• WG-Zimmer in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt sind deutlich preiswerter als im bundesweiten Durchschnitt.
  • Steigende Energiekosten belasten besonders günstige WG-Mieten und kleine Hochschulstandorte kämpfen mit zu wenigen Mietangeboten.
  • Die geplante Erhöhung der Bafög-Wohnkostenpauschale stockt politisch.

Zum Beginn des Sommersemesters müssten Studenten im Mittel rund 391 Euro für ein WG-Zimmer in Thüringen ausgeben. In Sachsen sind es etwa 372 Euro und in Sachsen-Anhalt 358 Euro. Das zeigt eine aktuelle Erhebung des Moses Mendelssohn Institut an den großen Unistandorten.

Bundesweit liegen die Gesamtkosten für ein Zimmer im Mittel bei 512 Euro – und damit deutlich höher als in Mitteldeutschen Städten. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Kosten damit um rund vier Prozent gestiegen.

"Wir haben gesehen, dass die mittleren Mieten an den Standorten stabil geblieben sind. Gleichzeitig gibt es immer weniger günstige Angebote, bei denen die Kosten unter dem mittleren Mietpreis liegen", sagt Stefan Brauckmann vom Moses Mendelssohn Institut. Er erhebt seit über zehn Jahren regelmäßig die Kosten für studentisches Wohnen.

Dem Forscher bereiten vor allem die steigenden Energiekosten Sorgen. Denn sie machten gerade bei günstigen Wohnungen einen großen Teil der Gesamtmiete aus, sagt Brauckmann.

WG-Zimmer in Chemnitz und Halle besonders günstig

In Mitteldeutschland ist Leipzig die teuerste Stadt für WGs. Hier kostet ein durchschnittliches Zimmer insgesamt 400 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr bleiben die Kosten stabil.

Seit 2021 sind die Angebotspreise in Magdeburg und Erfurt besonders stark gestiegen – sie kommen aber von einem niedrigeren Niveau. Im Vergleich zum Vorjahr steigt in Magdeburg der mittlere Preis von 350 auf 370 Euro. In Erfurt liegen die Angebote auf der Plattform WG-gesucht statt bei 360 bei 395 Euro.

Andere Städte zählen zu den günstigsten Studienstandorten bundesweit. In Chemnitz kostet ein Zimmer etwa 288 Euro. Die Erhebung fasst Mittweida und und Freiburg in Mittelsachsen zusammen. Ein Zimmer kostet hier im Schnitt 290 Euro. In Halle sind es 345 Euro.

Zu wenige Angebote an kleinen Standorten

In den kleineren Hochschulstandorten sind nicht unbedingt die Preise das Problem. Es gebe insgesamt weniger Angebote am Mietmarkt, sagt Stefan Brauckmann.

Kleine Hochschulen, etwa in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, stehen laut dem Forscher vor besonderen Herausforderungen: "Sie sind stärker darauf angewiesen, ihre Studienplätze nachhaltig zu besetzen. Deshalb ist es für sie wichtig, sich für ausländische Studierende zu öffnen. Wenn es auf dem Mietmarkt keine guten Angebote gibt, auf die man sich aus der Ferne bewerben kann, dann entscheiden sich diese Studierenden eher für die international bekannten Städte mit guter Infrastruktur."

Streit um die Bafög-Wohnkostenpauschale

In den großen Städten mit viel Zuzug wie in Leipzig spielt stattdessen die Diskrepanz zwischen Wohnkosten und staatlicher Unterstützung eine wichtigere Rolle. Die Bafög-Wohnpauschale liegt derzeit bei 380 Euro. In Leipzig reicht dieser Betrag nicht für ein durchschnittliches WG-Zimmer. Erfurt zählt seit diesem Jahr auch dazu.

Die Bafög-Wohnpauschale ist ein Teil der Bafög-Zahlung. Sie wird an Studenten ausgezahlt, die nicht bei ihren Eltern wohnen. Mehr als drei Viertel von ihnen leben in Städten, in denen die durchschnittlichen WG-Mieten über der Bafög-Wohnkostenpauschale liegt.

In ihrem Koalitionsvertrag hatte die Bundesregierung geplant, das Bafög zu modernisieren. So sollte unter anderem die Wohnkostenpauschale zum Wintersemester 2026 um 60 Euro auf 440 Euro steigen. Laut Handelsblatt gibt es derzeit jedoch Streit in der Koalition darüber, ob das Finanzministerium die Mehrkosten zahlt oder das Forschungsministerium.

Neubau von Wohnungen bleibt wichtig

Studien zufolge fehlen bundesweit insgesamt mehr als eine Million bezahlbare Wohnungen. Neubau würde den Druck vom Wohnungsmarkt nehmen.

Der Bund hatte 2023 mit dem Programm "Junges Wohnen" speziell für Studenten und Auszubildende eine Initiative aufgelegt. Mit den Mitteln aus diesem Programm sollen die Länder in den kommenden Jahren neue Wohnheimplätze bauen.

Stefan Brauckmann vom Moses Mendelssohn Institut findet gerade solche Programme wichtig: "Dadurch können Unterkünfte für junge Leute in der Ausbildung entstehen. Da die Wohnheimzimmer spätestens mit dem Ende des Studiums wieder frei werden, stehen sie der Zielgruppe langfristig zur Verfügung. In klassischen Sozialwohnungen bleiben Menschen oft lange wohnen, selbst wenn ihr Einkommen steigt."

Allein mit Wohnheimen kann der Bedarf jedoch nicht gedeckt werden. In Thüringen wohnen laut Statistik des Studierendenwerks rund 18 Prozent der Studierenden in einem Wohnheim – der höchste Anteil bundesweit. In Sachsen lag der Anteil bei 16 Prozent und in Sachsen-Anhalt bei 9 Prozent.

MDR (Leonhard Eckwert)

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