environment" erschienen.

(pm/jar)

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