Schwimmhallen und Freibäder kämpfen mit Fachkräftemangel und Finanzierungslücken
- Kein Badebetrieb ohne Fachangestellte
- Schließtage und verkürzte Öffnungszeiten
- Rettungsschwimmer-Ausbildung leidet
- DLRG sieht Bäder als "Daseinsvorsorge"
Etwa neun Schwimmer ziehen ihre Bahnen im Sportbad Markkleeberg, südlich von Leipzig. Eben hat der stellvertretende Badleiter André Rühl noch einen Kinder-Schwimmkurs unterrichtet, jetzt behalten sein Kollege und er die Badegäste im Blick. Das Bad ist fast ganzjährig geöffnet, morgens bis abends ausgelastet: Schulschwimmen, Vereinstraining, Schwimmkurse und öffentliches Schwimmen.
Kein Badebetrieb ohne Fachangestellte
Ohne ausgebildete Fachangestellte wie Rühl, die sich von Technik bis Rettung um alles im Bad kümmern, wäre der Schwimmbadbetrieb nicht möglich. "Wir sind momentan hier in der Schwimmhalle drei Fachangestellte und zwei Rettungsschwimmer und dadurch sind wir ganz gut aufgestellt." Man komme bei den gegebenen Öffnungszeiten mit dem Personal selbst gut klar. Aber man kenne im Allgemeinen natürlich die Probleme: "Es ist teilweise sehr schwierig, genug Rettungsschwimmer, geschweige denn Fachpersonal zu bekommen", sagt Rühl.
Schließtage und verkürzte Öffnungszeiten
Das bestätigt auch der Vorsitzende des Schwimmmeister-Verbands Sachsen, Rico Koslowski. Es fehlt an sogenannten Fachangestellten für Bäderbetriebe. Sie durchlaufen eine dreijährige Ausbildung. Der Mangel könnte auch die kommende Freibadsaison einschränken, sagt Koslowski. Das habe man letztes Jahr schon gehabt.
In Koslowskis Region Ostsachsen hätten sehr viele Bäder in der Saison Schließtage oder verkürzte Öffnungszeiten, weil Fachkräfte fehlten. "Hier ist aber auch ein großer Faktor, dass die Kommunen einen so schlechten Haushalt haben oder nahezu pleite sind, dass freiwillige Leistungen gestrichen werden müssen." Es gehe dort in Richtung Bädersterben, warnt Koslowski.
Im vergangenen Sommer konnte zum Beispiel das Waldbad im Städtchen Neusalza-Spremberg im Landkreis Görlitz nicht jeden Tag öffnen. Auf Nachfrage teilt der Bürgermeister mit, dass die Badesaison ab April vorbereitet werde und man das Personal zusammen mit der Wasserwacht plane.
Rettungsschwimmer-Ausbildung leidet
Auch wenn es genug Interessierte für die Rettungsschwimmer-Ausbildung gibt, haben die Wasserwachten in Thüringen Sorgen, berichtet der zuständige Referent beim DRK Thüringen Dirk Junghans: "Aktuell haben wir in Thüringen das Problem, dass wir nicht mehr uneingeschränkt Kurse für Rettungsschwimmen und Schwimmen durchführen können, da einige Schwimmhallen geschlossen sind wegen Sanierung, einige Schwimmhallen zugemacht werden und einige Schwimmhallen auf der Kippe stehen, ob es dieses Jahr überhaupt wieder weitergeht." Auch bei vielen Freibädern sei wegen fehlender Finanzierung unklar, ob es weitergehen könne.
Junghans wünscht sich, dass ausreichend Schwimmhallen erhalten bleiben, damit Retter und auch Kinder weiter ausgebildet werden können.
DLRG sieht Bäder als "Daseinsvorsorge"
Ähnliche Sorgen gibt es in Sachsen-Anhalt, erzählt Holger Friedrich, Landesgeschäftsführer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Er fordert, dass Bäder keine freiwillige Leistung bleiben dürfen. Schließlich sei auch der Schwimmunterricht für Kinder eine gesetzliche Aufgabe. Die Politik müsse darüber nachdenken. Ein Schwimmbad müsste eine "Daseinsvorsorge" sein, so wie ein Krankenhaus, ein Kindergarten oder eine Schule. "Solange es dabei bleibt, dass Kommunen sagen können, wir schaffen das ab, weil wir kein Geld mehr haben, da verschwinden die Bäder mehr und mehr." Auch könnten die oft ehrenamtlichen Rettungsschwimmer nicht die Fachkräfte-Lücke im Bäderbetrieb füllen.
Vize-Sportbad-Chef André Rühl in Markkleeberg kann nur für seinen vielseitigen Job werben: Er kann im Notfall Menschen retten, Schwimmen lehren, das Schwimmbad in Schuss halten und fürs perfekte Badewasser sorgen.
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