Gesundheitsämter nach Corona: Hat die Pandemie die Digitalisierung vorangebracht?
- 800 Millionen Euro sollten die Gesundheitsämter digital zukunftsfest machen.
- In vielen Ämtern laufen inzwischen große Teile der Prozesse digital.
- Doch bei Software und Vernetzung gibt es weiterhin Unterschiede zwischen den Bundesländern.
800 Millionen Euro haben die deutschen Gesundheitsämter im Jahr 2020 für die Digitalisierung bekommen. Das zeigt offenbar Wirkung: Die Faxgeräte, über die in der Corona-Zeit ein Großteil der Kommunikation mit Kliniken, Laboren und Ärzten lief, spielen in den Ämtern inzwischen nur noch eine Nebenrolle.
Gesundheitsämter gehen digitale Wege
So auch im Landkreis Görlitz, wo Annegret Schynol das Gesundheitsamt leitet: "Labore, Krankenhäuser, etc. schicken das nun alles auf digitalem Wege zu uns." Aber auch analog ist das noch möglich: "Wir haben immer noch die Möglichkeit gelassen, weil immer noch nicht jede Arztpraxis an das digitale System angeschlossen ist."
Vieles von dem, was früher analog lief, sei inzwischen digitalisiert worden, erzählt Schynol – zum Beispiel Belehrungen zum Infektionsschutz für Mitarbeiter in der Gastronomie oder das Ausstellen von Leichenpässen. Auch im Landkreis Nordsachsen wurde viel in die Digitalisierung des Gesundheitsamts investiert. Amtsleiterin Steffi Frisch schätzt, dass etwa 75 Prozent der Prozesse inzwischen digital ablaufen.
Grenzen der Digitalisierung
Sie sieht aber auch Grenzen – etwa bei den Untersuchungen von Kindern vor der Einschulung. "Bei der Schulaufnahmeuntersuchung müssen Kinder malen. Und ein Malen auf dem Papier, mit einem Stift, ist etwas völlig anderes, als wenn Sie das mit dem Tablet machen. Und das soll auch so bleiben, meines Erachtens. Denn ein Kind, ein Erwachsener in der Folge muss mit sowas umgehen können."
Sachsen Gesundheitsämter bekommen neue Software
Damit die sächsischen Gesundheitsämter in Zukunft nach einheitlichen Vorgaben arbeiten und untereinander sowie nach außen besser kommunizieren können, bekommen sie Ende des Monats eine neue einheitliche Software.
Annegret Schynol vom Görlitzer Gesundheitsamt spricht von einem "Riesenschritt" in Richtung Digitalisierung. Der soll auch dafür sorgen, dass die Ämter besser auf Extremfälle wie eine Pandemie eingestellt sind. "Wir haben ja wirklich, als Corona kam, erstmal sehr händisch begonnen, die ganzen Dinge zu sammeln und die Listen zu erstellen, die wir brauchten, um die entsprechenden Kontaktpersonen zu kontaktieren. Das ist jetzt alles mit dieser erhöhten Stufe der Digitalisierung – und vor allem mit dem neuen Fachverfahren – viel unkomplizierter möglich."
Einen ähnlichen Digitalisierungssprung wünscht sich der Landkreis Harz auch für Sachsen-Anhalt. Auf Anfrage von MDR AKTUELL teilte das Gesundheitsamt des Kreises schriftlich mit: "Dringlich ist es, dass mindestens auf Bundeslandebene einheitliche Software beschafft wird. Das würde die gemeinsame Arbeit an Fällen und Themen sowie Nutzung von Daten enorm erleichtern."
Thüringen will nachziehen
In Thüringen dagegen wird bereits an einer einheitlichen Software gearbeitet. Wann die Gesundheitsämter die Anwendungen nutzen können, ist aber noch offen.
In einem schriftlichen Statement des Kyffhäuserkreises heißt es: "Probleme sind, dass die Fachverfahren in den Thüringer Gesundheitsämtern aktuell nicht einheitlich sind, da diverse neu entwickelte Fachanwendungen noch nicht fertiggestellt wurden und es keine Verpflichtung zur Anwendung standardisierter Schnittstellen gibt."
Trotz der fehlenden einheitlichen Software betonen sowohl der Landkreis Harz als auch der Kyffhäuserkreis, dass sich die digitale Ausstattung in den Ämtern deutlich verbessert habe. Auf eine mögliche weitere Pandemie sehen sich beide deshalb besser vorbereitet als noch im Jahr 2020.
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