Lehrer hinken Schülern in Sachen KI hinterher: "Schule muss neu gedacht werden"
- KI wird durch Schüler verbreitet genutzt – Lehrkräfte hinken hier deutlich hinterher.
- Lehrer bemängeln, dass sie nicht die Kapazitäten hätten, sich in die Nutzung von KI einzuarbeiten.
- In Thüringen soll der Rückstand der Lehrer aufgearbeitet werden, bevor die Schul-KI "Telli" ausgerollt wird.
Egal, ob es die Hausarbeit über den Zweiten Weltkrieg mit Hilfe von KI ist, der Rechenweg für eine Integralrechnung oder eine Übersetzung ins Englische: KI-Anwendungen wie ChatGPT, Gemini oder Photomath haben längst den Weg in die Kinderzimmer gefunden.
Viele Schülerinnen und Schüler erledigen damit ihre Hausaufgaben. Lehrer wiederum beklagen, nur wenig oder gar nicht auf den Umgang mit Künstlicher Intelligenz vorbereitet zu sein. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Telekom-Stiftung.
Viele Möglichkeiten, wenig Regeln
Die Ergebnisse zeigten die Realität in den Schulen, sagt Jacob Chammon, Geschäftsführer der Telekom-Stiftung. Lehrkräfte hätten ganz viel zu tun und würden gern mit KI arbeiten. Es gebe viele Regelwerke, aber sie seien unsicher. Chammon betont, es gebe keine klaren One-Pager. Das sei aber das, was die Lehrkräfte forderten, wo sie mit einem Blick sehen könnten, was dürften sie und was dürften sie nicht. Auf der anderen Seite gebe es ganz viele Möglichkeiten und schnell begebe man sich dann in eine Grauzone. "Das kann zu Unsicherheit führen", resümiert Chammon.
Lehrkräfte haben ganz viel zu tun und sie möchten gern mit KI arbeiten.
Besonders wichtig sei die Frage, wie KI bei Prüfungen und Leistungsbewertungen eingesetzt werden dürfe, so Jacob Chammon. Für die Studie wurden 1.000 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland befragt. Die meisten, und zwar 78 Prozent der Befragten, gaben an, dass sie es für ausgeschlossen halten, sich neben ihren regulären Aufgaben als Lehrer auch noch mit KI-Anwendungen zu beschäftigen.
GEW sieht Kollegen allein gelassen
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)Bildrechte: picture alliance/dpa | Julian StratenschulteDas bestätigt auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Thüringen. Sprecher Michael Kummer sagt, es gebe verstärkt Rückmeldungen von Kollegen aus den Schulen, dass KI durch die Schülerinnen und Schüler stark genutzt werde und die Lehrerinnen und Lehrer und auch die Schule selbst nicht hinterher kämen.
Kummer sagt, es liege an fehlenden Möglichkeiten zur Weiterbildung und fehlenden technischen Möglichkeiten. Schule müsse dann auch anders gedacht werden – weg vom Auswendiglernen und von schriftlichen Arbeiten. Die könne die KI inzwischen viel schneller und schöner machen. Vielmehr gehe die Schulentwicklung in Richtung Kompetenzlernen, betont Kummer. Dies müsse stärker ausgebaut werden und da fühle sich ein Großteil der Kollegen alleingelassen.
Dabei gehört Thüringen zu den Bundesländern, in denen es vom Bildungsministerium bereits einen Handlungsleitfaden für den Umgang mit KI gibt.
KI-Anwendung "Telli" geht bald an den Start
Warum die praktische Umsetzung aber nicht hinterherkommt, erklärt die Sprecherin des Thüringer Bildungsministeriums, Lisa Bönsel, so: "Es ist so, dass die Fortbildungsveranstaltungen jetzt schon niveaubezogen angelegt sind. Wir haben Leute, die noch KI-Einsteigende sind und wir haben auch Profinutzer, die sich ganz viel mit der Materie beschäftigen."
KI in der Schule Bildrechte: picture alliance/dpa | Hauke-Christian DittrichBönsel ergänzt: "Natürlich sollen die Lehrkräfte auch die Zeit dafür haben, sich mit all dem auseinanderzusetzen." Dieser Schritt – der didaktisch sinnvolle Unterrichtseinsatz und auch die Auseinandersetzung mit den bestehenden Regelungen – würde intensiv vorbereitet, bevor "Telli", eine deutschlandweit für Schulen entwickelte KI-Anwendung, ausgerollt werde.
Das soll im April der Fall sein, so Bönsel. In diesem Zusammenhang ist dann auch eine Weiterbildungsoffensive für alle Lehrerinnen und Lehrer geplant.
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