Wie Lutz van der Horst den Mut fand, zu sich zu stehen
- In seinem Liebesroman "Konfetti-Blues" verarbeitet Lutz van der Horst sein Leben als queerer Mensch in den 2000er-Jahren.
- Humor hilft dem Autor und Komiker durch Krisenzeiten – aus seiner Sicht entsteht guter Humor erst aus Schmerz.
- Seine Botschaft an jüngere Menschen ist, zu sich zu stehen – gerade wenn man queer ist.
MDR KULTUR: Lutz van der Horst, Du hast hier auf der Leipziger Buchmesse deinen Liebesroman "Konfetti-Blues" vorgestellt. Was ist die Geschichte dahinter?
Lutz van der Horst: Also, wenn ich's kurz zusammenfassen müsste, würde ich sagen, ein erfolgloser Komiker ist auf der Suche nach der Liebe und findet versehentlich sich selbst. Es ist ein Liebesroman, aber es geht in Wahrheit viel um Selbstliebe.
Es ist ein Liebesroman, aber es geht in Wahrheit viel um Selbstliebe.
Seinen Roman präsentierte Lutz van der Horst auf der Leipziger Buchmesse 2026.Bildrechte: MDR/Ole SteffenEs ist ein autofiktionaler Text. Der Charakter Max erlebt sein Aufstreben zum Komiker, Enttäuschungen, aber auch den Umgang mit seiner eigenen Sexualität in den 2000er-Jahren. Wie erzählt die Geschichte davon – und wie sind deine Eindrücke vom Leben als queerer Mensch in den 2000er-Jahren darin verarbeitet?
Es ist, wie du schon sagst, autofiktional. Insofern ist die Figur Max mir sehr nah, auch wenn nicht alles so passiert ist, wie in diesem Buch. Da ist natürlich auch viel erfunden.
Aber Max ist ja queer – in den Nullern hätte man jetzt "bisexuell" gesagt, also er steht auf Männer und Frauen. Bei mir ist es so ähnlich: Privat lasse ich aber die Frauen weg. Auch ich bin ein queerer Mensch. Und ja, das war in den Nullerjahren auf jeden Fall schwieriger als es jetzt ist.
Es ist immer gut, zu sich zu stehen – gerade wenn man queer ist.
Die Zeiten haben sich zum Glück sehr verändert, auch wenn es ja leider Kräfte gibt, die das wieder zurückdrehen wollen. Aber an sich ist das jetzt viel positiver. Ich habe es sogar noch in den 90ern erleben müssen. Da war das ja noch schwieriger. Da gab es ja nicht mal Internet. Also die Zeiten haben sich schon sehr zum Positiven verändert.
Lutz van der Horst ist für seine Auftritte als Außenreporter der "heute‑show" bei politischen Parteitagen oder im Bundestag bekannt.Bildrechte: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann / SVEN SIMONDu hast erzählt, dass du diesen Text eigentlich schon vor langer Zeit geschrieben hast, aber jetzt erst den Mut hattest, ihn zu veröffentlichen. Warum hat es am Ende jetzt doch noch diese Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, gedauert?
Der Text ist tatsächlich in den Nullerjahren entstanden. Ich habe immer wieder rumgewerkelt, nochmal umgeschrieben, umgestellt und mit mir gehadert, ob man das veröffentlichen sollte. Dadurch, dass es eben nicht nur um queere Themen geht, sondern auch um Alkoholmissbrauch und Partydrogen – es geht ans Eingemachte.
Auch, wenn es ein lustiger Roman ist, ist der auch dramatisch und auch traurig. Leute sagen mir auch, sie haben sogar dabei geweint. Das ist das, was ich erreichen wollte, dass man den Figuren auch glaubt und das es nicht nur eine Sketchparade ist.
Wie hat Dir denn persönlich Dein Humor geholfen? Auf einer persönlichen Ebene, aber auch auf einer gesellschaftlichen, hilft Humor uns allen ja aus Krisenzeiten, vielleicht auch aus einem Schmerz. Was sind deine Gedanken dazu?
Guter Humor entsteht immer aus Schmerz. Die meisten Komiker und Komikerinnen sind privat keine fröhlichen Menschen. Ich auch nicht. Ich bin auch ein Mensch, der durch dunkle Täler geht und der mindestens melancholisch ist. Und das sind, glaube ich, die meisten – also alle, die gute Comedy machen, sind solche Menschen. Und das macht auch total Sinn, weil natürlich Komik eine Möglichkeit ist, den Wahnsinn zu überleben. Und das hilft mir.
Guter Humor entsteht immer aus Schmerz. Die meisten Komiker und Komikerinnen sind privat keine fröhlichen Menschen. Ich auch nicht.
Für Lutz van der Horst ist Komik eine Möglichkeit, Krisenzeiten zu überstehen.Bildrechte: IMAGO/EHL MediaDu hast eben gesagt, die Zeiten für queere Menschen haben sich geändert und es ist inzwischen einfacher. Aber wie ist Dein Blick auf junge Kollegen und Kolleginnen, die nachrücken und vielleicht auch eine Lebensgeschichte haben, von der sie irgendwas zurückhalten. Hast Du eine Botschaft, vielleicht sogar eine mutmachende?
Ich glaube, es ist immer gut, zu sich zu stehen – gerade wenn man queer ist. Und ich kann nur sagen, ich habe keine einzige schlechte Erfahrung gemacht bei meinem Coming Out und da reden wir noch von den 90ern. Und deine Freunde werden dich nicht im Stich lassen, auch wenn sie vielleicht anfangs komische Sachen reden, weil sie nicht wissen, dass du queer bist. Aber die Menschen werden weiterhin zu dir stehen – und hab' den Mut, zu dir zu stehen.
Das Interview für MDR KULTUR führte Ole Steffen. Die Beteiligten einigten sich vor dem Interview aufs Du.
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