Rekordverdächtig genau: Schüler vermessen in Großenhain Häuser und Flächen wie vor 150 Jahren
Konstantin Pötzsch hält ein Theodoliten-Modell fest. Florian Fichtner erfasst, ob das Gerät - mit dem sich Winkel bestimmen lassen - genau eingestellt ist. Hier geht es um jeden Millimeter und ein scharfes Auge.
Die Aufgabe der beiden Schüler der Hoga-Oberschule Dresden: die Länge einer Dachgaube berechnen. Und das ohne moderne Hilfsmittel. "Es ist eine extreme Gefühlsarbeit. Es muss alles sehr genau gemacht werden auf den Millimeter", schildert Konstantin Pötzsch.
Konstantin Pötzsch (links) und Florian Fichtner vermessen eine Dachschräge mithilfe eines Theodolit-Modells. Dabei ist genaues Augenmaß gefragt.Bildrechte: MDR/Philipp BrendelMathematik praxisnah erleben an historischem Ort
Neben Florian und Konstantin steht Frieder Henker und gibt Hinweise. Der Mathe- und Physiklehrer a.D. organisiert seit 2017 den sogenannten Großenhainer Grundlinientag. "Das ist ein Projekttag, an dem die Schüler Landesvermessung erleben sollen."
Der ehemalige Mathe- und Physiklehrer Frieder Henker hilft den Schülern dabei, richtig mit den alten Vermessungsmethoden umzugehen. Bildrechte: MDR/Philipp BrendelWir wollen den Schülern Geschichte vermitteln. Sie sollen zudem ihr mathematisches Wissen vertiefen und erweitern.
Sachsen wurde in Dreiecke zerlegt
Und das an einem historischen Ort: Vor rund 150 Jahren wurde Sachsen sehr präzise vermessen. Das geschah bei der Königlich-Sächsischen Triangulirung. "Man hat das Land Sachsen in Dreiecke zerlegt", erklärt Henker. Über Tausende Winkelmessungen und eine Längenmessung - die Großenhainer Grundlinie - ließen sich die Flächen berechnen. "Wir wollen den Schülern Geschichte vermitteln. Sie sollen zudem ihr mathematisches Wissen vertiefen und erweitern", sagt Henker.
Schülerin: Chance, wieder mehr Spaß an Mathe zu bekommen
Bei einer anderen Aufgabe stellen die Schüler die mehrere Kilometer lange Großenhainer Grundlinie in Miniaturformat nach. Auch hier geht es um Teamarbeit, Zeit und vor allem: Genauigkeit.
Die Schülerinnen der Oberschule Nünchritz Zoey Schiffer (links) und Lia Schulze freuen sich darüber, dass ihre Klasse in Großenhain super als Team zusammengearbeitet hat. Bildrechte: MDR/Philipp BrendelEs ist echt eine gute Chance, sich dem Mathe- oder Physikunterricht näher zu bringen. Danach wird dem einen oder anderen das Fach auch mehr Spaß machen.
Lia Schulze hält ein Lot, während Zoey Schiffer Stäbe in einer Geraden ausrichtet. Es geht darum, die Strecke zwischen zwei Punkten zu ermitteln. "Ich kann mir später auch etwas beruflich mit Mathe und Physik vorstellen. Vermessung aber nicht unbedingt", sagt Zoey. Und Lia würde so einen Projekttag auch anderen Schülern weiterempfehlen. "Es ist echt eine gute Chance, sich dem Mathe- oder Physikunterricht näher zu bringen. Danach wird dem einen oder anderen das Fach auch mehr Spaß machen", erklärt die 13-Jährige.
Mit Hilfe eines Messlots richten die Schüler Holzstäbe aus. Ziel ist es dabei, eine Gerade einzurichten, die möglichst wenige Abweichungen hat. Die Aufgabe beinhaltet sozusagen die Nachstellung der Großenhainer Grundlinie im Miniaturformat. Bildrechte: MDR/Philipp BrendelJugendlicher macht nach Projekttag Vermesser-Ausbildung
An der nächsten Station sind künftige Häuslebauer gefragt. Hier soll ein unregelmäßiges Viereck mit Hilfe von Maßbändern sowie Winkel- und Dreiecksmessungen bestimmt werden. Robin Rothe verteilt die Maßbänder an die Schüler. Der 17-Jährige war zwei Jahre zuvor selbst beim Projekttag dabei gewesen, erzählt er.
Robin Rothe hat vor zwei Jahren am sogenannten Großenhainer Grundlinientag teilgenommen. Der habe ihn motiviert, bei einem Vermessungsbüro ein Praktikum zu machen, sagt der 17-Jährige. Nun macht er eine Ausbildung zum Vermessungstechniker. Bildrechte: MDR/Philipp BrendelDanach machte er ein Praktikum bei einem Vermessungsbüro, wo er nun Auszubildender im ersten Lehrjahr ist. "Ich finde es toll, dass man draußen und drinnen arbeitet. Man wertet selber seine Arbeit aus, damit alles stimmt und in Ordnung ist", sagt Robin. Besonders faszinierend für ihn: Alte Karten und Grenzsteine aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind auch heute noch Teil der Arbeit als Vermesser.
Etwas Praktisches fürs Leben lernen
Konstantin Pötzsch und Florian Fichtner ziehen gerade das Maßband straff. Ihr Fazit zum Projekttag fällt positiv aus. "Es ist Schulmathe angewandt in der Welt. Es ist Mathe, wie man es einsetzen kann, wenn man es mal brauchen sollte", sagt Konstantin. Und Florian: "Es macht Spaß, dass man Mathe mal in so einer Perspektive erlebt und nicht vor der Tafel in der Schule."
Die Schüler der Hoga-Oberschule Dresden Florian Fichtner (links) und Konstantin Pötzsch finden es klasse, das Fach Mathe einmal außerhalb der Schule zu erleben.Bildrechte: MDR/Philipp BrendelEs ist Schulmathe angewandt in der Welt. Es ist Mathe, wie man es einsetzen kann, wenn man es mal brauchen sollte.
Schüler legen rekordverdächtige Messung hin
Die besten Vermessungsmeister sind am Ende die Schüler der Hoga-Oberschule Dresden. Beim Messen mit Stäben haben sie die gesamte Streckenlänge auf den Millimeter genau gemessen. "Eine hervorragende und in fast zehn Jahren Großenhainer Grundlinientag nie dagewesene Leistung", betont Frieder Henker. Auch die Schüler der Oberschule Nünchritz haben mit nur wenigen Abweichungen eine "herausragende Leistung" erzielt.
Nach dem Messen müssen die Schüler Flächen und Längen möglichst genau ausrechnen. Bildrechte: MDR/Philipp BrendelWeiterführende Links
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